An diesem Tag

Robert Guiskard

Normannischer Herrscher, Herzog von Apulien und Kalabrien

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Robert Guiskard (* um 1015; † vermutlich am 17. Juli 1085 bei Porto Atheras) war ein normannischer Herrscher sowie Herzog von Apulien und Kalabrien.

Guiscard (guiscard, guiscart) ist die altfranzösische Aussprache von „Wiß-hart“/„Weis-hard“. Die Normannen, ursprünglich aus Norwegen und Dänemark stammend, hatten ihre altgermanischen Namen weiter gepflegt, obwohl sie als neue Herren der Normandie (Nordfrankreich) im Alltag die altfranzösische Sprache übernommen hatten (vgl. Geschichte der Normandie).

Wilhelm von Apulien schrieb: „… sein Name war Guiskard, weil er an Verschlagenheit Cicero und auch Odysseus überlegen war.“

Robert war der sechste Sohn des Tankred von Hauteville, eines Angehörigen des niederen Adels (Valvassor) der westlichen Normandie (heute: Hauteville-la-Guichard bei Coutances). Er war der erste Sohn der zweiten Frau Tankreds, Frensendis, und stand damit in der Erbfolge an sechster Stelle. Obgleich der väterliche Besitz schon 1035 auf den Sohn Gottfried überging, blieb Robert (im Gegensatz zu den älteren Brüdern) bis etwa 1045 in der Normandie. Aus seinen Jugendjahren ist nichts überliefert. Das normannische Herzogtum wurde in jenen Jahren von blutigen Fehden erschüttert. Der Herzog in Rouen, Wilhelm (später „der Eroberer“ genannt), war zum Zeitpunkt seiner Erhebung 1035 noch ein Kind und kämpfte um sein Überleben.

Der rasante Aufstieg der Brüder in Süditalien erschien Robert verlockend. Ein Jahr nachdem sein ältester (Halb-)Bruder Wilhelm, der Anführer der apulischen Normannen, gestorben war, traf er um 1047 selbst dort ein. Die Hautevilles hatten schon mit der Wahl des nachrückenden zweitältesten Bruders Drogo ein dynastisches Prinzip in der Region etabliert. Aus den ehemals 12 gleichwertigen normannischen Grafen ragten die Hautevilles deutlich als primi inter pares heraus. Sie bauten Melfi zur Zentrale ihrer Herrschaft aus. Robert jedoch schien zunächst alles andere als willkommen und erhielt vom Bruder kein Lehen. Daher verdingte er sich zunächst als Söldner für den kriegerischen Pandulf von Capua. (Zur Vorgeschichte der Normannen in Italien, siehe Geschichte Apuliens#Exkurs: Aufstieg der Normannen 1000 bis 1050.)

Etwa 1048 gelang es ihm, die Burg Scribla an der Via Popilia in Nordkalabrien als Lehen für sich herauszuschlagen – aus Sicht seines Bruders Drogo in ausreichender Entfernung vom Machtzentrum Melfi. Allerdings erhielt er die Zusage, alles hinzueroberte Land behalten zu dürfen. Bei Scribla handelte es sich lediglich um eine kleine, hölzerne Burg (Motte) in der damals stark malariaverseuchten Ebene von Sibari. Es verwundert nicht, dass Robert Guiskard schon bald den unwirtlichen Platz gegen das nicht weit entfernte, aber hoch gelegene San Marco Argentano eintauschte. Dort errichtete er einen soliden steinernen Wehrturm. Mangels Pferden und ausgebildeter Kämpfer verlegte er sich zunächst auf ein reines Banditendasein. Bald schon gebot er über eine etwa 60 Mann starke Bande, die vermutlich aus entlaufenen Balkansklaven bestand. Gegen befestigte Städte konnte die Truppe nichts ausrichten.

Dieses Manko schien Robert Guiskard um das Jahr 1050 durch eine Heirat kompensiert zu haben: Er ehelichte nach einigem Widerstand seitens Drogos schließlich Alberada von Buonalbergo, eine Tante des normannischen Anführers Girard von Buonalbergo, der Robert als Mitgift 200 Krieger überließ und so dessen Handlungsmöglichkeiten beträchtlich steigerte. Auf Girard, mit dem Robert nun auch öfter zusammenarbeitete, dürfte auch sein Beiname Guiskard (etwa „Schlaukopf“) zurückgehen.

Ein Jahr später (1051) fiel Graf Drogo einer Verschwörung zum Opfer. Mit Humfred rückte der nächste Hauteville-Bruder als Anführer nach. Die unterdrückte Bevölkerung begehrte wohl um den St. Laurentiustag (9./10. Aug.) allerorten gegen die normannischen Besatzer auf und tötete viele von ihnen. Hinzu kamen die zunehmenden Schwierigkeiten mit dem 1049 inthronisierten Papst Leo IX., die 1051 darin gipfelten, dass die Bevölkerung Benevents dem Papst den Oberbefehl über ihre Stadt übergab.

Leo IX. entschloss sich, massiv gegen die als Ungläubige gebrandmarkten Normannen vorzugehen und sie militärisch niederzuringen. Bei seiner letzten Bittfahrt ins Reich erhielt er von seinem Landsmann und Vertrauten Kaiser Heinrich III. allerdings lediglich 300–400 Schwaben als Schutztruppe. Auf dem Zug zurück durch Oberitalien nach Rom gesellten sich noch etwa 2000 Leute aus dem Volk sowie ein Kontingent der Langobarden zu seinem Heer, so dass Leos Siegesgewissheit stieg.

Als sich die Heere bei Civitate gegenüberstanden, boten die in ungewohnter Einigkeit erschienenen Normannen zunächst ihre Lehnsabhängigkeit an, wenn sie im Gegenzug freie Hand gegen das mit dem Papst verbündete Byzanz erhielten. Nachdem Leo den Vorschlag abgelehnt hatte, kam es am 18. Juni zur Schlacht von Civitate, in der die Normannen trotz starker Gegenwehr die Päpstlichen besiegten. Papst Leo wurde arrestiert und neun Monate in Benevent festgehalten.

Robert konnte in der Folge in Kalabrien weitgehend selbständig vorgehen und die beiden Bischofsstädte Bisignano und Cosenza einnehmen. Die angewandte Taktik war in erster Linie die Belagerung, was zunächst die schlichte Abschneidung der Versorgungswege bedeutete. Erst in einem zweiten Schritt suchten die Normannen den offenen Kampf. Die Besiegten hatten in der Regel Geiseln zu stellen und mussten Tribut zahlen.

Roberts Erfolg führte zur Rivalität mit seinem älteren Bruder und Lehnsherren Humfred. Während Humfred als Anführer der apulischen Normannen sich permanent der anderen normannischen Grafen zu erwehren hatte, die z. T. ähnlich lange vor Ort waren wie er, erweiterte Robert seine Machtsphäre in kürzester Zeit um ein Vielfaches. Das schürte den Neid. Eine Quelle berichtet, dass Humfred Robert eine kurze Zeit lang einsperren ließ. Kaum in Freiheit, eroberte Robert freilich unbekümmert weiter.

Etwa um das Jahr 1057 erschien Roberts jüngerer Bruder Roger, der spätere Herrscher (Graf) von Sizilien, in Süditalien. Trotz einiger Zerwürfnisse zwischen den beiden Brüdern sollte Roger Roberts wichtigste Stütze bei der Eroberung des Südens werden. Ohne Roger wäre wohl nie ein normannisches Südreich entstanden. Seine Erfolge waren beständiger als die des älteren Bruders.

Ebenfalls im Jahr 1057 starb Humfred. Zwar hinterließ er mit seinem Sohn Abälard einen möglichen, wenngleich noch unmündigen Anwärter auf die Herrschaft, musste aber den ungleich mächtigeren Guiskard zu seinem Nachfolger bestimmen. Offenbar war die Dynastie der Hauteville mittlerweile so etabliert, dass keiner der normannischen Grafen seinem Anspruch widersprach.

Führer der apulischen Normannen

Noch im Jahr 1057 nahm Robert die Eroberung Kalabriens wieder auf, konnte hierzu nun aber auf mehrere hundert Krieger zurückgreifen. Die Belagerung von Reggio Calabria, der größten Stadt Kalabriens, war aber erfolglos. Das Kommando über Kalabrien übertrug Robert dem jungen und ehrgeizigen Bruder Roger, um gegen einen apulischen Aufstand unter Graf Peter von Trani vorgehen zu können. Ein weiterer Versuch, Reggio Calabria einzunehmen, scheiterte. 1058 überwarfen sich die Brüder, da Robert Roger den Sold für dessen stipendiarii schuldig blieb. Roger suchte nun die Annäherung an den Bruder Wilhelm, der ihm das befestigte Scalea überließ. Von hier aus zog Roger mit seiner Bande wie einst Robert durch die Lande. Dieser beargwöhnte zwar den Bruder, söhnte sich aber angesichts wieder ausbrechender kalabrischer Aufstände mit Roger aus. Vielleicht ist auch eine Aufteilung Südkalabriens vereinbart worden. Jedem der beiden wurde die Hälfte einer jeden eroberten Stadt zugesprochen.

Der von Wilhelm bedrängte Fürst Gisulf von Salerno wandte sich in dieser Zeit an Robert. Dieser nutzte die Gelegenheit und spielte beide gegeneinander aus. Gisulf zahlte für den Frieden einen jährlichen Tribut an Robert, wofür dieser den Frieden mit Wilhelm garantierte. Robert bekam außerdem 1058/59 die Hand von Gisulfs Schwester Sichelgaita. Die Ehe mit Alberada wurde zuvor wegen (angeblicher) Blutsverwandtschaft aufgelöst.

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