An diesem Tag

Robert Bernardis

Österreichischer Offizier und Widerstandskämpfer

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Robert Bernardis (* 7. August 1908 in Innsbruck; † 8. August 1944 in Berlin-Plötzensee) war ein österreichischer Oberstleutnant im Generalstab der deutschen Wehrmacht. Er war als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus an dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler und dem anschließenden militärischen Umsturzversuch beteiligt, indem er telefonisch das Unternehmen Walküre in den außerhalb des Stadtgebietes von Berlin gelegenen Teilen des Wehrkreises III auslöste.

Robert Bernardis wurde in Innsbruck geboren und evangelisch getauft. Sein Vater Nikolaus (Nicolo) Bernardis stammte aus Rovigno in Istrien, gehörte der italienischen Volksgruppe an und war Militär-Baumeister, der unter anderem in Wien das spätere Kommandogebäude Breitensee errichtete. Seine Mutter Antonia, geborene Kropik, war in Horn in Niederösterreich geboren. Sein Vater wurde bald darauf nach Linz versetzt, als Folge übersiedelte die Familie dorthin. Nach dem Besuch der Volks- und Militär-Unterrealschule in Linz und Enns maturierte er gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich 1925 an der damaligen Bundeserziehungsanstalt in Wiener Neustadt.

Im Anschluss absolvierte er die zweijährige Gewerbeschule an der Technisch-gewerblichen Staatslehranstalt in Mödling, die er als ausgebildeter Bautechniker verließ. In dieser Zeit trat er der 1922 gestifteten Fachstudentischen Burschenschaft Wiking zu Mödling bei. Da Bernardis keine seiner Ausbildung entsprechende Tätigkeit fand, musste er seinen Lebensunterhalt zunächst als Maurer und Vorarbeiter verdienen.

1928 ging Bernardis schließlich wegen der schlechten Lage auf dem Arbeitsmarkt „den Weg ins Militär, so wie viele andere es taten – weniger aus großer Begeisterung, als aus Not“, wie er in seinem handschriftlichen Lebenslauf festhielt, der heute im Österreichischen Staatsarchiv aufbewahrt wird.

Er wählte, seiner zivilen Ausbildung entsprechend, als Waffengattung an der Offiziersakademie in Enns die Pioniertruppe. Als Maturant konnte er dort studieren und musste nicht zuvor die Offiziersschule absolvieren.

Im Ausmusterungsjahr 1932 heiratete er die Linzer Geographie- und Sportstudentin Hermine Feichtinger (* 6. Dezember 1909 in Linz; † 3. November 2009 ebenda). Seine erste Truppenverwendung führte ihn in das Linzer Pionier-Bataillon 4. Dort bewarb er sich 1936 um die Aufnahme in die „Höheren Offizierskurse“ und wurde dem „Kriegstechnischen Kurs“ zugeteilt.

Dabei handelte es sich um eine spezielle Generalstabsausbildung für Pionier-Offiziere, die es damals nur im österreichischen Bundesheer gab. Diese Ausbildung trug auch wesentlich zu seiner späteren engen Freundschaft mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg bei, da dieser für das geplante Attentat auf Hitler unbedingt einen ausgebildeten Pionier-Offizier benötigte. Stauffenberg hatte als Kavallerist und späterer Panzeroffizier selbst eher wenig Erfahrung im Umgang mit Sprengstoffen.

Ein Robert Bernardis nachgesagtes Naheverhältnis zum Nationalsozialismus ist umstritten. Im Mitgliederverzeichnis des österreichischen „Nationalsozialistischen Soldatenringes“ ist ein „Karl Bernardis“ eingetragen. Ob er mit seinem Linzer Kameraden Oberleutnant Karl Pridun verwechselt wurde, ob er unter falschem Namen eingetragen war, oder ob es sich bei „Karl Bernardis“ um seinen Bruder Friedrich handelte, der ebenfalls Offizier war, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen.

Zweiter Weltkrieg und Widerstand

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde der mittlerweile zum dritten Generalstabsoffizier (Ic) des 51. (LI.) Armeekorps avancierte Offizier in einem Lager bei Schitomir, etwa 140 Kilometer westlich von Kiew, Zeuge von Massenerschießungen und Kannibalismus. Als Bernardis das Lager wieder verließ, musste er sich übergeben und sprach an diesem Tag nicht mehr.

Auch bei der Einnahme von Charkow Ende Oktober 1941 musste Bernardis miterleben, wie hunderte Einwohner, vornehmlich Juden, in den Straßen öffentlich gehängt wurden. Das Dritte Reich war entschlossen, „die Stadt durch Abschreckungsmaßnahmen und Repressalien rücksichtslos zu befrieden.“

Anfang 1942 erkrankte Bernardis schwer und wurde im März 1942 zunächst in einem Feldlazarett und danach in einem Berliner Krankenhaus wegen Zwölffingerdarmgeschwüren behandelt.

Nach seiner Genesung stieg Bernardis ab Juni 1942 als Oberstleutnant im Generalstab bis zum Gruppenleiter „Personal“ im Allgemeinen Heeresamt im Berliner Bendler-Block auf.

Als Stauffenberg im September 1943 Chef des Stabes des Ersatzheeres wurde, war der tägliche dienstliche Kontakt zwischen Bernardis und ihm obligatorisch. Wer sich von den beiden dem anderen in der Widerstandsfrage zuerst offenbart hat, lässt sich nicht nachweisen. Fest steht, dass man rasch zu einem Konsens über die Beseitigung des NS-Regimes kam. Bernardis trat nun aktiv handelnd in den Kreis der Verschwörer, indem er, wie aus den Briefen an seine Frau hervorgeht, zunächst begann, die schon existierenden Befehle zum Unternehmen Walküre noch konkreter für einen Aufstand der Wehrmacht gegen Hitler in allen Wehrkreisen zu adaptieren. Wie Carl Szokoll mitteilte, fuhr Bernardis ab Februar 1944 regelmäßig nach Wien. Zunächst besuchte er dabei den Chef des Stabes im Wehrkreis XVII (Wien), seinen persönlichen Freund, den Ritterkreuzträger Heinrich Kodré. Anschließend informierte er Hauptmann Carl Szokoll über den Stand der Vorbereitungen für den geplanten Sturz des NS-Regimes.

Kodré löste am 20. Juli Walküre aus, wobei er zunächst den Kommandierenden General, Hans-Karl Freiherr von Esebeck, überging und ihn erst später über die getroffenen Maßnahmen informierte. Esebeck billigte diese, obwohl er erkannte, dass die Fernschreiben durch den längst pensionierten Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben unterzeichnet und somit ungültig waren. Erst nachdem Bernardis stundenlang mit Kodré gesprochen hatte, begab er sich zu Szokoll, um diesem die nötigen Befehle für die Organisation des Unternehmens Walküre im Wiener Wehrkreis zu geben. Szokoll konnte also die Aktion organisieren, war aber nicht berechtigt, sie auch auszulösen. Dazu war der Befehl des Wehrkreis-Kommandos unbedingt erforderlich. Als Stauffenbergs Verbindungsmann zwischen Wien und Berlin nahm Bernardis ein beträchtliches Risiko auf sich, da die dafür erforderlichen zahlreichen Dienstreisen bei einer Überprüfung durch die Gestapo kaum plausibel zu erklären waren. Schließlich war Bernardis Gruppenleiter „Personal“ und hatte den Nachschub für die Fronten zu organisieren. Persönliche Anwesenheit in Wien war dazu nicht erforderlich.

Am 20. Juli 1944 war es für General der Nachrichtentruppe Erich Fellgiebel nicht möglich, die Verschwörer in Berlin exakt über die Ereignisse zu informieren. Offen waren nach dem Attentat nämlich nur die Telefonleitungen der SS, was es Hitler ermöglichte, mit Major Otto Ernst Remer zu sprechen.

Damit war das Gerücht eines erfolgreichen Attentats rasch geplatzt und das Schicksal der Operation „Walküre“ besiegelt, denn die Gegenmaßnahmen des Regimes setzten schneller ein, als die nicht verlässlich informierten Verschwörer in Berlin handeln konnten.

Als das Attentat auf Hitler misslungen war und der Sturz des NS-Systems am späten Nachmittag des 20. Juli 1944 zu scheitern drohte, griff Bernardis zum Telefon und alarmierte die Kampfverbände in den außerhalb des Stadtgebietes von Berlin gelegenen Teilen des Wehrkreises III.

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