An diesem Tag

Robert Havemann

Deutscher Chemiker, Politiker (KPD, SED), MdV und Regimekritiker in der DDR

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Robert Hans Günther Havemann (* 11. März 1910 in München; † 9. April 1982 in Grünheide) war ein deutscher Chemiker, Kommunist, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus (Rote Kapelle und Widerstandsgruppe Europäische Union) und Regimekritiker in der DDR.

Robert Havemann war der Sohn der Kunstmalerin Elisabeth Havemann, geb. von Schönfeldt, und des Lehrers, Redakteurs und Schriftstellers Hans Havemann (1887–1985), der 1921 das dadaistische Stück Weltgericht: Die Tragödie der Urlaute AEIOU unter dem Pseudonym Jan van Mehan veröffentlichte und 1933 Mitglied der NSDAP wurde.

1929 begann Robert Havemann ein Studium der Chemie in München, wechselte 1931 nach Berlin und schloss dort 1933 sein Studium ab. Am 16. Oktober 1935 wurde er promoviert.

1934 heirateten Robert Havemann und Antje Hasenclever. 1947 wurde die Ehe geschieden. Zwei Jahre später heirateten Havemann und Karin von Trotha, geborene von Bamberg (* 1916). Diese Ehe wurde 1966 geschieden; ihr entstammen die Kinder Frank Havemann (* 1949), Florian Havemann (* 1952) und Sibylle Havemann (* 1955; zwei gemeinsame Kinder mit Wolf Biermann, Ehe mit Bernhard Wambach).

Von 1962 bis 1971 war Robert Havemann mit der Schriftstellerin Brigitte Martin liiert. Er ist der Vater ihrer beiden Töchter.

Am 26. April 1974 heirateten Robert Havemann und Annedore (Katja) Grafe.

1933 begann er bei dem Kolloidforscher Herbert Freundlich eine Dissertation über „Ideale und reale Eiweißlösungen“ am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie. Bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten trat Havemann der späteren Widerstandsgruppe Neu Beginnen bei. Freundlich emigrierte aufgrund des antisemitischen Arierparagraphen Ende Juli 1933 und Havemann verließ, wie alle anderen noch verbliebenen Mitarbeiter, das Institut nach einer Umstrukturierung. Zuvor denunzierte er im Sommer 1933 das Vorhaben Freundlichs, sich einige mit Geldern der Rockefeller-Stiftung erstandene Apparate am KWIpCh durch Fritz Haber und Max Planck ins Exil nach London nachschicken zu lassen. Das Vorhaben wurde dadurch verzögert. Dank eines DFG-Stipendiums wurde er 1935 aufgrund einer erfolgreich verteidigten physikalisch-chemischen Dissertation in Berlin promoviert.

Danach arbeitete Havemann von 1937 bis 1943 an einer wissenschaftlichen Arbeit zu einem Giftgas-Projekt des Heereswaffenamtes und habilitierte sich im März 1943.

1943 initiierte Havemann die Widerstandsgruppe „Europäische Union“. Über seinen Neffen Wolfgang Havemann stand er auch in regelmäßigem Kontakt mit Arvid Harnack und anderen aus der Berliner Roten Kapelle. Infolge einer Denunziation verhaftete ihn die Gestapo am 5. September 1943 in Berlin und inhaftierte ihn zunächst im Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße 8 und später im Zuchthaus Brandenburg-Görden, wo er seine Forschungsarbeit in einem eigens für ihn hergerichteten Laboratorium fortsetzte. Am 16. Dezember 1943 wurde er vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Durch die Fürsprache mehrerer Behörden, insbesondere von Professor Wolfgang Wirth, Oberstarzt beim Heereswaffenamt, konnte für Havemann bis Kriegsende mehrmals ein Aufschub der Urteilsvollstreckung erreicht werden. Dabei wurde argumentiert, Havemann werde für „kriegswichtige“ Forschung benötigt. Während des Krieges wurde er aus den Vereinigten Staaten durch Gerhard Bry (1911–1996) mit wissenschaftlichen Publikationen und Lebensmittelsendungen versorgt. Während der Schlacht um Berlin befreite ihn die Rote Armee am 27. April 1945.

1945 übertrug man ihm die Leitung des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Physikalische Chemie und Elektrochemie, des heutigen Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft, in Berlin-Dahlem und die Leitung aller in Berlin verbliebenen Kaiser-Wilhelm-Institute. Aus dieser Position heraus entwickelte er einen Plan zur Rettung der in Berlin verbliebenen Kaiser-Wilhelm-Institute, den der Bildungsreformer Fritz Karsen aufgriff und darauf aufbauend den Plan für eine Deutsche Forschungshochschule entwickelte.

Am 10. April 1947 sagte Havemann als Zeuge der Anklage im Nürnberger Juristenprozess gegen Ernst Lautz aus.

Im Herbst 1947 ging die Zuständigkeit für die Dahlemer Kaiser-Wilhelm-Institute von der Alliierten Kommandantur bzw. der ausführenden Gesamtberliner Stadtverwaltung auf den amerikanischen Stadtkommandanten über. Dieser verfügte im Januar 1948 Havemanns Entlassung als Leiter der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, des Dachverbands der Institute. „Die amerikanische Militärregierung begründete diesen Schritt damit, dass er das vom Alliierten Kontrollrat erlassene ‚Gesetz zur Regelung und Überwachung der naturwissenschaftlichen Forschung‘ (Gesetz Nr. 25) nur unzureichend befolgt hätte.“ Seine Stelle als Leiter der Abteilung für Kolloidchemie und Biomedizin am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie durfte er bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1950 behalten.

Im Januar 1950 erhielt Robert Havemann wegen seiner Agitation gegen die Wasserstoffbombe der USA Berufsverbot und Hausverbot, das der für Volksbildung zuständige West-Berliner Stadtrat Walter May (SPD) unter anderem wie folgt begründete:

Noch im gleichen Jahr wurde er zum Direktor des Instituts für Physikalische Chemie an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin und zum Ordinarius für Physikalische Chemie ernannt. 1951 trat er der SED bei. Bei dieser Gelegenheit deklarierte man rückwirkend eine Parteimitgliedschaft Havemanns in der KPD seit 1932.

Von 1946 bis 1963 arbeitete Havemann mit dem KGB, dem Ministerium für Staatssicherheit und der Armeeaufklärung der DDR zusammen. So lieferte er als „Geheimer Informator“ (GI, Deckname „Leitz“) der Staatssicherheit bei 62 Treffen mit seinem Führungsoffizier mehr als 140 Einzelinformationen – darunter an 19 Treffen auch belastende personenbezogene Angaben. Dies geht aus einer 2005 erschienenen Studie der Bundesbehörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR hervor, die erstmals im Detail die Inhalte und Intensität der bereits seit den 1990er Jahren öffentlich bekannten inoffiziellen Stasi-Mitarbeit Havemanns untersucht. Havemann hatte demnach den Auftrag, über Stimmungen im ostdeutschen Wissenschaftsbetrieb zu berichten, und wurde gezielt auf westdeutsche Wissenschaftler angesetzt. In seinen Berichten belastete er unter anderem DDR-Wissenschaftler mit Aussagen über deren eventuelle Absicht, aus der DDR zu fliehen. Ingeborg Rapoport verdächtigte Havemann zudem, an einer Intrige beteiligt gewesen zu sein, die zur Verhaftung und Ausweisung Walter Hollitschers aus der DDR geführt habe.

Er war Mitglied im Wissenschaftlichen Rat für die friedliche Anwendung der Atomenergie. 1950–1963 war er Mitglied der Volkskammer der DDR und wurde 1959 mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Seit 1950 war er Mitglied des Deutschen Friedenskomitees (später Friedensrat der DDR) und besuchte zusammen mit Gerald Götting im Januar 1960 Albert Schweitzer in Gabun.

Im Wintersemester 1963/1964 hielt Havemann an der Humboldt-Universität eine Vorlesungsreihe mit dem Thema Naturwissenschaftliche Aspekte philosophischer Probleme (veröffentlicht in der Bundesrepublik unter dem Titel: Dialektik ohne Dogma?). In der Bundesrepublik erschien ein kritisches Zeitungs-Interview mit ihm. Daraufhin wurde am 12. März 1964 eine außerordentliche Mitgliederversammlung der SED-Parteiorganisation an der Ostberliner Humboldt-Universität einberufen. Diese beschloss, Havemann aus der Partei auszuschließen, da er „unter der Flagge des Kampfes gegen den Dogmatismus von der Linie des Marxismus-Leninismus“ abgewichen sei und sich des „Verrats an der Sache der Arbeiter- und Bauernmacht schuldig gemacht“ habe.

Das Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen der DDR beschloss am 12. März 1964, Havemann seinen Lehrauftrag zu entziehen, und begründete dies am 13. März 1964 unter anderem wie folgt:

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