An diesem Tag

Richard Pearse

Neuseeländischer Landwirt, Erfinder und Luftfahrtpionier

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Richard William Pearse (* 3. Dezember 1877 in Temuka; † 29. Juli 1953 in Riccarton, heute zu Christchurch gehörend) war ein neuseeländischer Landwirt, Erfinder und Luftfahrtpionier. Am 31. März 1903 und damit fast neun Monate vor den Brüdern Wright gelang ihm ein Flug mit einem Flugapparat nach dem Prinzip „schwerer als Luft“. Dieser Flug dauerte aber nicht sehr lange an und war vor allem nicht kontrolliert.

Richard Pearse war das vierte von neun Kindern des Landwirts Digory Sargent Pearse und seiner Frau Sarah Anne Pearse, geborene Brown. Sein Vater war ein Einwanderer aus Cornwall, und seine Mutter kam aus Irland. Sie lernten sich in einem Geschäft in Timaru kennen, in dem Sarah Pearse arbeitete. Sie bewirtschafteten ein großes Gebiet, Trewarlet genannt, circa acht Kilometer landeinwärts von Temuka in der Waitohi Ebene, auf dem Richard auch am 3. Dezember 1877 geboren wurde. Die Eltern führten ein aktives gesellschaftliches und kulturelles Leben. Unter anderem bauten sie einen Tennisplatz auf ihrem Grundstück. Die ganze Familie galt als sehr musikalisch und bildete ein eigenes Musikorchester, in dem Pearse Cello spielte.

Richard Pearse besuchte die Grundschule in der oberen Waitohi-Ebene und galt als introvertiert, ruhig und sanftmütig, aber auch als kleiner Außenseiter und Tagträumer. Einzig im Technikunterricht ragte er heraus und zeigte schon früh ein Interesse an mechanischen Experimenten und am Fliegen. Es gibt Berichte, nach denen er schon zu dieser Zeit Bücher über das Fliegen und verwandte Wissensgebiete las. Dafür soll er auch seine übrigen Hausaufgaben vernachlässigt haben. Nach der Schule wollte er am Canterbury College Ingenieurwissenschaften studieren, doch die Eltern unterstützten bereits seinem älteren Bruder Tom bei dessen Medizinstudium und konnten es sich nicht leisten, auch noch Richard ein Studium zu finanzieren. Stattdessen erhielt er zu seinem 21. Geburtstag 1898 ein 400.000 m² großes Stück Land nahe Waitohi und bewirtschaftete dies mit einigen Unterbrechungen für die nächsten 13 Jahre. Sein Interesse galt aber weiterhin verschiedenen Erfindungen und dem Fliegen.

Sein Grundstück lag abseits und war durch eine große, angeblich dreieinhalb Meter hohe und fast sieben Meter breite Ginsterhecke vor neugierigen Blicken geschützt. Pearse wandelte sein Bauernhaus in eine Werkstatt um und arbeitete bis tief in die Nacht. Er konzentrierte sich ganz auf seine Erfindungen und hielt an diesem Lebensstil bis zu seinem Ende fest. In dieser Werkstatt erfand er mehrere Geräte, aber seine Faszination galt vor allem dem Fliegen. Er begann bald mit der Konstruktion eines Flugzeuges und startete 1902 mit Flugversuchen. Am 31. März 1903 hob er mit seinem Flugzeug vom Boden ab. Pearse selbst hat dies allerdings nie als Flug betrachtet. Die Nachricht vom Flug der Gebrüder Wright war, laut Aussage seines jüngeren Bruders Warne, für Richard Pearse ein „schlimmes Erwachen“. Es gibt aber Berichte, nach denen er mit den Gebrüdern Wright später in Korrespondenz stand. Trotz dieses Schocks führte er seine Flugexperimente fort und meldete 1906 sein Flugzeug zum Patent an. Seine Nachbarn zeigten sich aber wenig erfreut über die Experimente. Der Lärm beunruhigte sie und ihr Vieh, und einige hielten die Fliegerei sogar für Teufelswerk. Pearse reagierte darauf, indem er sich und seine Experimente mehr und mehr von der Öffentlichkeit fernhielt.

Wohl aber aus finanziellen Gründen verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Arbeit immer mehr zu theoretischen Überlegungen. Ende 1910 erkrankte er an Typhus und verkaufte seinen Bauernhof. Er kaufte eine neue, weit abgelegene Farm in der Loudens Schlucht nahe Milton. Das hügelige Gelände dort war nicht besonders gut für Flugversuche geeignet, was aber seine Neigung für die Landwirtschaft nicht steigerte. Stattdessen verlagerte er seine Arbeit auf landwirtschaftliche Erfindungen und motorisierte Fahrräder, für die er bald in Milton recht bekannt war. Im Mai 1917 wurde er zum Otago-Regiment eingezogen und im Januar 1918 nach Übersee geschickt. Aufgrund einer Krankheit war er aber nie in Kampfhandlungen verwickelt und kehrte im Oktober desselben Jahres nach Neuseeland zurück.

1921 wurde er des Landlebens und der stark fallenden Wollpreise überdrüssig und zog nach Christchurch. Dort baute er drei Häuser, lebte in demjenigen, das im Stadtteil Wolston stand, und vermietete die anderen beiden. Die Mieteinnahmen dienten ihm als Lebensunterhalt, und so konnte er sich ganz seinen Erfindungen widmen. Er wandelte die Garage seines Hauses in eine Werkstatt um und plante ab 1928 ein weiteres Fluggerät. Aus dieser Zeit wird aber auch berichtet, dass er zunehmend verschlossener und öffentlichkeitsscheuer wurde. Er erhielt für dieses Flugzeug 1949 das Patent. Zu dieser Zeit waren seine Erfindungen aber schon technisch überholt, der Hubschrauber und das Strahltriebwerk waren bereits erfunden. Pearse zeigte sich von dem mangelnden Interesse der Luftfahrtindustrie enttäuscht. Seinen Zeitgenossen galt er ohnehin schon als mürrischer und wortkarger Mensch, aber zu dieser Zeit bildete sich eine Paranoia, in der er sich vor dem Verrat seiner Erfindungen durch ausländische Spione fürchtete. Im Juni 1951 wurde er in das Sunnyside Mental Hospital (eine Psychiatrie im damals noch nicht zu Christchurch gehörenden Riccarton) eingewiesen. Er starb dort unverheiratet am 29. Juli 1953 an einem Herzinfarkt im Alter von 75 Jahren und wurde zwei Tage später in Bromley, einem Christchurcher Vorort, eingeäschert.

Richard Pearses erstes Fluggerät entstand während seiner Schulzeit und bestand aus einer Garnspule, einem Brett mit einem Nagel, einem Stück Seil und einem aus dem Deckel einer Heringsdose geformten Propeller. Er wickelte das Seil um die Spule, zog daran und schoss so den Propeller in die Luft. Zur Unterhaltung seiner Mitschüler hatte er damit wahrscheinlich unbewusst den ältesten dargestellten Flugapparat aus einem flämischen Manuskript des 13. Jahrhunderts kopiert.

Pearse begann mit der Konstruktion seines ersten Flugzeuges wahrscheinlich 1899. Sein erstes Problem war dabei, dass er einen passenden Verbrennungsmotor benötigte. Einen fertigen Motor konnte er nicht kaufen, und so begann er mit der Hilfe von Cecil Woods, einem Ingenieur in Timaru, der den ersten Verbrennungsmotor in Neuseeland gebaut hatte, selbst an Zündkerzen und Vergasern zu basteln und ließ sich die schweren Teile wie Zylinder und Kurbelwellen von Parr&Sons in Timaru liefern. Als Material dienten ihm Zigarettendosen und gusseiserne Abwasserrohre. Er hatte dabei die Idee, die Zündkerzen mit einer Zeitsteuerung zu versehen und veröffentlichte diese Idee 1909 im Magazin Scientific American. Pearse grundlegende Idee war, die Motoren aus dem Automobilbau für Flugzeuge zu verwenden. Er stellte den Motor 1902 fertig und begann daraufhin mit der Konstruktion des eigentlichen Flugzeuges.

Bei ersten Flugversuchen im selben Jahr erwies sich der Motor aber bald als zu schwach, und so verbesserte er ihn. Der fertige Motor war ein Otto-Zweitaktmotor mit 24 bhp, zwei beidseitig geöffneten Zylindern mit jeweils zwei Kolben und einem Gewicht von 57 kg. Als Material für den Rahmen seines Flugzeuges benutzte er Bambus (die häufige Verwendung dieses Materials brachte ihm den Spitznamen „Bamboo Dick“ ein) und Aluminium. Das Fahrgestell war ein Dreirad aus Stahlrohren mit einem Bugrad und zwei Haupträdern. Das Flugzeug war ein Hochdecker mit einer Spannweite von etwa siebeneinhalb Metern. Die Tragflächen waren mit Segeltuch bespannt und an den Enden durch Drähte mit dem Fahrgestell verbunden. Insgesamt war die Konstruktion recht stabil. Das Flugzeug verfügte über Quer- und Höhenruder. Der Motor befand sich oberhalb vor dem Piloten und war mit einem achtblättrigen Propeller ausgestattet (der Propeller befand sich also vor den Tragflächen). Bemerkenswert war auch der bewegliche Sitz, der dazu dienen sollte, einen Aufprall mit bis zu 100 Meilen pro Stunde zu überleben. Vom Aussehen ähnelte Pearses erstes Flugzeug stark den frühen aerodynamisch gesteuerten Ultraleichtflugzeugen. Am 31. März 1903 rollte er sein Flugzeug die Hauptstraße von Waitohi herunter und stellte es an die Kreuzung vor der Schule. Er unternahm mehrere Versuche vor den Augen einiger Mitbewohner, den Motor anzuwerfen. Am späten Nachmittag sprang die Maschine endlich an. Richard Pearse fuhr los, hob mit seinem Flugzeug vom Boden ab, stieg langsam auf eine Höhe von etwa drei Metern, verlor dabei die Kontrolle, brach nach links aus und stürzte nach 100 bis 150 Metern auf seine eigene Hecke.

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