Robert Jay Lifton (* 16. Mai 1926 in Brooklyn, New York, N.Y.; † 4. September 2025 in Truro, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Psychiater und Autor, der vor allem durch seine psychologischen Studien über die Ursachen und Folgen von Kriegen und politischer Gewalt bekannt wurde. Er war einer der frühesten Verfechter der Methoden der Psychohistorie.
Lifton wurde in Brooklyn, New York, als Sohn des Geschäftsmanns Harold A. und Ciel (Roth) Lifton geboren. Er studierte Medizin am New York Medical College. Von 1951 bis 1953 diente er als Psychiater der Air Force in Japan und Korea, worauf er später sein Interesse an Krieg und Politik zurückführte.
Er arbeitete danach als Lehrer und Forscher an der Washington School of Psychiatry, Harvard University, und dem John Jay College of Criminal Justice, wo er half das Center for the Study of Human Violence zu gründen.
1952 heiratete er die Autorin Betty Jean Kirschner. Die beiden hatten drei Kinder.
Während der 1960er bildete Lifton zusammen mit seinem Mentor Erik H. Erikson und Bruce Mazlish die Wellfleet Group, ein von der American Academy of Arts and Sciences gesponsertes Projekt, um „Psychohistorie“ als Forschungsfeld zu definieren. 1970 wurde Lifton in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
Liftons Arbeit auf diesem Gebiet war stark von Eriksons Studien über Hitler und andere politische Figuren sowie von Sigmund Freuds Sorge um die sozialen Auswirkungen von triebhaften Einstellungen (vgl. z. B. Zeitgemäßes über Krieg und Tod (1915) und Massenpsychologie und Ich-Analyse (1921)) geprägt.
Theorie der Korrektur der Gedanken
Liftons Buch von 1961 Thought Reform and the Psychology of Totalism: A Study of “Brainwashing” in China war eine Studie der Zwangstechniken, die andere als „brainwashing“ oder „mind control“ bezeichnet hatten. Lifton beschreibt im Detail acht Methoden, die ihm zufolge benutzt werden, um den Geist von Menschen ohne deren Einverständnis zu ändern:
Milieukontrolle (kontrollierte Beziehungen zur Außenwelt)
mystische Manipulation (die Gruppe hat höhere Ziele als die restliche Welt)
Geständnis gegenwärtiger oder vergangener Verstöße gegen gruppendefinierte Regeln gegenüber dem Supervisor oder der Gruppe
Selbst-Heiligung durch Reinheit (das Individuum dazu drängen, eine nicht erreichbare Perfektion anzustreben)
Aura einer heiligen Wissenschaft (die Überzeugungen der Gruppe sind sakrosankt und vollkommen)
überladene Sprache (neue Bedeutungen für Worte, um Schwarz-Weiß-Denken zu fördern)
Doktrin über die Person (die Gruppe ist wichtiger als das Individuum)
verschonte Existenz (Insider werden gerettet, Outsider sind zur Vernichtung verdammt)
Sein Name wurde in den populären Medien mit diesen Begriffen assoziiert, als er 1976 als Zeuge der Verteidigung in dem Prozess gegen Patty Hearst aussagte, die Symbionese Liberation Army habe ähnliche Techniken angewendet, um bei Patty Hearst eine zeitweilige Verhaltensänderung zu bewirken.
Entgegen populären Vorstellungen über ‚Gehirnwäsche‘ war Lifton immer der Ansicht, dass solcher Zwang nur kurzfristige Verhaltensänderungen oder allgemeine Neurosen, nicht aber dauerhafte Änderungen der Überzeugungen oder Persönlichkeitsveränderungen bewirken könne. Psychologen wie Margaret Singer und Steven Hassan haben später locker an seine Theorien angeknüpft und Termini wie „totalism“ und „thought reform“ auf die Praktiken bestimmter religiöser Gruppen übertragen; die American Psychological Association und die American Sociological Association haben erklärt, dass sie eine solche Analyse nicht für wissenschaftlich stichhaltig halten, aber nicht Liftons ursprüngliche Arbeit zurückgewiesen.