An diesem Tag

Robert Oppenheimer

US-amerikanischer Physiker (1904–1967)

Anúncio

Julius Robert Oppenheimer (* 22. April 1904 in New York City; † 18. Februar 1967 in Princeton, New Jersey) war ein US-amerikanischer theoretischer Physiker.

Oppenheimer wurde vor allem für seine Rolle als wissenschaftlicher Leiter des Manhattan-Projekts während des Zweiten Weltkriegs bekannt. Dieses im geheim gehaltenen Los Alamos National Laboratory in New Mexico durchgeführte Projekt hatte die Entwicklung der ersten Nuklearwaffen zum Ziel. Oppenheimer gilt als „Vater der Atombombe“, verurteilte jedoch ihren weiteren Einsatz, nachdem er die Folgen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki gesehen hatte.

Nach dem Krieg arbeitete Oppenheimer als Berater der 1946 neu gegründeten Atomenergiebehörde der Vereinigten Staaten und nutzte diese Position, um sich für eine internationale Kontrolle der Kernenergie und gegen ein nukleares Wettrüsten zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten einzusetzen. Nachdem er sich mit seinen politischen Ansichten das Missfallen vieler Politiker während der McCarthy-Ära zugezogen hatte, wurde ihm am 29. Juni 1954 die Sicherheitsfreigabe entzogen. Von direkter politischer Einflussnahme ausgeschlossen, setzte er seine Arbeit als Physiker in Forschung und Lehre fort.

Knapp ein Jahrzehnt später wurde Oppenheimer 1963 als Zeichen seiner politischen Rehabilitierung der Enrico-Fermi-Preis der Atomenergiekommission der USA (United States Atomic Energy Commission) verliehen. John F. Kennedy wollte damit Oppenheimer rehabilitieren, die Preisverleihung erfolgte aber im Dezember 1963 durch Lyndon B. Johnson, weil Kennedy am 22. November 1963 erschossen worden war.

Robert Oppenheimers Vater Julius Seligmann Oppenheimer (1871–1937) war 1888 als Textilimporteur in die Vereinigten Staaten eingewandert. Er kam aus dem hessischen Hanau und war Mitglied des jüdischen Geschlechts Oppenheimer. Roberts Mutter Ella Friedman (1869–1931) war Kunsterzieherin. Sie hatte eine Malereiausbildung in Paris absolviert und besaß ein Atelier in New York City. Roberts Bruder, Frank Oppenheimer (1912–1985), war ebenfalls Physiker.

Gemäß Oppenheimers Geburtsurkunde lautet sein Name Julius Robert. Die Entscheidung, dem Namen die Initiale „J.“ für Julius voranzustellen, traf er selbst spontan. Laut Oppenheimer selbst hat der Buchstabe allerdings keine Bedeutung.

Oppenheimer ging auf die Schule der New York Society for Ethical Culture in New York City. Ab der dritten Schulklasse erhielt er Unterricht von einem privaten Chemielehrer. Im Februar 1921 ging Oppenheimer mit zehn Bestnoten von der Ethical Cultural School ab. Oppenheimer sagte später über seine Kindheit: „Meine Kindheit hatte mich in keiner Weise darauf vorbereitet, dass es grausame, bittere Dinge auf dieser Welt gibt“. Sein „behütetes Familienleben“ habe ihm nicht „die normale, gesunde Möglichkeit eingeräumt, jemals ein Lausbub zu sein“.

1922 begann Oppenheimer sein Studium (M. Sc.) an der Harvard-Universität, das er 1925 mit summa cum laude abschloss. Sein Hauptfach war Chemie, er belegte jedoch auch Fächer wie Griechisch, Architektur, Kunst und Literatur. Erst im dritten Studienjahr begeisterte ihn Professor Percy Bridgman für die Physik. Anschließend fuhr er für weitere Studien zu dem Cavendish Laboratory der Cambridge University unter Leitung von Ernest Rutherford, wo man ihm experimentelle Arbeiten zuwies, für die er wenig Neigung zeigte. Es kam dort auch zu einer persönlichen Krise, die eine psychologische Behandlung erforderlich machte. Nach überstandener Krise wandte er sich der theoretischen Physik zu, für die er außerordentliches Talent bewies. Von Oktober 1926 bis Juni 1927 hielt er sich als Forschungsstudent an der Universität Göttingen auf.

1926 veröffentlichte Oppenheimer mehrere Arbeiten über die quantenmechanische Behandlung komplexer Fragen der Atomstruktur. Durch diese Arbeiten wurde Max Born auf Oppenheimer aufmerksam und bot ihm einen Platz als Doktorand in Göttingen an. An der dortigen Universität, dem damals weltweit führenden Zentrum der Atomphysik, kam es zum Gedankenaustausch zwischen dem jungen Oppenheimer und den großen Atomwissenschaftlern der Zeit, Werner Heisenberg, Pascual Jordan, Niels Bohr, Wolfgang Pauli, Enrico Fermi, Paul Dirac und Edward Teller. Er lernte auch Fritz Houtermans und Charlotte Houtermans kennen, die er verehrte und umwarb.

Schnell wurde Oppenheimer einer der großen Wissenschaftler der Quantenmechanik. Von 1926 bis 1929 veröffentlichte er sechzehn bedeutende Beiträge zur Quantenphysik. 1927 wurde Oppenheimer bei Max Born in Göttingen über theoretische Untersuchungen von Spektren „mit Auszeichnung“ promoviert. Anschließend ging er als Fellow des National Research Council zunächst nach Harvard und dann an das California Institute of Technology (Caltech). Von 1928 bis 1929 war er in Leiden und Zürich, wo er mit Wolfgang Pauli zusammenarbeitete. Er kehrte 1929 in die USA zurück und wurde gleichzeitig Assistenzprofessor an der University of California, Berkeley und am Caltech in Pasadena. In den folgenden 13 Jahren pendelte er zwischen den beiden Universitäten und lehrte in Herbst und Winter in Berkeley und im Frühjahr in Pasadena.

Im Jahr 1937 starb sein Vater Julius und hinterließ ihm und seinen Geschwistern ein beachtliches Vermögen. Oppenheimer bildete in Kalifornien eine aktive Schule theoretischer Physiker. Dass in der damaligen, vom spanischen Bürgerkrieg gekennzeichneten Atmosphäre kommunistische Neigungen unter Intellektuellen gang und gäbe waren, denen auch viele Freunde Oppenheimers anhingen, wurde ihm später in der McCarthy-Zeit negativ ausgelegt.

Ab 1936 soll Oppenheimer eine romantische Beziehung zu Jean Tatlock (1914–1944) unterhalten haben, die Mitglied in der Kommunistischen Partei war.

1939 veröffentlichte er auch Arbeiten zur Astrophysik, u. a. eine frühe Untersuchung über Neutronensterne und eine Untersuchung über den gravitativen Kollaps schwerer Sterne zu Schwarzen Löchern (der Name „Schwarzes Loch“ kam allerdings erst in den 1960er Jahren auf).

1940 wurde Oppenheimer in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1941 wurde er in die National Academy of Sciences und 1945 in die American Philosophical Society aufgenommen.

Während des Zweiten Weltkriegs wuchs bei der amerikanischen Regierung die Sorge, das nationalsozialistische Deutschland könnte als erste Nation eine Atombombe bauen (Uranprojekt). Um dieser Bedrohung zuvorzukommen, wurde mit dem Manhattan-Projekt die Entwicklung einer amerikanischen Atombombe forciert.

Nachdem Robert Oppenheimer und Katherine Oppenheimer 1941 geheiratet hatten, übernahm er 1942 die ihm angebotene wissenschaftliche Leitung des Manhattan-Projekts. Es war unter anderem seine Aufgabe, die besten Wissenschaftler des Landes für das geheime Projekt zu gewinnen. Oppenheimer verlegte das Projekt in die Wüste von New Mexico, wo in über 2.000 m Höhe das Los Alamos National Laboratory errichtet wurde. Diese Forschungseinrichtung beherbergte schließlich etwa 3.000 Menschen.

Die Forschungen in Los Alamos wurden abgeschlossen. Die erste Atombombe der Welt wurde The Gadget (deutsch: „das Gerät“, „die technische Spielerei“) genannt und auf dem Testgelände White Sands Missile Range mit dem Codenamen Trinity (Dreifaltigkeit) in der Wüste von New Mexico am 16. Juli 1945 um 5:29:45 Uhr gezündet. 9 km davon entfernt war ein Bunker errichtet worden.

In Erinnerung an dieses Ereignis zitierte Oppenheimer in einem Interview mit NBC 1965 eine Textstelle aus der „Bhagavad Gita“, einer zentralen heiligen Schrift des Hinduismus: „Now, I am become Death, the destroyer of worlds.“ (deutsch: „Jetzt bin ich zum Tod geworden, zum Zerstörer von Welten“).

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Robert Oppenheimer | World in Stories