Richard John „Rick“ Santorum (* 10. Mai 1958 in Winchester, Virginia) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei, der den Bundesstaat Pennsylvania in beiden Kammern des Kongresses vertrat. 1990 wurde er erstmals in das US-Repräsentantenhaus gewählt, 1994 in den US-Senat.
Santorum gehörte im US-Senat zur Führungsriege seiner Partei, scheiterte jedoch 2006 beim Versuch der Wiederwahl deutlich. 2012 trat er in der parteiinternen Vorwahl für die Präsidentschaft an und wurde zum wichtigsten konservativen Gegenspieler des Establishment-Kandidaten Mitt Romney, verlor aber am Ende deutlich gegen diesen. Vier Jahre später trat Santorum wieder in der republikanischen Vorwahl an, blieb aber diesmal Außenseiter und zog sich Anfang Februar 2016 aus dem Rennen zurück.
Er vertritt – auch im Vergleich zu anderen Republikanern – sehr konservative und christlich-fundamentalistische Standpunkte, besonders zu gesellschaftspolitischen Themen wie Abtreibung und Homosexualität, was mehrfach zu öffentlichen Kontroversen führte.
Sein Vater Aldo Santorum (1923–2011) stammt aus Riva del Garda und wanderte aus Italien in die USA ein. Seine Mutter Catherine (1918–2019) hat italienische und irische Vorfahren. Beide Eltern waren in Gesundheitsberufen tätig.
Santorum erhielt einen Bachelor-of-Arts-Abschluss von der Pennsylvania State University im Jahr 1980 und einen Master of Business Administration der University of Pittsburgh im Jahr 1981. Nach dem Studium war er bis zum Jahr 1986 Mitarbeiter von J. Doyle Corman, einem Staatssenator aus Virginia. 1986 erhielt er seinen Juraabschluss von der Dickinson School of Law, wurde als Rechtsanwalt zugelassen und eröffnete eine Kanzlei in Pittsburgh.
Nach einer langen politischen Karriere kehrte er 2007 in die Privatwirtschaft zurück. Nach seiner ersten Präsidentschaftskampagne wurde er im Juni 2013 CEO der EchoLight Studios, um nach eigener Aussage familienorientierte Spielfilme zu drehen.
Santorum ist Mitglied einer römisch-katholischen Kirchengemeinde in der Nähe von Washington. Zu dieser Gemeinde gehören auch der ehemalige Chef des FBI, Louis Freeh, und der Richter am Supreme Court, Antonin Scalia.
Rick Santorum und seine Frau Karen Garver Santorum haben sieben Kinder: Elizabeth Anne, Richard John („Johnny“) Jr., Daniel James, Sarah Maria, Peter Kenneth, Patrick Francis und Isabella. Ihr Sohn Gabriel Michael (1996) war mit nur 20 Wochen Schwangerschaft eine Frühgeburt und starb zwei Stunden nach seiner Geburt. Rick und seine Frau nahmen das Kind mit nach Hause, um gemeinsam mit ihren anderen Kindern (damals vier, sechs, und acht Jahre alt) von ihm Abschied zu nehmen. Obwohl bei einer Totgeburt empfohlen wird, Zeit mit dem toten Kind zu verbringen, wurde Santorum deshalb im Wahlkampf von zwei Kommentatoren verspottet. Karen schrieb ein Buch über ihre Erfahrung: Letters to Gabriel: The True Story of Gabriel Michael Santorum. Seine Ehefrau ist Autorin eines Buchs über gutes Benehmen für Kinder. Beide wurden am 12. November 2004 als Ritter und Dame in den Malteserorden aufgenommen.
Er wurde 1990 im Alter von 32 Jahren in das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten gewählt, wobei er den Mandatsinhaber seit 1977, den Demokraten Doug Walgren, besiegte. Nach zwei Mandatsperioden trat er für einen der beiden Sitze Pennsylvanias im US-Senat an und schlug bei der Wahl im November 1994, die generell für die Republikaner äußerst günstig verlief, überraschend den demokratischen Amtsinhaber Harris Wofford. Im Senat saß Santorum unter anderem im Geschäftsordnungsausschuss und war zuletzt Vorsitzender der Senate Republican Conference, der dritthöchsten Hierarchiestufe für republikanische Senatsmitglieder.
Bei der Wahl im November 2000 wurde Santorum gegen Ron Klink wiedergewählt. Beim Versuch einer zweiten Wiederwahl scheiterte er am 7. November 2006 deutlich. Sein Herausforderer Bob Casey gewann mit einem Vorsprung von 18 Prozentpunkten, was die höchste Niederlage eines amtierenden Senators seit 30 Jahren war. Für seine Niederlage wurden neben einer für die Republikaner allgemein ungünstigen politischen Stimmung (gegen George W. Bush und den Irakkrieg) verschiedene umstrittene Entscheidungen und Äußerungen verantwortlich gemacht.
Vor dieser Niederlage galt Santorum als möglicher republikanischer Kandidat bei den US-Präsidentschaftswahl 2008.
Präsidentschaftswahlkampf 2012
Im April 2011 gab Santorum bekannt, dass er ein Konto eingerichtet habe, um Spenden für einen eventuellen Präsidentschaftswahlkampf zu sammeln; er wurde Kandidat für die Präsidentschaftswahl im November 2012, beteiligte sich an den Vorwahlen der Republikaner und wurde zum führenden Herausforderer des Establishment-Favoriten Mitt Romney von konservativer Seite.
Bei den ersten Vorwahlen am 3. Januar 2012 im Bundesstaat Iowa lieferte er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg mit seinem Mitbewerber Mitt Romney. Nach einem Rückstand ergab eine Neuauszählung, dass Santorum mit 34 Stimmen Vorsprung gesiegt hatte. Da aber aus acht Wahlbezirken eindeutige Ergebnisse bei der Überprüfung nicht festgestellt werden konnten, galt für die Vorwahl in Iowa vorerst ein Unentschieden zwischen Romney und Santorum. Nachdem die Stimmen noch einmal nachgezählt wurden, ist er seit dem 20. Januar mit 24,6 % und sieben Delegiertenstimmen offiziell der Sieger.
Bei den folgenden Vorwahlen in New Hampshire (10. Januar), South Carolina (21. Januar), Florida (31. Januar) und Nevada (4. Februar) blieb er, teils deutlich, unter der 20-Prozent-Marke und sicherte sich somit insgesamt nur von drei Delegierten die Stimmen.
Am 7. Februar konnte er bei allen drei Vorwahlen des Tages in den Staaten Minnesota, Missouri und Colorado etwas überraschend gegen den Favoriten Romney mit deutlichem Vorsprung gewinnen, was ihm die Stimmen von 40 Delegierten in Colorado und Minnesota brachte. In Missouri wurden die Delegierten erst am 17. März verteilt, es ist jedoch aufgrund des dortigen komplizierten Wahlsystems nicht bekannt, wer wie viele Stimmen bekommt, was sich erst am Wahlparteitag Ende August zeigen wird.
In Maine, wo die Vorwahlen in einem Zeitraum von insgesamt acht Tagen vom 4. Februar bis zum 11. Februar stattfanden, betrieb er nur wenig Wahlkampf und kam auf knapp 18 % und drei Delegiertenstimmen.
Bei den drei Vorwahlen Ende Februar unterlag er in Michigan (28. Februar) und Wyoming (29. Februar) gegen Romney knapp und in Arizona (28. Februar) etwas deutlicher, konnte sich aber 24 Delegierte sichern. Bemerkenswert ist das gute Ergebnis in Michigan, dem Heimatstaat Romneys, in welchem dieser nur dank einer mehrere Millionen teuren Werbekampagne gewinnen konnte.