An diesem Tag

Rijksuniversiteit Groningen

Universität in den Niederlanden

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Die Rijksuniversiteit Groningen (kurz RUG; englisch University of Groningen, kurz UG) ist die zweitälteste Universität der Niederlande. Sie wurde am 23. August 1614 in Groningen gegründet. Bis 1876 war die Unterrichtssprache Latein. Der erste Rektor war Ubbo Emmius.

Heute sind etwa 30.000 Studenten in den Bachelor- und Masterstudiengängen der neun Fakultäten eingeschrieben (Stand 2016), weitere 775 arbeiten auf eine Promotion hin. Jährlich verlassen sie etwa 2.500 mit einem akademischen Abschluss. Die Universität Groningen ist damit nach den Universitäten in Amsterdam und Utrecht die drittgrößte Universität der Niederlande. Die Universitätsbibliothek Groningen ist nach der in Leiden die zweitgrößte Universitätsbibliothek der Niederlande. Die Universität Groningen ist neben der Universität Leiden eine von zwei niederländischen Mitgliedern der Coimbra-Gruppe.

Das Motto der Universität lautet: „werken aan de grenzen van het weten“ (an den Grenzen des Wissens arbeiten).

Die Universität nimmt am ERASMUS-Stipendiatenprogramm teil. Seit 1994 arbeitet die Reichsuniversität als externer Kooperationspartner mit einigen bundesdeutschen Universitäten im Verbund Norddeutscher Universitäten zur Verbesserung von Lehre und Forschung zusammen.

Die Universität wurde 2007 vom Centrum für Hochschulentwicklung zu der sogenannten Excellence Group der 56 besten Universitäten in Europa gezählt. Mit englischsprachigen Studiengängen und 61 % ausländischen Doktoranden (der höchste Anteil aller Universitäten der Excellence Group) weist die Universität Groningen einen vergleichsweise hohen Internationalisierungsgrad auf.

Provinciale Hogeschool 1614–1815

Die Einrichtung wurde 1614 auf Initiative der Regionalversammlung der Stadt Groningen und den umliegenden Regionen als Universität mit dem Namen „Academia Groningae et Omlandiae“ gegründet. Es gab vier Fakultäten: Theologie, Jura, Medizin und Philosophie.

In den ersten 75 Jahren ihres Bestehens schrieben sich jedes Jahr etwa 100 Studenten ein. Fast die Hälfte der Studenten und Dozenten kam von außerhalb der Niederlande. Auch der erste Rector magnificus, Ubbo Emmius, stammte aus Ostfriesland. Gleichzeitig gab es bereits eine enge Beziehung zwischen der Universität und der Stadt und der umliegenden Region.

Die Entwicklung der Universität kam Ende des 17. und während des 18. Jahrhunderts aufgrund theologischer Meinungsverschiedenheiten, eines schwierigen Verhältnisses zur Regionalversammlung und politischer Probleme, zu denen auch die Belagerung der Stadt durch Christoph Bernhard von Galen im Jahr 1672 gehörte, zum Stillstand. In dieser Zeit waren durchschnittlich zwei- bis dreihundert Studenten gleichzeitig an der Universität eingeschrieben.

Université Impériale (Keizerlijke Universiteit) 1795–1814

Während der französischen Besatzung zwischen 1795 und 1814 wurde die Universität Groningen von der Kaiserlichen Universität Paris verwaltet. Anders als die Universität Leiden wurde sie nicht geschlossen und das Institut wurde französiert und in Université impériale de Groningue umbenannt. Während dieses Zeitraums blieb sie die einzige offene Universität im Königreich Holland.

Nach den napoleonischen Kriegen wurde die Universität 1815, zur gleichen Zeit wie Leiden und Utrecht, als nationale Hochschule („Rijkshogeschool“) anerkannt. Doch angesichts ihrer unzureichenden Unterbringung kam es seit den 1830er Jahren zu Diskussionen über eine eventuelle Schließung. Die Situation verbesserte sich, als dank der Beharrlichkeit des Groninger Bürgermeisters Herman de Ranitz ein neues Hauptgebäude, das Academiegebouw, errichtet und 1850 fertiggestellt wurde. Das Academiegebouw war größtenteils von der Groninger Bevölkerung finanziert worden. Ein Feuer zerstörte das Gebäude 1906 allerdings vollständig.

In der Zwischenzeit hatte das Hochschulgesetz von 1876 die Stellung der Universität radikal verbessert, die in Rijksuniversiteit Groningen (RUG) umbenannt wurde. Der Unterricht fand in Niederländisch und Latein statt und die Universität erhielt sowohl einen Forschungs- als auch einen Bildungsauftrag.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wuchs die Zahl der Fakultäten und Studiengänge stetig, die Zahl der Studenten nahm rasch zu. Als die Universität 1914 ihr 300-jähriges Bestehen feierte, waren 611 Studenten eingeschrieben, 1924 waren es bereits 1000. Nach einem Rückgang während der Depression Ende der 1920er- und in den 1930er-Jahren sowie insbesondere während des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzungszeit stieg die Zahl der Studenten ab 1945 rasch an und erreichte 1994 die Schwelle von 20.000. In jüngster Zeit sind etwa 34.000 Studenten an der Universität Groningen eingeschrieben, wobei die Zahl der ausländischen Studenten wieder stetig wächst, darunter auch viele deutsche Studenten und Forscher.

Im März 2015 unterzeichnete die RUG ein Abkommen mit der Landwirtschaftlichen Universität Chinas, um einen Campus in der chinesischen Stadt Yantai zu errichten. Damit wäre die RUG die erste niederländische Universität gewesen, die einen Campus in China eröffnet hätte. Der Plan wurde heftig kritisiert, vor allem wegen der Sorge über die Einschränkung der akademischen Freiheit durch die Zensur in der Volksrepublik China. Im Januar 2018 wurden die Pläne vom Vorstand der RUG aufgrund der „unzureichenden Unterstützung für das Projekt“ abgesagt.

Siegel und Wappen der Universität wurden 1615 von den Landständen Groningens bestätigt. Es besteht aus einem geviertelten Schild, welches das Wappen der historischen Landschaft Ommelanden (Friesische Seeblätter) und der namensgebenden Stadt Groningen (zweiköpfiger Reichsadler) beinhaltet, wobei der ursprünglich einköpfige Adler des Groeninger Stadtwappens sich auf den früheren Status Groningens als (freie) Reichsstadt bezieht.

Der Titel Reichsuniversität (niederländisch Rijksuniversiteit) leitet sich in diesem Zusammenhang nicht von einem Reichs- oder Kaiserprivileg her, sondern schlicht vom niederländischen Wort „het Rijk“, das die niederländische Zentralregierung bzw. den Staat bezeichnet. «Rijks-» ist im Niederländischen ein geläufiges Präfix für staatliche Einrichtungen (vgl. Rijksmuseum, Rijkswaterstaata, Rijksweg etc.). Damit hat die Bezeichnung keinerlei Bezug zu den im 20. Jahrhundert vom NS-Staat gegründeten «Reichsuniversitäten» in Strassburg, Posen oder Prag.

Symbolisches Zentralelement des Wappens ist ein aufgeschlagenes Buch mit dem lateinischen Wahlspruch VERBVM DNI LVCERNA. Es handelt sich dabei um ein Zitat aus der Bibel, genauer gesagt aus dem Psalm 119:105, das die Bedeutung der göttlichen Weisung für den Weg des Lebens hervorhebt (Verbum Domini Lucerna Pedibus Nostris – Des Herren Wort ist die Leuchte für unsere Füße). Groenigen und sein Umland (niederländisch Stad en Lande) hatten sich 1581 im Niederländischen Aufstand mit sechs anderen Provinzen von den katholisch-geprägtenspanischen Niederlanden losgesagt. Die so entstandene Republik der Sieben Vereinigten Niederlande verstand sich als protestantischer Staatenbund, worauf sich auch das Motto der Universität bezieht. So wurde der verwendete Psalm 119:105 in reformatorischen Kontexten oft zitiert, um die Bedeutung der (Heiligen) Schrift über Kirche oder Tradition zu betonen (siehe Sola-Scriptura-Prinzip). Die Wahl eines protestantisch-humanistischen Leitspruchs sollte dem neuen protestantischen Staat intellektuelle Legitimation verschaffen, wobei der christliche Wahlspruch ab den 1980er-Jahren zunehmend von dem modernisierten Motto „aan de grenzen van het weten“ („An den Grenzen des Wissens arbeiten“) ersetzt wurde. Ähnliche, wenn auch symbolisch anders aufgeladene Darstellungen von Büchern finden in den Wappen der Universität Oxford oder der Harvard University. Der Schild der Rijksuniversiteit Groningen goldenen Markiezenkrone (Markgrafenkrone) abgeschlossen – erkennbar an den Blattzinken (Fleurons) und den dazwischen stehenden Perlen. 2007 hat die Universität ein vereinfachtes Logo vorgestellt, welches auf dem historischen Wappen basiert und dieses in der alltäglichen Kommunikation ersetzt, ohne dass das heraldische Vollwappen abgeschafft worden wäre. 2018 folgte letztmals eine Feinjustierung, um das Logo an die Anforderungen der digitalen Kommunikation anzupassen.

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