Robert Anthony De Niro, Jr. (* 17. August 1943 in New York City) ist ein US-amerikanischer Schauspieler, der seit 2006 auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt. Der zweifache Oscar-Preisträger und Filmproduzent zählt seit Mitte der 1970er Jahre zu den führenden Charakterdarstellern des US-amerikanischen Films und ist in zahlreichen Filmklassikern zu sehen.
Robert De Niro wurde 1943 in Manhattan geboren und wuchs als Einzelkind in einer Künstlerfamilie auf. Väterlicherseits hat er irische und italienische, mütterlicherseits deutsche, französische, englische und niederländische Vorfahren. Sein Vater, Robert De Niro, Sr. (1922–1993), zählt zu den führenden abstrakt-expressionistischen Malern der USA, dessen Bilder in zahlreichen Museen und Galerien ausgestellt wurden. Er war mit Schriftstellern wie Henry Miller und Tennessee Williams befreundet und starb 1993 an Krebs. Die Mutter Virginia Admiral (1915–2000) war Poetin und Malerin und arbeitete auch als Stenotypistin für Anaïs Nin. Ihre Werke werden unter anderem im Metropolitan Museum of Art ausgestellt. Als sich seine Eltern 1945 scheiden ließen, lebte De Niro bei seiner Mutter im New Yorker Stadtteil Little Italy in Manhattan. Er verbrachte aber auch viel Zeit mit seinem Vater, der nicht weit entfernt wohnte. Seine spätere Mentorin Shelley Winters erzählte, dass De Niro in Armut aufgewachsen sei, da seine Eltern mit ihrer Kunst kaum Einnahmen erzielt hätten. Die Mutter betrieb unter anderem eine kleine Druckerei. Robert, der wegen seiner Blässe „Bobby Milk“ genannt wurde und als scheu galt, stand mit zehn Jahren erstmals auf einer Bühne – als ängstlicher Löwe in einer Schulaufführung von Der Zauberer von Oz. „Ich wollte schon mit zehn Jahren Schauspieler werden“, erzählte er später.
Er verließ mit 16 Jahren die Schule und strebte mit dem Segen seiner Eltern, die seine künstlerischen Ambitionen unterstützten, eine Karriere als Schauspieler an. Bei einer High-School-Tournee mit Tschechows Stück Der Bär, die ihn durch Neuengland und New York führte, erhielt er seine erste Schauspielergage. In seiner Jugend bewunderte De Niro besonders die Schauspieler Montgomery Clift, Robert Mitchum und Marlon Brando. Mit Mitchum und Brando arbeitete er später auch zusammen, Clift starb bereits 1966.
De Niro tourte als Schauspieler durch die Südstaaten und spielte größere Rollen in Stücken wie Cyrano de Bergerac und Eines langen Tages Reise in die Nacht. Er trat mit Komödien in Dinner-Theatern auf und nahm ab 1960 professionellen Schauspielunterricht, unter anderem bei Schauspiellehrerin Stella Adler, die im Laufe ihrer Karriere bekannte Darsteller wie Marlon Brando, Harvey Keitel, Martin Sheen, Warren Beatty oder Christoph Waltz unterrichtete. 1963 debütierte De Niro in The Wedding Party in einer Nebenrolle als Filmschauspieler. Die mit 43.000 Dollar budgetierte Komödie war das Filmdebüt des späteren Star-Regisseurs Brian De Palma und orientierte sich formal an den Stilmitteln der französischen Nouvelle Vague. The Wedding Party kam erst 1969 in die Kinos und fiel bei Kritik und Publikum durch.
Nachdem er in zwei weiteren Filmen kleine Rollen gespielt hatte, trat De Niro 1968 in De Palmas zweitem Spielfilm Greetings auf, einem zeittypischen Werk, das in satirischer Weise mit Elementen des Undergroundfilms um Themen wie Sex, Gewalt und Vietnam kreist. Greetings erhielt wegen seiner freizügigen Szenen ein X-Rating. Auch dieser Film fiel an der Kinokasse durch. De Niro trat in dem Off-Broadway-Stück Glamour, Glory and Gold auf und wurde von der Theaterkritik, die dem Stück ansonsten skeptisch gegenüberstand, positiv erwähnt. Dem 25-Jährigen wurde großes Talent bescheinigt. Seine Schauspielpartnerin Sally Kirkland erklärte, sie habe noch nie eine derart brillante Darstellung gesehen.
Um das Jahr 1970 herum wurde die bekannte Charakterdarstellerin und Oscar-Preisträgerin Shelley Winters auf De Niro aufmerksam und besetzte ihn als ihren Schauspielpartner in dem Stück One Night Stands of a Noisy Passenger, das nach nur sieben Vorstellungen abgesetzt wurde. Da er in dem Stück ein Brett mit einem Karateschlag zerstören musste, trainierte De Niro monatelang diese Kampfsportart. Obwohl auch dieses Theaterstück bei der Kritik auf wenig Gegenliebe stieß, wurde De Niros Darstellung erneut gelobt. Shelley Winters verglich Robert De Niro mit dem jungen Brando der 1940er Jahre und schlug ihren neuen Protegé dem Regisseur und Produzenten Roger Corman vor, der 1970 den Low-Budget-Gangsterfilm Bloody Mama vorbereitete. Hier spielte Winters die Rolle der berüchtigten Ma Barker, die zusammen mit ihren vier Söhnen in der ersten Hälfte der 1930er Jahre zahlreiche Verbrechen verübt hatte. De Niro trat in der Rolle des Lloyd Barker auf und fühlte sich schon damals in extremer Weise in seine Rolle ein. Später sagte er dazu:
1970 arbeitete er erneut mit Regisseur De Palma zusammen, der ihm die Hauptrolle in seinem Film Hi, Mom! übertrug. In dem komödiantischen Low-Budget-Streifen war De Niro als Vietnam-Veteran zu sehen, der die Bewohner eines gegenüberliegenden Appartementblocks beobachtet. In den frühen 1970er Jahren spielte der Darsteller weitere Rollen in Filmen wie Wo Gangster um die Ecke knallen (1971) oder Pforte zur Hölle (1971), von denen aber keiner seine Karriere voranbrachte. Für eine Rolle in Der Pate (1972) sprach er vergeblich vor. 1973 trat er zum vorläufig letzten Mal im Theater auf.
Das Jahr 1973 wurde für den 30-jährigen Darsteller zum entscheidenden Wendepunkt. In Das letzte Spiel stellte er den sterbenden Baseballspieler Bruce Person dar und gewann den „New York Film Critics Award“ als bester Schauspieler. Er traf Martin Scorsese, der wie er in Little Italy aufgewachsen war und seit den späten 1960er Jahren als Filmregisseur arbeitete. Scorsese gab De Niro die wichtige Rolle des neurotischen Johnny Boy in seinem Film Hexenkessel, einem biographisch geprägten Porträt einiger New Yorker Kleinganoven, die sich in Little Italy durchschlagen.
Der Film wurde von der Kritik nahezu einhellig gelobt, war an den Kinokassen erfolgreich (drei Millionen Dollar Einspielergebnis bei einem Budget von 500.000 Dollar) und begründete die Jahrzehnte dauernden Karrieren von Scorsese, De Niro sowie Harvey Keitel, der hier noch die Hauptrolle spielte. Ab 1975 avancierte De Niro zu Scorseses bevorzugtem Darsteller; sie arbeiteten von 1973 bis 2023 zehnmal zusammen.
Nachdem De Niro in Hexenkessel überzeugt hatte, gab ihm Regisseur Francis Ford Coppola die begehrte Rolle des „Paten“ Vito Corleone in Der Pate – Teil II (1974). De Niro übernahm hier den Part, den Marlon Brando zwei Jahre zuvor im ersten Teil des Welterfolgs gespielt hatte, stellte den Mafia-Chef aber als jungen Mann am Anfang seiner „Karriere“ dar. Auf der zweiten Zeitebene des epischen Films war Al Pacino erneut als Vitos Sohn Michael Corleone zu sehen. De Niro hatte sich akribisch darauf vorbereitet, die speziellen Manierismen der berühmten von Brando gespielten Figur zu übernehmen.
Der Pate – Teil II war ein weltweiter Erfolg bei Kritik und Publikum und etablierte De Niro endgültig als neuen Star. Nahezu einhellig wurde ihm bescheinigt, er habe die schwierige Herausforderung als Brandos Nachfolger bravourös gemeistert. 1975 war De Niro als Nebendarsteller erstmals für einen Oscar nominiert und gewann den Preis für seine Darstellung des Vito Corleone. Er erhielt die Auszeichnung damit für die Darstellung derselben Figur, für deren Interpretation bereits Marlon Brando (im ersten Teil) einen Oscar erhalten hatte. Der Pate – Teil II war elfmal nominiert und gewann sechs Preise, darunter auch den in der Kategorie Bester Film des Jahres. De Niro war bislang insgesamt achtmal für einen Oscar nominiert und gewann ihn zweimal. Davon entfallen sieben Nominierungen auf seine schauspielerischen Leistungen sowie eine Nominierung als Produzent für The Irishman in der Kategorie Bester Film.
Seinen Oscar als bester Nebendarsteller in Der Pate – Teil II für die Rolle des jungen Vito Corleone konnte er jedoch nicht persönlich entgegennehmen, da er sich zum Zeitpunkt der Verleihung in Italien aufhielt, wo er an Bernardo Bertoluccis Monumentalfilm 1900 (Novecento) arbeitete. Darüber hinaus wurde er 1981 für seine beeindruckende Darstellung des Jake LaMotta in Wie ein wilder Stier (Raging Bull) als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.