Ricardo Leyva Muñoz „Richard“ Ramírez (* 28. Februar 1960 in El Paso, Texas; † 7. Juni 2013 in Greenbrae, Marin County, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Serienmörder, Vergewaltiger und Einbrecher. In Kalifornien ermordete er 1984/85 insgesamt 13 Menschen und vergewaltigte mehrere seiner Opfer. Vor seiner Verhaftung wurde Ramírez in den Medien als der Night Stalker bezeichnet. In einem aufsehenerregenden Prozess wurde er 1989 zum Tode verurteilt, verstarb jedoch im Alter von 53 Jahren krankheitsbedingt in Haft.
Richard Ramírez wurde als jüngstes Kind mexikanischer Einwanderer in der texanischen Grenzstadt El Paso geboren. Er hatte drei Brüder und eine Schwester. Zwei seiner Brüder waren mit Fehlbildungen zur Welt gekommen, was Anfang der 1950er Jahre ein in der Gegend häufiger beobachtetes Phänomen war und der Nähe zum Kernwaffentestgebiet in Los Alamos, New Mexico zugeschrieben wird.
Sein Vater war als Eisenbahnwerker oftmals über mehrere Tage auswärts im Einsatz und seine Mutter arbeitete Vollzeit in einer Stiefelfabrik, so dass die Tagesbetreuung von seinen Geschwistern und einem Babysitter übernommen wurde. Dabei kam es zu einem Unfall, bei der er die erste von mehreren Kopfverletzungen erlitt. Diese werden oftmals in Zusammenhang gebracht mit epileptischen Anfällen, die ab seinem zehnten Lebensjahr regelmäßig auftraten.
Die familiären Verhältnisse können insgesamt als dysfunktional und geprägt von Gewalt, Vernachlässigung und religiösem Wahn beschrieben werden. Bei Konflikten reagierte der Vater regelmäßig mit verbaler und körperlicher Gewalt, während die Mutter Probleme aller Art durch intensive religiöse Betätigung in den Griff zu bekommen versuchte. Zwei der älteren Brüder schlugen bereits in Jugendjahren kriminelle Karrieren ein, waren daher denkbar schlechte Vorbilder und brachten den jungen Ramírez darüber hinaus früh mit Alkohol und Drogen in Kontakt.
Von Anfang an hatten Ramírez und seine fünf Jahre ältere Schwester eine sehr enge Bindung zueinander, ihr wird bisweilen zugeschrieben, ein Mutterersatz für ihn gewesen zu sein. Auch in der Auseinandersetzung mit den älteren Brüdern hielten die beiden zusammen und versuchten, sich gegenseitig vor deren Angriffen zu schützen.
Bis zum Alter von etwa zwölf bis 13 Jahren zeigte Ramírez trotz allem eine relativ normale Entwicklung ohne Verhaltensauffälligkeiten und war ein guter Schüler. Das änderte sich, als seine Schwester heiratete und das Elternhaus verließ. In etwa zur selben Zeit wurde er wegen eines epileptischen Anfalls während eines Spiels aus dem Football-Team genommen, was ihn ebenfalls traf. Er begann zu schwänzen, Marihuana zu rauchen und seine schulischen Leistungen fielen merklich ab.
Außerdem verbrachte er viel Zeit mit seinem Cousin Miguel (genannt „Mike“), einem Vietnamveteranen, der vor dem Jugendlichen mit seinen Kriegsverbrechen prahlte und Polaroid-Fotos besessen haben soll, die diese im Detail belegten. Im Alter von 15 Jahren war Ramírez anwesend, als eine eheliche Auseinandersetzung zwischen Mike und dessen Frau eskalierte und er sie erschoss. Nach der Festnahme wurde Mike für unzurechnungsfähig erklärt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
Danach veränderte sich sein Verhalten noch einmal deutlich. Er tauchte in der Schule noch seltener auf und experimentierte nun auch mit härteren Drogen wie LSD und Kokain. Da in der Folge die Konflikte mit seinem Vater zunahmen, verbrachte er die Zeit nun möglichst außer Haus, übernachtete auf Friedhöfen oder bei seiner Schwester und deren Ehemann, den er gelegentlich bei dessen voyeuristischen Touren begleitete. Nun nahm auch seine kriminelle Karriere Fahrt auf und er beging diverse Einbrüche in der Nachbarschaft. Auch probierte er Taschendiebtricks bei Freunden aus, was ihm eine Reihe von Spitznamen wie „Ricky the Klepto“, „Ricky Robon“ oder „Dedos“ einbrachte.
Wegen Delikten wie Vandalismus, Einbruch und Diebstahl wurde er innerhalb eines halben Jahres insgesamt sechs Mal von der Polizei festgenommen. Nach einer dieser Straftaten wurde er bei einer Psychiaterin vorstellig. Dort wurden ein IQ von 91 und Anzeichen einer Schizophrenie festgestellt. Es kam jedoch zu keiner Behandlung, da die Eltern nicht kooperierten.
Im Zuge einer weiteren Straftat gelangte er mit 17 Jahren in eine Einrichtung für straffällig gewordene Jugendliche, in der er, ähnlich einem Internat, untergebracht und beschult wurde, um einen GED (eine externe Prüfung zur Hochschulzulassung) zu erwerben.
Sein letztes Jahr in El Paso verbrachte er hauptsächlich bei seiner Schwester. In dieser Zeit hatte er bereits satanistische Anwandlungen entwickelt und deren Haus weitreichend mit Pentagrammen dekoriert. 1979 übersiedelte er schließlich nach Kalifornien.
In Kalifornien pflegte er einen nomadenhaften Lebensstil ohne festen Wohnsitz. Er pendelte hauptsächlich zwischen San Francisco und Los Angeles, wohnte streckenweise bei Bekannten oder kam in billigen Hotels unter. Seinen Lebensunterhalt inkl. der Finanzierung seines Drogenkonsums bestritt er mit Einbrüchen, Diebstahl und Drogenhandel und verkehrte in einem Umfeld von Kleinkriminellen.
Aktenkundige Straftaten aus dieser Zeit sind:
1981: Zehntägiger Arrest in South Pasadena für Taschendiebstahl
1982: Geldstrafe für Marihuana-Besitz in El Paso
1983: Fünfmonatige Haft für Autodiebstahl in L.A.
1984: Einmonatiger Gewahrsam für Fahrt mit einem gestohlenen Wagen („Joyriding“), ebenfalls in L.A.
Bei einem dieser Haftaufenthalte freundete er sich mit einem bekennenden Satanisten an und begann, sich ernsthafter mit der Thematik zu beschäftigen. So studierte er in der Folge u. a. die Werke von Anton LaVey und praktizierte Rituale.