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Robert Corbett (Offizier)

Britischer Offizier und Generalmajor des Heeres, Historiker und Buchautor

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Sir Robert John Swan Corbett KCVO CB (* 16. Mai 1940 in Hove, Sussex) ist ein pensionierter britischer Offizier und Generalmajor des Heeres, Historiker und Buchautor. Er war 1984 Stabschef während des Falkland-Krieges und Anfang der 1990er Jahre Kommandierender General im London-District. Zwischen 1989 und 1990 war er der 21. und zugleich letzte Kommandant des Britischen Sektors von Berlin und somit einer der alliierten Stadtkommandanten. In seine Amtszeit fiel der Fall der Berliner Mauer, in deren Folge er in Vorbereitung der Deutschen Einheit, Berater von Premierministerin Margaret Thatcher in Berlin-Fragen war.

Er entstammt einer anglo-irischen Familie und hat somit bis heute sowohl die britische als auch die irische Staatsangehörigkeit. Sein Vater Robert Corbett (1907–1988) diente während des Zweiten Weltkriegs als Captain im britischen Heer.

Er absolvierte zunächst den ersten Schulgrad an der Woodcote House School in Windlesham, Surrey und wechselte 1953 an die Shrewsbury School in Shropshire, die er 1958 abschloss. Bereits sein Großvater und sein Vater waren Absolventen der Shrewsbury School. Noch im selben Jahr trat er 18-jährig schlug er eine militärische Laufbahn ein und absolvierte eine Kadettenausbildung in Aldershot. Im Anschluss trat er im März 1959, einer Familientradition folgend, als Second Lieutenant der Irish Guards, einem der fünf Königlichen Leibregimenter, ins britische Heer ein und wurde nach Abschluss seiner dortigen Ausbildung erstmals als Zugführer eingesetzt und 1960 zum Lieutenant befördert.

Während des Kalten Krieges führte Corbett ab 1961 eine Aufklärungseinheit und wurde in dieser Eigenschaft zur Rheinarmee nach Berlin versetzt. Kurz nach dem Bau der Berliner Mauer sollte er mit seiner Einheit Berlin über die zugewiesene Transitstrecke erreichen. Hierbei ereignete sich eine Konfrontation mit DDR-Volkspolizisten, die grundlos versuchten, einen der Soldaten aus Corbetts Gruppe festzunehmen, was beinahe zum Schusswaffengebrauch führte. Letztlich gelang es Corbett, mit seinen Männern die Stadt zu erreichen, wenn auch mit einer 14-stündigen Verspätung.

Wie üblich für jeden Soldaten, der erstmals in Berlin eingesetzt wurde, gehörte für Corbett ein Besuch des ausgebrannten Reichstagsgebäudes zu dessen ersten Stationen.

Sieben weitere Jahre war Corbett Angehöriger einer Luftlandeeinheit und wurde in Frankreich, Zypern, Kenia, Hongkong, Gibraltar, Norwegen, Nordirland, am Persischen Golf, Belgien, Kanada, in Oman und in den Vereinigten Staaten von Amerika eingesetzt. 1967 wurde Corbett zum Captain, 1973 zum Major befördert.

Robert Corbett absolvierte in den weiteren Jahren Studiengänge am Royal Military College of Science sowie am Personal College Camberley (1971 bis 1973) sowie am United States Armed Forces Staff College in Norfolk (1980).

Nach seiner Beförderung zum Lieutenant-Colonel, 1979, schloss sich 1980 eine Verwendung als Stabsoffizier an, ehe er 1981 als Bataillonskommandeur in die 4. Panzerbrigade zur Rheinarmee nach Deutschland zurückkehrte.

1984 wurde Robert Corbett zum Colonel befördert und inmitten des Falkland-Krieges Stabschef und stellvertretender Befehlshaber der dortigen britischen Truppen. Nach Beförderung zum Brigadier wurde ihm im Folgejahr das Kommando über die 5. Luftlandebrigade übertragen.

1987 schloss sich eine zweijährige Verwendung im britischen Verteidigungsministerium in London an.

Im Januar 1989 wurde Robert Corbett zum Major-General befördert und, als Nachfolger von Patrick Brooking, neuer und inzwischen 21. Kommandant des Britischen Sektors von Berlin. Neben Generalmajor Raymond Haddock (USA) und Divisionsgeneral François Cann (Frankreich), war er somit einer der drei west-alliierten Stadtkommandanten der geteilten Stadt, welche als Gremium die Alliierte Kommandantur bildeten. Diese stellte nach dem Zweiten Weltkrieg die höchste gesetzliche und politische Instanz für Groß-Berlin dar und war dem Alliierten Kontrollrat unterstellt.

Als Stadtkommandant übernahm er einen der wichtigsten und herausragendsten Posten, den das britische Militär außerhalb Großbritanniens zu vergeben hatte. Als solcher war er zum einen militärischer, aber vor allem „politischer Führer“ seines Landes und übte eine Art Vertretereigenschaft für Königin Elisabeth II. aus, da Berlin formal nicht zum Geltungsbereich der Bundesrepublik Deutschland gehörte und Großbritanniens in Bonn residierender Botschafter originär unzuständig war.

Wie seine Vorgänger konzentrierte sich Corbett als Stadtkommandant überwiegend auf die politische und diplomatische Vertretung seines Landes und seine Aufgaben als Mitglied der Alliierten Kommandantur, während der jeweilige Brigadekommandeur das militärische Tagesgeschäft der Britischen Streitkräfte in der Vier-Sektoren-Stadt übernahm.

Mit dem Wechsel nach Berlin bezog Corbett mit seiner Familie die im Berliner Ortsteil Gatow befindliche Villa Lemm. Auf dem Anwesen, das durch die Angehörigen der 248 German Security Unit, einer deutschen Kompanie und Wachpolizeieinheit der britischen Militärpolizei (RMP), bewacht wurde, residierten die Mitglieder des britischen Königshauses während ihrer Berlin-Aufenthalte. Der Funktion des Gastgebers gegenüber der Königsfamilie kam ein britischer Stadtkommandant mindestens einmal pro Jahr nach, wenn die Abnahme der Königlichen Geburtstagsparade („Queens Birthday Parade“) auf dem Berliner Maifeld am Olympiastadion anstand. So empfing Corbett im Mai 1989 die Herzogin von York und im Juni 1990 Prinzessin Alexandra.

Robert Corbett trat sein neues Amt inmitten einer Ära der Veränderungen Berlins an. Die Stadt blühte zum einen als Kulturmetropole auf, zum anderen war sie durch stete Unruhen und Hausbesetzungen in die Schlagzeilen gelangt. Das Verhältnis zu dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) war nicht immer konfliktfrei, der bereits zuzeiten Patrick Brookings immer mehr Eingaben und Forderungen an die Alliierte Kommandantur richtete. Diese hatte erst wenige Jahre zuvor Diepgens Antrag auf Genehmigung eines Hubschraubers für die Berliner Polizei abgelehnt, da die Alliierten ihre Lufthoheit nicht weiter abtreten wollten. Einzige Ausnahme blieb zunächst der neue Rettungshubschrauber, der durch den ADAC gestellt wurde und mit Sonderauflagen in den West-Sektoren der Stadt fliegen durfte.

Nach den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im Januar 1989 verlor die CDU ihre Mehrheit, infolge dessen der SPD-Politiker Walter Momper eine Koalition aus SPD und Alternativer Liste bilden konnte. Am 16. März wurde Momper zum neuen Regierenden Bürgermeister gewählt.

Die Amtszeit Corbetts stand nicht immer unter einem guten Stern. Im Sommer 1989 versuchte ein junges Paar, darunter eine schwangere Frau, von der Ostseite Berlins in den Westteil zu schwimmen. Der Frau war es nicht möglich, die Böschung hinaufzuklettern und wurde durch einen Angehörigen der Grenztruppen der DDR, der den Raum mit einem Boot bestreifte, entdeckt. Dieser versuchte zunächst, die junge Frau mit seinem Wasserfahrzeug zu rammen. Eine Streife der britischen Militärpolizei eilte der Frau zu Hilfe und zog sie vollkommen erschöpft aus dem Wasser, während der Mann selbstständige an das Westufer gelangte.

Als eine erste Reaktion auf diesen und andere Vorfälle, ließ Corbett Seile an den Böschungen der Spree anbringen, um Flüchtenden eine Hilfestellung zu geben. Dieses Vorgehen war zwar mit dem Commander in Chief der Rheinarmee und dem britischen Botschafter Christopher Mallaby abgestimmt, dennoch forderte die sowjetische Seite prompt, die Seile wieder zu entfernen, was jedoch durch den britischen Stadtkommandanten ignoriert wurde.

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