An diesem Tag

Richard Yates (Schriftsteller)

Amerikanischer Schriftsteller

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Richard Yates (* 3. Februar 1926 in Yonkers, New York; † 7. November 1992 in Birmingham, Alabama) war ein amerikanischer Schriftsteller. Er machte vor allem durch seinen 1961 veröffentlichten Debütroman Revolutionary Road (Zeiten des Aufruhrs) und den Roman The Easter Parade (Easter Parade) aus dem Jahr 1976 auf sich aufmerksam. Trotz der Wertschätzung vieler Autorenkollegen geriet er mit zunehmendem Alter in Vergessenheit. Nach zwei gescheiterten Ehen lebte er die letzten Jahre einsam und widmete sich ausschließlich der Schriftstellerei. Erst nach seinem Tod wurde sein Werk neu entdeckt und in seiner Bedeutung für die moderne amerikanische Literatur anerkannt.

Richard Walden (ein Mittelname, den er nicht mochte) Yates wurde 1926 als zweites Kind von Vincent und Ruth „Dookie“ Maurer Yates geboren. Die Ehe war bereits zum Zeitpunkt der Geburt zerrüttet und wurde 1929 geschieden. Beide Eltern zeigten künstlerische Ambitionen. Vincent Yates hatte Gesang studiert, ergriff jedoch einen Brotberuf als Verkaufsleiter bei General Electric. Ruth Maurer ließ sich zur Bildhauerin ausbilden, ohne jemals die von ihr erträumten künstlerischen und gesellschaftlichen Erfolge realisieren zu können. Bis zur Scheidung lebte die Familie in Hastings-on-Hudson, anschließend blieb Richard bei der Mutter in wechselnden Wohnsitzen in New York sowie einigen Vorstädten in Connecticut. Das Verhältnis des heranwachsenden Richard zum 1942 verstorbenen Vater war distanziert, der Sohn bevorzugte die Mutter trotz oder gerade wegen ihrer Kompliziertheit. Im autobiografischen Vorwort von A Good School (Eine gute Schule, 1978) beschrieb Yates: „Ich wusste, sie war unvernünftig und verantwortungslos, sie redete zu viel, sie machte wegen nichts irrwitzige Szenen, und man konnte darauf rechnen, dass sie in einer Krise zusammenbrach, doch ich war allmählich zu der düsteren Ahnung gelangt, dass ich womöglich ganz ähnlich strukturiert war.“

Wegen schwacher schulischer Leistungen besuchte Yates von 1941 bis 1944 Avon Old Farms in Avon, Connecticut, eine Privatschule, die auf schwierige Schüler spezialisiert war. Hier begann er zu schreiben (als Redakteur der Schulzeitschrift) und zu rauchen, zwei Leidenschaften, die ihn sein Leben lang begleiten sollten. Nach dem Abschluss wurde Yates in die Armee eingezogen. Seine Ausbildung machte er in Camp Pickett, Virginia, ehe er im Januar 1945 mit der 75. Division nach Europa verschifft wurde, wo er in Frankreich, Belgien und Deutschland an den letzten Kriegsmonaten des Zweiten Weltkriegs teilnahm. Im Rahmen der Kämpfe um den Colmarer Brückenkopf zog er sich eine Lungen- und Brustfellentzündung zu, von der er zeit seines Lebens nicht vollständig genas. Yates galt in der Folge als Halbinvalide. Seine Militärzeit verarbeitete er mehrfach in seinen Werken, so insbesondere in seinem zweiten Roman A Special Providence (Eine besondere Vorsehung, 1969).

Nach seiner Entlassung aus der Armee im Januar 1946 blieb Yates noch einige Wochen in Frankreich, ehe er im Juni 1946 nach New York zurückkehrte. Yates besuchte Schreibkurse in der Columbia University, nahm jedoch kein Studium auf, um ohne Zeitverzögerung Schriftsteller zu werden. Später empfand er den fehlenden Universitätsabschluss stets als Makel. Seinen Lebensunterhalt verdiente er in der Wirtschaftsredaktion von United Press. 1947 lernte er seine erste Ehefrau Sheila Bryant kennen, die er im Juni 1948 heiratete. 1949 nahm er eine Anstellung bei dem Computerhersteller Remington Rand an, die zwar gut bezahlt war, aber ihn langweilte. Er persiflierte diese Tätigkeit in seinem ersten Roman Revolutionary Road (Zeiten des Aufruhrs, 1961). In seiner Freizeit schrieb er Erzählungen. Die Ehe begann bald zu kriseln, doch eine Trennung wurde immer wieder aufgeschoben: im März 1950 durch die Geburt der Tochter Sharon, von Februar 1951 an durch einen mehrjährigen Europaaufenthalt in Paris, Antibes und Cannes sowie ab 1952 in London. Finanziert wurde dieser Aufenthalt durch eine Invalidenrente, die Yates nach einem mehrwöchigen Sanatoriumsaufenthalt auf Staten Island zugesprochen worden war.

Im Februar 1953 erschien mit Jody Rolled the Bones (Jody lässt die Würfel rollen) eine erste Erzählung Yates’ in The Atlantic Monthly. Im September des Jahres kehrte Yates zurück in die USA, wo er seine Arbeit bei Remington Rand reduzierte, um die freie Zeit seinem ersten Roman zu widmen. Die Familie zog nach Redding, Connecticut. 1957 wurde die zweite Tochter Monica geboren, doch die Spannungen zwischen den Ehepartnern wuchsen. Yates trank und beklagte seinen künstlerischen Stillstand. Im August 1959 verließ er die Familie und zog nach New York, wo er eine Schreibwerkstatt an der New School for Social Research leitete. Yates behauste eine heruntergekommene Wohnung in der Nähe des Sheridan Square und litt unter Depressionen. Im Herbst 1960 wurde er nach einem Zusammenbruch für eine Woche in die Psychiatrie des Bellevue-Krankenhauses eingewiesen. Anfang 1961 reichte Sheila die Scheidung ein.

Ins Jahr der Scheidung fiel Yates’ größter schriftstellerischer Erfolg. Sein Debütroman Revolutionary Road erschien bei Little, Brown and Company und erhielt begeisterte Kritiken, unter anderen von Alfred Kazin, William Styron und Tennessee Williams. Er gehörte zu den Finalisten für den National Book Award. Die Erzählsammlung Eleven Kinds of Loneliness (Elf Arten der Einsamkeit, 1962) festigte im Folgejahr Yates’ Renommee, und er erhielt Stipendien der Guggenheim- und Rockefeller-Stiftung. Im Frühjahr 1962 ereilte Yates ein Ruf aus Hollywood. John Frankenheimer beauftragte ihn mit einem Drehbuch für Styrons Lie Down in Darkness. Yates arbeitete einige Monate in Malibu, doch die Pläne für den Film zerschlugen sich. Ein weiteres Drehbuch bildete 1969 die Vorlage zum Film Die Brücke von Remagen, wurde jedoch so sehr verändert, dass der Autor verärgert mit dem Filmbusiness abschloss. Ein anderer Ruf ereilte ihn 1963 aus Washington, D.C.: Justizminister Robert F. Kennedy suchte einen Ghostwriter für seine Reden. Zwar schätzte er Yates’ Texte, blieb jedoch skeptisch aufgrund dessen Alkoholexzessen, und die Tätigkeit fand bereits nach wenigen Monaten, im Anschluss an das Attentat auf John F. Kennedy, ihr Ende.

Vom Herbst 1964 an lehrte Yates sieben Jahre lang im renommierten Writers’ Workshop der University of Iowa, unterbrochen von Aufenthalten in Los Angeles und New York, wo er jeweils auch mehrere Wochen in psychiatrischen Anstalten verbrachte.

In Iowa lernte er Freunde wie Andre Dubus und Kurt Vonnegut kennen und traf seine zweite Frau, die knapp 20 Jahre jüngere Studentin Martha Speer, die er 1968 heiratete. An ihrer Seite normalisierte sich Yates’ Leben und besserte sich seine Alkoholabhängigkeit vorübergehend. Im Jahr 1969, in dem kurz hintereinander Yates’ ebenfalls alkoholkranke Schwester und seine Mutter starben, konnte er endlich seinen zweiten Roman A Special Providence (Eine besondere Vorsehung) veröffentlichen, nachdem ihn die Erwartungshaltung an den Nachfolger lange belastet hatte. Der Roman wurde nicht gut aufgenommen, was ebenso auf seine kompositorischen Mängel wie auf den geänderten Zeitgeist zurückzuführen war. Inzwischen hatte die experimentelle Literatur das von Yates bevorzugte realistische Erzählen abgelöst. Deren ebenfalls in Iowa lehrender Vertreter Robert Coover wurde für Yates zu einem persönlichen Feindbild.

Nachdem Yates in Iowa nicht die erhoffte lebenslange Anstellung erhalten hatte, suchte er nach Alternativen und zog für zwei Jahre nach Wichita, Kansas, wo er an der Wichita State University den Posten eines Distinguished Writer in Residence bekleidete. Hier wurde im Juni 1972 auch Yates’ dritte Tochter Gina geboren, doch litt die Ehe unter seinem zunehmenden Alkoholkonsum, der sich mit Yates’ psychischen Vorerkrankungen zu Anfällen von Epilepsie und Paranoia auswuchs. Nachdem Yates eine Teilzeitstelle an der Columbia University gefunden hatte, verließ ihn Martha im Frühjahr 1974. Drei Jahre später wurde die Ehe geschieden. Zuvor machte Yates noch einmal literarisch auf sich aufmerksam: Im Unterschied zum mäßigen Anklang, den sein dritter Roman Disturbing the Peace (Ruhestörung, 1975) gefunden hatte, feierte die Kritik den aus ungewohnter weiblicher Perspektive und in ungewohnter Geschwindigkeit geschriebenen vierten Roman The Easter Parade (Easter Parade, 1976) als glanzvolles Comeback. Kein folgendes Werk sollte mehr derart euphorische Reaktionen auslösen.

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