An diesem Tag

Richard Wiebel

Deutscher katholischer Geistlicher und Heimatforscher

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Richard Wiebel (* 6. Mai 1869 in Lauingen; † 22. November 1945 in Kaufbeuren) war ein katholischer Landpfarrer und Sammler von Kruzifixen im Ostallgäu.

Richard Wiebel Ahnen kamen väterlicherseits aus dem Gebiet zwischen Augsburg und Donauwörth, zwischen Zusam und Schmutter und mütterlicherseits waren es die Mettenleiter aus Wallerstein im Ries und die Mayrhofer aus Druisheim.

Er war das dritte Kind des Lehrers Anton Wiebel (* 8. Januar 1834 in Hainhofen; † 26. Februar 1917 in Daxberg bei Erkheim) und dessen Ehefrau Maria (* 18. August 1845 in Wallerstein, † 13. Februar 1932 in Memmingen, geb. Mayrhofer); er hatte noch drei Brüder und zwei Schwestern.

Er wuchs ab 1871 in Lindau auf; dort unterrichtete sein Vater die katholische obere Knabenklasse und war dazu auch an der gewerblichen Fortbildungsschule tätig, bevor er als Hauptlehrer 1898 pensioniert wurde. Sein Vater erteilte dem bayerischen Kronprinzen Rupprecht von Bayern Geigenunterricht, wenn sich die bayerische Königsfamilie zum Sommeraufenthalt in Lindau in ihrer Villa am See aufhielt.

Richard Wiebel verbrachte seine Volksschulzeit von 1875 bis 1879 in Lindau; dort besuchte er auch die ersten Klassen der Lateinschule, dem späteren Gymnasium (siehe Bodensee-Gymnasium). Von 1881 bis 1886 war er Schüler des königlichen Studienseminars in Neuburg an der Donau und zum Besuch der beiden letzten Klassen wechselte er an die königliche Studienanstalt in Kempten, die vom Rektor Adolf Römer geleitet wurde. In Kempten war sein Großonkel Bernhard Mettenleiter (1822–1901) Musik- und Gesangslehrer an der Studienanstalt, der Richard Wiebel vermutlich ermutigt hatte nach Kempten zu kommen.

Im Juli 1888 absolvierte er die Abiturprüfung.

Richard Wiebel trat ins Priesterseminar ein und begann sein Studium der Philosophie und Theologie im Herbst 1888 in Dillingen. Am 31. Juli 1892 erfolgte seine Weihe zum Priester und am 14. August 1892 feierte er in der Stadtpfarrkirche Lindau (siehe Münster Unserer Lieben Frau) seine Primiz.

Vom 26. September 1892 bis zum 27. März 1894 war er als Kaplan in Ettenbeuren im Landkapitel Ichenhausen tätig, bevor er bis zum 26. August 1897 als Kaplan in Heimenkirch im Landkapitel Weiler wirkte. Vom 26. August 1897 war er als Pfarrvikar auf seiner ersten selbständigen Stelle in der Pfarrei Bleichen in Unterbleichen im Landkapitel Ichenhausen. Am 26. Mai 1898 erhielt er die Pfarrerstelle in Unterbleichen übertragen und hatte diese bis zum 28. April 1904 inne.

Er wurde am 28. April 1904 Pfarrer in Irsee und blieb dort bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 31. Juli 1936; die ehemalige Klosterkirche des Klosters Irsee diente, seit der Säkularisation 1802 als Pfarrkirche St. Peter und Paul der Gemeinde. Er kannte die historische Bedeutung seiner Pfarrei und war sich des kunsthistorischen Rangs seiner Kirche bewusst; sehr wichtig waren die genauen Kenntnisse der Eigentumsverhältnisse an den Irseer kirchlichen Einrichtungen, denn bei jeder Baumaßnahme war der Pfarrer mit der staatlichen Bau- und Finanzverwaltung konfrontiert und musste unter Umständen juristisch auf lang zurückliegende Verträge verweisen können.

Neben seinen geistlichen und seelsorgerischen Aufgaben war er als Organ der örtlichen Schulaufsicht Lokalschulinspektor und erteilte dazu Religionsunterricht an der Volksschule Irsee.

Er förderte den späteren Lyriker Josef Guggenmos, sodass dieser das Humanistische Gymnasium (siehe Rhabanus-Maurus-Gymnasium) in St. Ottilien am Ammersee besuchen durfte.

In dem ehemaligen Klostergebäude bestand die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren/Irsee; als diese 1906 aufgehoben werden sollte, machte sich Richard Wiebel zum Anwalt der Interessen der Gemeinde Irsee und argumentierte gegen die Aufhebung engagiert und sachkundig. Er plädierte für eine sofortige Sanierung der unhaltbaren hygienischen Zustände. Eine weitere Hauptsorge waren immer wieder die Restaurierungsmaßnahmen an der ehemaligen Klosterkirche. Die staatliche Finanzkammer reagierte restriktiv, wenn es um die Regulierung von Baufällen ehemaligen Irseer Kirchenbesitzes ging und Richard Wiebel drang stets hartnäckig darauf, dass der Staat seinen finanziellen Verpflichtungen nachkam. Im Juli 1910 lehnte die Finanzkammer die Kostenübernahme der Glockenstuhlreparatur im südlichen Turm komplett ab. Er habe darauf ein aufgebrachtes Schreiben an die Beamten nach Augsburg gesandt, die daraufhin das Schreiben mit dem Vermerk Oho! an ihn zurücksandten. Er habe daraufhin den Brief mit dem Vermerk Aha! wieder nach Augsburg gesandt und am 18. August 1910 kam, ohne weitere Korrespondenz, die Finanzierungsanweisung.

Am 1. August 1936 trat er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand und zog zu seiner Schwester Eleonore Wiebel († 1954) nach Oberbeuren, bevor sie 1937 nach Kaufbeuren übersiedelten.

1938 wurde er als Inhaber des Ruf’schen Benefiziats an der Klosterkirche (siehe Kloster Kaufbeuren) in Kaufbeuren genannt.

In Kaufbeuren hat er in der Seelsorge mitgeholfen und jahrelang auch regelmäßig gepredigt, bis er wegen seiner Krebserkrankung nicht mehr konnte; an Sonntagen hatte er die Kindermesse in St. Martin übernommen.

Er wurde auf dem Alten Friedhof in Kaufbeuren beigesetzt.

Richard Wiebels Wissen auf dem Gebiet der Geschichte, Kunstgeschichte und Volkskunde hatte er sich autodidaktisch angeeignet.

Er beschäftigte sich mit kunst- und kulturhistorischen Themen und veröffentlichte erstmalig hierzu 1902/1903 in der 1899 von Christian Frank begründeten Zeitschrift Deutsche Gaue eine kurze Notiz über ein Steinkreuz in Unterbleichen.

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