Richard Earl Thomas (* 13. Juni 1951 in New York City) ist ein US-amerikanischer Schauspieler. Bekannt wurde er in den 1970er-Jahren durch die Rolle des John-Boy Walton in der Familienserie Die Waltons.
Thomas wurde in New York als Sohn der Tänzer Barbara Fallis († 1980) und Richard S. Thomas (1925–2013) geboren. Das Ehepaar war zeitweise im Ensemble des New York City Ballet tätig und gründete später die bekannte Ballettschule New York School of Ballet.
Mit diesem Familienhintergrund kam Thomas schon im Kindesalter ins Showgeschäft: Mit sieben Jahren spielte er 1958 im Broadway-Stück Sunrise at Campobello, im selben Jahr hatte er außerdem seine erste Rolle im Fernsehen. In den 1960er-Jahren trat er in einer Reihe von Fernseh-Seifenopern wie The Edge of Night und As the World Turns auf. Seine ersten größeren Filmrollen hatte der inzwischen 18-jährige Thomas im Jahr 1969 in dem Rennfahrerfilm Indianapolis an der Seite von Paul Newman und in dem Coming-of-Age-Film Petting, der bei einem vergleichsweise kleinen Budget zu einem Überraschungserfolg wurde. 1972 trat er in dem Thriller Ausgeliefert als junger Mörder und Vergewaltiger auf.
Der internationale Durchbruch folgte ab 1972 durch seine Hauptrolle in der Fernsehserie Die Waltons. In dieser Familienserie spielte er John-Boy, den ältesten Sohn einer Großfamilie, der zugleich als Protagonist und Erzähler der Serienhandlung fungiert. Für die Serie brach Thomas sein Undergraduate-Studium an der Columbia University ab. 1973 wurde er für seine Darstellung in Die Waltons mit dem Emmy in der Kategorie Bester Schauspieler einer Dramaserie ausgezeichnet, zudem erhielt er zwei Golden-Globe-Nominierungen. Nach rund fünf Jahren und 122 Folgen gab Thomas 1977 die Rolle des John-Boy an Robert Wightman ab. Gründe für seinen Ausstieg waren, dass er sich anderen Rollen widmen wollte und eine zu starke Festlegung auf diese eine Rolle befürchtete. In späteren Waltons-Fernsehspecials seit den 1980er-Jahren nahm Thomas jedoch die Rolle des John-Boy immer wieder auf.
1979 verkörperte Thomas die Hauptrolle des deutschen Soldaten Paul Bäumer in Im Westen nichts Neues, Delbert Manns Fernsehverfilmung von Erich Maria Remarques gleichnamigem Roman. Auch in der sehr erfolgreichen Miniserie Roots – Die nächsten Generationen wirkte er im selben Jahr mit. 1980 übernahm er die Heldenrolle des jungen Piloten Shad in dem Science-Fiction-Film Sador – Herrscher im Weltraum, der im Gefolge der Popularität von Krieg der Sterne entstand. In den 1980er- und 1990er-Jahren hatte er Hauptrollen in vielen Fernsehfilmen, beispielsweise Barfuß im Park, Katastrophenflug 232, Lauras Schatten und Das Geheimnis um Linda. 1990 trat er als Bill Denbrough in der Stephen-King-Fernsehverfilmung Es auf. Daneben spielte er viel Theater, am Broadway etwa in Lanford Wilsons Fifth of July sowie in Ben Hechts Komödie The Front Page. Er hatte auch immer wieder klassische Bühnenrollen wie 1993 in Washington D.C. in der Titelrolle von Shakespeares Richard II. Ende der 1990er-Jahre spielte er die Rolle des Joe Greene in zwei Folgen von Ein Hauch von Himmel und in vier Folgen von Ein Wink des Himmels, zwei christlich geprägten Familienserien.
Im Jahr 2000 hatte er nach längerer Zeit wieder eine nennenswerte Kinorolle, als er einen Universitätsprofessor in dem Film Die WonderBoys an der Seite von Michael Douglas und Frances McDormand spielte. 2001 war er am Londoner West End im Theaterstück Kunst von Yasmina Reza zu sehen, ab 2006 tourte er in der Rolle des Juror Nr. 8 in einer Produktion von Die 12 Geschworenen. Am Broadway spielte er 2009/2010 in David Mamets Stück Race. Im Fernsehen war er in den Jahren 2002/2003 war er Hauptdarsteller der kurzlebigen Anwaltsserie Just Cause und 2006 mit Nightmares & Dreamscapes in einer weiteren Miniserie basierend auf Werken von Stephen King zu sehen.
In der Thrillerserie The Americans übernahm Thomas ab 2013 für vier Staffeln die Rolle des FBI-Spezialagenten Frank Gaad. Daneben spielte er in dieser Zeit weiter Theater und war 2016 für einen Drama Desk Award für seinen Auftritt in Arthur Millers Zwischenfall in Vichy nominiert, außerdem 2017 für einen Tony Award in der Kategorie Bester Nebendarsteller für Lillian Hellmans Drama Die kleinen Füchse. 2021 wirkte er an Nora Fingscheidts Netflix-Film The Unforgivable in einer größeren Nebenrolle mit. 2022 war er als Nathan Davis in neun Folgen der Krimiserie Ozark zu sehen. Von 2022 bis 2024 war er als Anwalt Atticus Finch mit einer Theaterproduktion von Wer die Nachtigall stört durch die USA unterwegs.
Er veröffentlichte bislang drei Lyrik-Gedichtbände. Gelegentlich engagiert er sich für das Better Hearing Institute, da er aufgrund einer nervlich bedingten Schwerhörigkeit seit seinem 30. Lebensjahr selbst ein Hörgerät trägt.
Thomas war von 1975 bis zur Scheidung 1993 mit Alma Gonzales verheiratet, das Ehepaar hat vier Kinder (darunter Drillinge). Seit 1994 ist er mit der Kunsthändlerin Georgina Bischoff verheiratet, sie sind die Eltern eines Sohnes. Zudem ist Thomas der Stiefvater von zwei Kindern aus Bischoffs früherer Beziehung. Das Ehepaar lebt in New York.
1958: The Christmas Tree (Fernsehfilm)
1959: Oliver Twist (Fernsehfilm)
1961: Give Us Barabbas! (Fernsehfilm)
1961: Preston & Preston (The Defenders, Fernsehserie, Folge 1x06)
1970: Bonanza (Fernsehserie, Folge 12x03 Müde Willies)
1971: Ausgeliefert (You’ll Like My Mother)
1972–1978: Die Waltons (The Waltons, Fernsehserie, 124 Folgen)
1975: The Silence (Fernsehfilm)
1977: September 30, 1955 (9 / 30 / 55)