An diesem Tag

Richard Bentley

Englischer klassischer Philologe und Textkritiker

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Richard Bentley (* 27. Januar 1662 in Oulton bei Leeds, Yorkshire; † 14. Juli 1742 in Cambridge) war ein englischer klassischer Philologe und Textkritiker.

Jugend und Studienjahre (1662–1689)

Sein Großvater litt unter den Nachwirkungen des Englischen Bürgerkriegs und ließ die Familie in verarmten Umständen zurück. Seine Mutter, Tochter eines Steinmetzen, hatte soviel Bildung genossen, dass sie ihrem Sohn ersten Unterricht in Latein geben konnte. Von der Schule in Wakefield ging Richard Bentley 1676 an das St John’s College, wo er ein Stipendium erhielt und den Abschluss eines B.A. (Bachelor of Arts) 1680, den eines M.A. (Master of Arts) 1683 machte.

Er wurde nie zu einem fellow seines College gewählt, jedoch – bevor er 21 Jahre alt war – zum Rektor der Schule in Spalding ernannt. Hier blieb er jedoch nicht lange, weil er von Edward Stillingfleet, dem Dekan von St. Pauls’s ausgewählt wurde, der Lehrer seines Sohnes zu werden. Diese Ernennung brachte Bentley in Kontakt mit den hervorragendsten Männern seiner Zeit und verschaffte ihm Zugang zur besten Privatbibliothek Englands. Die sechs Jahre, die Bentley in Stillingfleets Familie verbrachte, nutzte er zu umfassenden Studien der griechischen und lateinischen Schriftsteller, Wissen anhäufend, das ihm später noch nutzen sollte.

Die Jahre in Oxford (1689–1695)

1689 wurde Stillingfleet Bischof von Worcester und sein Sohn ging zum Wadham College, begleitet von seinem Lehrer. Hier hatte Bentley bald engen Kontakt mit den hervorragendsten Gelehrten der Universität, darunter John Mill, Humphrey Hody (1659–1707) und Edward Bernard. Er schwelgte in den wertvollen Manuskripten der Bodleian Library, des Corpus Christi College und anderer College-Bibliotheken. Er befasste sich mit der Sammlung von Material für ausgedehnte schriftstellerische Pläne, darunter insbesondere ein Corpus von Fragmenten griechischer Dichter und eine Ausgabe der griechischen Lexikographen. Die Oxforder (Sheldonian) Druckerei bereitete die Ausgabe (die editio princeps) der einzigartigen Manuskripte der Bodleian Library der griechischen Chronik (eine Universalgeschichte bis zum Jahr 560) des Johannes Malalas vor, und John Mill, Prinzipal von St Edmund Hall, hatte Bentley angefordert, die Blätter zu sichten und den Text zu kommentieren.

Dies regte Bentley zu seiner Epistola ad Millium an, weniger als 100 Seiten am Ende des Oxford Malalas (1691). Der kurze Traktat setzte Bentley an die Spitze aller lebenden englischen Gelehrten. Die Leichtigkeit, mit der er beschädigte Passagen restaurierte, die Sicherheit der Emendationen und bei der Beurteilung der Relevanz des Materials sind im Stil völlig anders als die sorgfältige und mühsame Arbeit eines Hody, Mill oder E. Chilmead. Dem kleinen Kreis der Studenten (denen die großen textkritischen Nachschlagewerke der Moderne fehlten) war es offensichtlich, dass er ein Kritiker über dem normalen akademischen Standard war.

Bentley war auch selbstbewusst und vermessen genug, um sich Gegner zu schaffen. James Henry Monk, Bentleys Biograph, bezichtigte ihn (in seiner Erstausgabe von 1830) einer Unschicklichkeit, mit der er nichts zu tun hatte: „An einer Stelle“, schreibt Monk, „bezeichnet er Dr Mill als ιμαννιδιον (Bummler), eine Beschuldigung, die weder die Vertraulichkeit der Freundschaft, noch die Nutzung einer toten Sprache gegenüber dem würdevollen Oberhaupt rechtfertigen kann.“ – Das Ziel von Bentleys Apostrophe war jedoch nicht Mill, sondern Johannes Malalas, an den er an einer anderen Stelle verspielt als „Syrisce“ appelliert. Aus dieser Veröffentlichung resultiert die Mischung aus Bewunderung und Abneigung, die Bentley inspirierte.

1690 wurde Bentley zum Diakon geweiht. 1692 wurde er erstmals zum Boyle-Dozenten ernannt, 1694 ein zweites Mal. Ihm wurde die Ernennung ein drittes Mal 1695 angeboten, doch jetzt lehnte er sie ab, da er zu der Zeit mit zu vielen anderen Aufgaben beschäftigt war. In der ersten Vorlesungsreihe („A Confutation of Atheism“) bemühte er sich, Isaac Newtons Physik in populärer Form zu zeigen und sie (insbesondere im Gegensatz zu Thomas Hobbes) in den Rahmen des Existenzbeweises für einen intelligenten Schöpfer zu stellen. Er hatte zu dem Thema Korrespondenz mit Newton, der zu der Zeit im Trinity College lebte. Die zweite Vorlesungsreihe wurde nicht veröffentlicht und scheint verloren gegangen zu sein.

Bentleys wichtigste Leistung auf dem Gebiet der griechischen Philologie besteht in dem Nachweis, dass viele Verse in den homerischen Epen nur metrisch korrekt sind, wenn man den in der Schrift nicht vorhandenen Laut w- (den er v- schrieb) mitliest. Diese Entdeckung, für die er z. B. von dem Homer-Übersetzer Alexander Pope als „Mann mit dem V“ verspottet wurde, ist durch die vergleichende Sprachforschung, vor allem durch die Entzifferung der frühgriechischen Schrift Linear-B bestätigt worden.

Der königliche Bibliothekar (1695–1700)

Bentley war gerade erst geweiht, als er mit einer Pfründe an der Worcester Cathedral bedacht wurde. 1693 wurde die Stelle eines Aufsehers der königlichen Bibliothek frei, und erhebliche Anstrengungen wurden von seinen Freunden unternommen, ihm die Aufgabe zu verschaffen, jedoch reichte deren Einfluss nicht weit genug. Ein Arrangement wurde getroffen, dass der neue Bibliothekar, Henry Thynne, mit einer jährlichen Rente von 130 £ statt des Gehalts von 200 £ zugunsten Bentleys zurücktreten solle. 1695 erhielt Bentley ein königliches Kaplansamt und das Wohnrecht in Hartlebury, im gleichen Jahr wurde er zum fellow der Royal Society gewählt, 1696 erhielt er den Grad eines D.D. (Doctor of Divinity). Die Anerkennung der kontinentalen Gelehrten kam in Form einer Widmung durch Johann Georg Graevius, die einer 1694 in Utrecht publizieren Dissertation von Albert Rubens, De Vita Flavii Mattii Theodori, vorangestellt war.

Bentley hatte nun Diensträume in St James’s Palace, und seine erste Sorge galt der königlichen Bibliothek. Er machte große Anstrengungen, die Sammlung aus ihrem verfallenen Zustand zu lösen, und überredete den Earl of Marlborough, im Palast nach zusätzlichen Räumen für die Bücher zu fragen – diese wurden gewährt, doch Marlborough nutzte sie dann für eigene Zwecke. Bentley erzwang ein Gesetz gegen die Verlage, das der Bibliothek fast 1000 Bände einbrachte, deren Übergabe bis dahin unterblieben war.

Er half John Evelyn bei seiner Numismata und wurde von der Universität Cambridge bevollmächtigt, griechische und lateinische Schriftarten für ihre klassischen Bücher zu beschaffen, die er offensichtlich in den Niederlanden auch fand, da sie seit dieser Zeit in den Büchern der Universität auftreten. Bentley gab sich mit der einfachen Durchführung der von ihm begonnenen Projekte nicht ab. 1694 entwarf er eine Ausgabe des Philostratos, gab sie aber an G. Olearius (Ohlschiger) ab, „zur Freude“, sagt Friedrich August Wolf, „von Olearius und niemandes sonst“. Er versorgte Graevius mit zusammengetragenem Cicero und Joshua Barnes mit einer Warnung zur Unechtheit der Episteln des Euripides. Barnes druckte die Episteln und erklärte, niemand, außer jemandem, der perfrictae frontis aut judicii imminuti [lateinisch: „[von] zerschmetterter Stirn und beschränkten Urteils“] sei, könne an ihrer Echtheit zweifeln. Bentley ergänzte Graevius Callimachus (Utrecht 1697) um eine meisterhafte Sammlung von kommentierten Fragmenten.

Die Dissertation on the epistles of Phalaris, Themistocles, Socrates, Euripides and the fables of Aesop, das Werk, auf dem Bentleys Ruhm sich im Wesentlichen stützt, entstand so eher zufällig. William Wotton bat Bentley, als er 1697 dabei war, eine zweite Ausgabe seines Buchs über Ancient and Modern Learning herauszubringen, eine alte Zusage zu erfüllen und einen Text zur Unechtheit der Episteln des Phalaris niederzuschreiben. Dieses Papier nahm Charles Boyle, der spätere Earl of Orrery, der Christ-Church-Herausgeber des Phalaris, so übel, dass er, als er das Manuskript bei seiner Ausgabe (1695) in der königlichen Bibliothek fand, einen Streit mit Bentley begann. Unterstützt von seinen Collegefreunden, vor allem Francis Atterbury, schrieb Boyle eine Antwort: „ein Gewebe“, sagt Alexander Dyce in seiner Ausgabe der Werke Bentleys aus den Jahren 1836 bis 1838, „aus oberflächlicher Gelehrsamkeit, ausgeklügelter Sophisterei, geschickter Bosheit und fröhlicher Spötterei“. Die Antwort wurde von der Öffentlichkeit als vernichtend gefeiert und sofort um eine zweite Auflage ergänzt. Bentley war gezwungen zu reagieren; es entstand „diese unsterbliche Dissertation“ (Richard Porson), die nun unbeantwortet blieb, obwohl die Wahrheit in ihren Schlussfolgerungen nicht unmittelbar erkannt wurde.

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