Robert Coover (* 4. Februar 1932 in Charles City, Iowa; † 5. Oktober 2024) war ein amerikanischer Schriftsteller.
Er studierte an der Southern Illinois University in Carbondale und der Indiana University, ging dann zur Marine und machte schließlich 1965 einen Abschluss an der University of Chicago. Nach dem Militärdienst und weiteren Studien an der University of Chicago arbeitete er neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit an verschiedenen Universitäten und Colleges als Lehrer für „creative writing“.
Als Vertreter des Postmodernismus verwendete er in seinen experimentellen Werken häufig das Prinzip der Montage, durchzog seine Romane mit Werbeslogans, Leuchtschriften und Schlagzeilen und erweiterte so die narrativen Möglichkeiten des Romans. Er gilt neben Thomas Pynchon, William Gass, Donald Barthelme und John Barth als bedeutendster Vertreter der amerikanischen literarischen Avantgarde.
Im Gegensatz zu diesen avantgardistischen oder experimentellen Schriftstellern war Coover weniger um eine theoretische Fundierung seines literarischen Schaffens bemüht, obwohl er seine Werke oder Fiktionen durchaus nach abstrakten Vorstellungen konstruierte.
Bereits sein erster Roman The Origin of the Brunists (1966) folgt dem für einen Großteil seiner Fiktionen charakteristischen Schema, demzufolge seine Figuren oder Charaktere Systeme konstruieren, um mit deren Hilfe einen Sinn bzw. eine Bedeutung in ihrer Wirklichkeit zu finden, die sie dann jedoch als von sich losgelöst oder unabhängig begreifen. Dabei vergessen die Figuren in Coovers Fiktionen, dass sie selber diese Realität, aus der sie sie lösen wollen, entworfen haben.
In seinem als „realistisch“ eingestuften Erstlingsroman thematisiert Coover die Entstehung religiösen Eifers und dessen Ausbreitung von einer kleinen Gemeinde von Bergarbeitern auf das gesamte Land. Nachdem er als einziger ein Grubenunglück überlebt hat, gründet Giovanni Bruno in West Pennsylvania die Sekte der Brunists, um den Menschen in Anbetracht der ausweglosen Situation eine neue Sinndimension zu eröffnen.
Als wichtigster Roman Coovers gilt der von der Kritik als Skandalerfolg betrachtete Rosenbergroman Die öffentliche Verbrennung (The Public Burning, 1977), der die bereits von Doctorow wenige Jahre zuvor in Das Buch Daniel (The Book of Daniel, 1971) thematisierte fragwürdige Verurteilung der vermeintlichen Atomspione Ethel und Julius Rosenberg aufgreift und die Vorgänge um sie herum aus der Perspektive des damaligen Vizepräsidenten Richard Nixon erzählt. Im Zusammenhang mit der Verwicklung Nixons als amerikanischer Präsident in den Vietnam-Krieg und die Watergate-Affäre der 70er Jahre ist dieser postmoderne Roman Coovers zugleich auch ein „eminent politischer Text“.
Coover gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Electronic Literature Organization, die die Entwicklung von Literatur in digitalen Medien fördert.
Er lebte in Providence, Rhode Island und unterrichtete dort an der Brown University. Robert Coover war mit der spanischen Stickkünstlerin Pilar Sans Coover verheiratet, mit der er drei Kinder hatte, und verbrachte einen großen Teil des Jahres in Europa.
Er war Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und seit 1987 der American Academy of Arts and Letters.
1966 The Origin of Brunists (Roman)
Von den Anfängen der Brunisten, dt. von Gerd Burger, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1996. ISBN 3-499-13003-3
1968 The Universal Baseball Association, Inc., J. Henry Waugh, Prop. (Roman)
1969 Pricksongs and Descants (Erzählungen)
Schräge Töne, dt. von Gerd Burger; Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1994. ISBN 3-499-13020-3
1969 The Magic Poker (Erzählung)
1972 A Theological Position (Bühnenstücke)
1977 The Public Burning (Roman)