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Robert Baden-Powell

Britischer Kavallerie-Offizier und Gründer der Pfadfinderbewegung

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Robert Stephenson Smyth Baden-Powell, 1. Baron Baden-Powell, Bt, OM, GCMG, GCVO, KCB, FRSA (* 22. Februar 1857 in London; † 8. Januar 1941 in Nyeri, Kenia) war ein britischer Lieutenant General und Gründer der Pfadfinderbewegung.

Robert Baden-Powell war der siebte von acht Söhnen unter insgesamt zehn Kindern des Reverend Baden Powell (1796–1860) aus dessen dritter Ehe mit Henrietta Grace Smyth (1824–1914). Sein Vater hatte außerdem vier weitere Kinder aus seiner früheren zweiten Ehe. Er wurde von seiner Mutter aufgezogen, da sein Vater (Professor für Theologie und Geometrie an der Universität Oxford) starb, als er drei Jahre alt war. Sein Vorname setzt sich aus Namensteilen seiner Vorfahren Robert Stephenson, eines Eisenbahnpioniers, und John Smyth, eines Kapitäns, der in Diensten Elisabeth I. von England stand, zusammen. Rufname wurde später B-P (englisch Bee-Pee, deutsch ausgesprochen Bi-Pi – auch sein Rufname bei den Pfadfindern).

Der Doppelname mit Baden entstand auf Betreiben der Mutter Henrietta Grace, die nicht „ein weiterer Powell unter tausend anderen sein wollte.“ Sie wählte deshalb den deutsch klingenden Vornamen ihres Mannes „Baden“, der schon zwei Generationen zuvor in der Familie vergeben worden war. Zudem war „zu einer Zeit, als die deutschen Wurzeln und die Vielfalt ehelicher Verbindungen des Königshauses noch kein Grund waren, sich zu schämen, ein deutsch klingender Name ein definitiver gesellschaftlicher Vorteil – immerhin ließ er an eine verwandtschaftliche Verbindung zur Familie des Großherzogs von Baden denken. Henrietta Grace beschloss sogar, Teile des Familienwappens des Großherzogs in das Wappen der Familie Powell einarbeiten zu lassen.“

Sein Großvater weckte im jungen Robert die Abenteuerlust und die Freude an der Natur. So suchte er zusammen mit ihm oftmals den Hyde Park auf, von dem er äußerst genaue Karten zeichnete. Nach dem Tod seines Großvaters unternahm Baden-Powell zahlreiche Streifzüge durch die Armenviertel der Stadt London und lernte so das Leid und das Elend dieser Menschen kennen. Schon damals kam er zu der Überzeugung, etwas daran ändern zu müssen. Der damals 8-jährige Baden-Powell erkannte, dass die Bewohner der Armenviertel sich hauptsächlich durch die Kleidung von den anderen zu unterscheiden schienen. Dies wollte er ändern, und dies war wohl einer der wichtigsten Faktoren für die Entscheidung, die Pfadfinderkluft einzuführen. Während seiner Schulzeit nutzte Baden-Powell jede freie Minute, um Spuren von Tieren zu suchen und den Wald kennenzulernen. In den Ferien ging er oft mit seinen Freunden zum Kampieren. Die Ferienfahrten mit den Brüdern verhalfen „Ste“, wie er im Familienkreise genannt wurde, zu Erfahrungen, die in seinem späteren Leben noch eine große Rolle spielen sollten.

Sein Eintritt in die Charterhouse School mit 13 Jahren eröffnete ihm andere Felder der Betätigung: Er lernte das Anschleichen in dem großen Schulpark, ohne von dem aufsichtsführenden Lehrer bemerkt zu werden. Er konnte ein Feuer machen, das nicht rauchte und deshalb seinen Aufenthaltsort nicht verriet. Baden-Powell war ein durchschnittlicher Schüler, nicht allzu sehr interessiert an dem, was die Schule bot. Er kam gut mit, ragte aber nirgends besonders hervor, abgesehen von zwei Gebieten: Er war ein ausgezeichneter Schauspieler und musste bei allen Aufführungen der Schule dabei sein. Genauso nötig war er beim Fußballspielen als souveräner Torhüter. Erstaunlich war zu sehen, dass er rechts- und linkshändig gleich gut zeichnen und schreiben konnte, eine Fähigkeit, die er autodidaktisch erlernt hatte. Nach der Schule sollte er an die Universität gehen, bestand aber die Aufnahmeprüfung an der Universität Oxford nicht und meldete sich daraufhin bei der Militärakademie Sandhurst.

Baden-Powell bestand 1876 die Aufnahmeprüfung bei der Kavallerie als Zweit- und bei der Infanterie als Viertbester und wurde in ein Kavallerieregiment aufgenommen, ohne dass er die zweijährige Ausbildung an der Militärakademie Sandhurst absolvieren musste.

Er wurde im September 1876 als Sub-Lieutenant des Regiments 13th Hussars in die British Army aufgenommen. Auf Probe erhielt er einen Dienstposten im Stabscorps der British-Indian Army und wurde entsprechend in Britisch-Indien stationiert. Nach Ablauf der Probezeit wurde er im September 1878 rückwirkend zum September 1876 zum Lieutenant befördert.

In Indien schlich er in seiner Freizeit in den Dschungel und beobachtete die wilden Tiere. Sein Biograph Tim Jeal führt dies darauf zurück, dass er während dieses ersten Indien-Aufenthaltes keine Freunde unter seinen Offizierskameraden fand. Bei diesen waren abendliche Trinkgelage sehr beliebt, an denen sich anfänglich auch Baden-Powell beteiligte, der sich nach einem Unfall aber nach einer anderen Freizeitgestaltung umsah. Bei dem Unfall handelte es sich laut seines Biographen um einen Alarm im Lager, bei dem Baden-Powell mit gezogenem Revolver aus dem Zelt stürmte, über einen Hocker stolperte und sich dabei selbst in den Fuß schoss. Er beschuldigte seinen Diener, die Trommel der Waffe komplett geladen zu haben, anstatt die Kammer unter dem Hahn frei zu lassen. Seine Kameraden erzählten die Geschichte etwas anders und sagten, Baden-Powell sei zu betrunken gewesen, um die Waffe sicher führen zu können. Aus solchem Schaden klug geworden, organisierte Baden-Powell nun zur Freizeitgestaltung auch Theateraufführungen innerhalb der Garnison und machte erste Erfahrungen mit Jugendgruppen. Bereits früh erkannte er die Fehler der britischen Kolonialherrschaft, welche die Inder wie „unterentwickelte Briten“ und nicht wie Menschen mit einer anderen, aber großen Kultur behandelte. Auch unternahm er wieder, nachdem er privat Hindi gelernt hatte, Streifzüge in die Armenviertel. Hier entwickelte er auch das berühmte „System der kleinen Gruppen“: Er fasste die Soldaten in Gruppen von fünf bis acht Mann zusammen; diese wählten dann einen Patrouillenleiter aus ihren Reihen. So förderte er Verantwortungsbewusstsein und eigenständiges Denken der Soldaten. 1880 wurde ihm befohlen, das Schlachtfeld von Maiwand, Schauplatz einer katastrophalen Niederlage der Briten im Krieg gegen die Afghanen, zu kartografieren. Häufig wird berichtet, dass gerade grausame Orte wie dieser, mit seinen halbskelettierten Menschen und Pferden, erste große Zweifel am Krieg in ihm aufkommen ließen. Die Biograf Tim Jeal schreibt hingegen, dass Baden-Powell eine starke Faszination für solche Schlachtfelder empfand und immer wieder an solche Orte zurückkehrte. Wegen seiner Fähigkeiten im Spurenlesen, die er in zahlreichen Fällen unter Beweis gestellt hatte, wurde er beauftragt, die Spurenleser (Scouts) auszubilden.

Aufgrund der explosiven Situation in Südafrika wurde Baden-Powell mit seinem Regiment, den 13th Hussars, nach Natal versetzt. Er war auch hier durch sein in Indien verfasstes Buch Nachrichtendienst und Kundschafterwesen bereits eine Berühmtheit. Sein erster Auftrag war, als Reporter verkleidet die Drakensberge, eine schier unüberwindbare natürliche Grenze zu den Burenstaaten, zu erkunden.

Er besuchte Zulu und Buren in ihren Siedlungen und kehrte mit hervorragenden Karten und der Hoffnung auf eine friedliche Lösung zurück. Im Mai 1883 zum Captain befördert, wurde er 1885, da sich die Lage beruhigt hatte, zusammen mit seinem Regiment nach England versetzt, doch las man bald wieder beunruhigende Nachrichten über Südafrika. Der Zulukönig Dinuzulu sammelte in einem Geheimbund, der inzwischen circa 16.000 Zulu umfasste, immer mehr Leute und führte sie in einen Zweifrontenkrieg gegen Briten und Buren. Da Briten und Buren die Zulu abwehren mussten, hatten unter Cecil Rhodes Goldgräber und Sklavenhändler freie Hand. Dies versetzte die Region noch weiter in Unruhe. Auf britischer Seite kämpften auch 2.000 Zulu mit; diese hatten den Schotten John Dunn zu ihrem Häuptling gewählt.

Aufgrund seiner guten Ortskenntnisse wurde Baden-Powell als Adjutant nach Afrika versetzt. Dort forderte er als erstes, nach einem erschütternden Erlebnis, mit Erfolg die Ausbildung von Soldaten in Erster Hilfe.

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