An diesem Tag

Richard Bedford Bennett

Elfter Premierminister von Kanada (1930-1935)

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Richard Bedford Bennett, 1. Viscount Bennett PC, KC (* 3. Juli 1870 in Hopewell, New Brunswick, Kanada; † 26. Juni 1947 in Mickleham, Surrey, Vereinigtes Königreich) war der elfte Premierminister Kanadas. Seine Amtszeit dauerte vom 7. August 1930 bis zum 23. Oktober 1935. Bennett gehörte der Konservativen Partei an.

Richard Bedford Bennett wurde 1870 als ältestes der sechs Kinder von Henry John Bennett (1842–1905) und Henrietta Stiles (1844–1914) geboren. Das Paar war seit dem 22. September 1869 verheiratet und bekam vier seiner Kinder zwischen 1870 und 1876. Den Bennetts gehörte eine Schiffswerft am Hopewell Cape im Südosten New Brunswicks, die Richards Großvater Nathan Murray Bennett gegründet hatte. Henry John Bennett gelang es jedoch nicht, seine wachsende Familie mit den Einkünften aus dem Schiffbau zu ernähren, welche durch die zunehmende Konkurrenz von Dampfmaschinen und die Depression in den 1870er Jahren zurückgingen. Auch seine späteren Tätigkeiten als Händler, Schmied und Landwirt konnten nicht verhindern, dass Richard Bennett und seine Geschwister in relativer Armut aufwuchsen. Ihre Mutter war ein Mitglied der Wesleyan Methodist Church und betonte bei der Erziehung den Wert von harter Arbeit, Nächstenliebe und Genügsamkeit. Nachdem sie eine kleine Erbschaft gemacht hatte, konnte Richard Bennett mit 16 Jahren die Normal School in Fredericton besuchen. Danach arbeitete er als Lehrer in Irishtown nördlich von Moncton. 1888 erlangte er die Lizenz erster Klasse und wurde mit 18 Jahren Leiter einer Schule in Douglastown, einem Stadtteil von Miramichi. Gleichzeitig arbeitete er in seiner Freizeit für das Anwaltsbüro von Lemuel John Tweedie (1849–1917), späterer Premier der Provinz New Brunswick, in Chatham. Auf diese Weise gelang es ihm, genug Geld zu sparen, um im Herbst 1890 ein Jurastudium an der Dalhousie University in Halifax aufnehmen zu können. 1893 schloss er das Studium mit dem Bachelor of Laws ab und im Jahr darauf erhielt er eine Anwaltslizenz für New Brunswick.

Umzug nach Alberta und Beginn der politischen Karriere

Nach dem Studium kehrte Bennett als Partner in die Praxis in Chatham zurück, die in Tweedie and Bennett umbenannt wurde. 1897 zog er nach Calgary und wurde dort nach Erlangen einer Anwaltslizenz für die Nordwest-Territorien Juniorpartner in der Praxis von James Alexander Lougheed. Dieser war mit der Anstellung einer Empfehlung des Jura-Dekans der Dalhousie University Richard Chapman Weldon (1849–1925) gefolgt. 1907 erhielt Bennett den Titel Kronanwalt (KC) verliehen. Während die noch junge Stadt Calgary zunehmend wuchs, gewann die Anwaltspraxis von Bennett und Lougheed an Kunden und entwickelte sich bis 1914 zu einem erfolgreichen Unternehmen. Bennett betätigte sich außerdem im An- und Verkauf von Land und wurde Teilhaber und Direktor der Calgary Petroleum Products Company des Unternehmers William Stewart Herron.

Bennetts politische Karriere begann 1898, als er für den Wahlkreis West Calgary in die Legislative Assembly of the North-West Territories (legislative Versammlung der Nordwest-Territorien) gewählt wurde. Dort blieb er bis zu dessen Auflösung 1905 tätig. Nachdem Alberta 1905 Provinz geworden war, wurde er zum Vorsitzenden der neu gegründeten Alberta Conservative Party gewählt. Er kandidierte bei der Wahl zur Legislativversammlung von Alberta für Calgary an, wurde jedoch zunächst nicht gewählt. Dies gelang ihm schließlich 1909 zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern der Konservativen, einem Sozialisten und 37 Liberalen. Im Parlament wurde er bald zum Sprecher der zahlenmäßig stark unterlegenen Opposition und einer der wenigen erfolgreichen konservativen Politiker Albertas. Er spielte unter anderem eine bedeutende Rolle bei der Aufdeckung eines Skandals um die Finanzierung der Alberta and Great Waterways Railway, der 1910 zum Rücktritt von Alexander Cameron Rutherford und seines Kabinetts führte.

1911 trat Bennett von seiner Position in der Legislativversammlung von Alberta zurück und wurde für Calgary in das Unterhaus (House of Commons) gewählt. Premierminister war zu dieser Zeit Robert Borden. Bennetts politische Einstellung wird von seinen Biografen als Red Toryism eingestuft. Er setzte sich unter anderem für Sozialleistungen, Gewerkschaften und staatliche Kontrollen in der Wirtschaft ein. In seiner Antrittsrede am 20. November 1911 plädierte er dafür, Vermögensinteressen nicht über die Menschenrechte zu stellen. Es sei die Pflicht der Regierung, dafür zu sorgen, dass dies nicht geschehe.

Erster Weltkrieg und Nachkriegszeit

Während des Ersten Weltkriegs wurde Bennett aus medizinischen Gründen nicht zum Militärdienst zugelassen. Er engagierte sich als Leiter der Zweigstelle des Roten Kreuzes in Alberta und verwaltete den Canadian Patriotic Fund, der Familien von Soldaten finanziell unterstützte. 1915 ging er als Assistent Bordens nach London, um die britische Regierung zu unterstützen und begleitete ihn bei seinem ersten Besuch der kanadischen Streitkräfte in England und Frankreich. 1916 wurde Bennett Generaldirektor des National Service, der Berichte über die verfügbaren kanadischen Soldaten und Ressourcen erstellte. Im Jahr darauf unterstützte er den Military Service Act, der Kanadier zum Wehrdienst verpflichtete, statt wie bisher auf Freiwillige zu setzen und zur Wehrpflichtkrise führte. Er stellte sich gegen Bordens Idee, Konservative und Liberale in der Unionistischen Partei zu vereinigen. Bei der Wahl 1917 unterstützte er zwar die Konservativen, trat jedoch nicht selbst an. Im Folgejahr verstärkten sich seine Differenzen mit Borden weiter, als dieser ihn aufgrund von Koalitionsabsprachen nicht zum Senator ernannte, sondern stattdessen den Liberalen William James Harmer wählte.

Während des Kriegs hatte sich die wirtschaftliche Situation von Bennetts Anwaltsbüro in Calgary verschlechtert, da mehrere Mitarbeiter eingezogen worden waren. Ab 1918 war Bennett zunehmend in die Geschäfte der Streichholz- und Papierfirma E. B. Eddy Company in Hull, Québec, involviert. Die Witwe des Firmeneigentümers, eine langjährige Freundin Bennetts, betraute ihn mit ihren finanziellen Angelegenheiten und vermachte ihm 1921 in ihrem Testament Anteile an der Firma, zu denen nach dem Tod ihres Bruders 1926 weitere hinzukamen, so dass Bennett schließlich die Leitung der Firma übernahm. 1922 trennte er sich nach 25-jähriger geschäftlicher Partnerschaft von Lougheed, mit dessen Arbeit und Entscheidungen er zunehmend unzufrieden war. Die Praxis wurde auf drei Parteien aufgeteilt, wobei Bennetts Büro (Bennett, Hannah, and Sanford) die wichtigsten Kunden mitnehmen konnte. Mitte der 1920er Jahre stand Bennett finanziell gut da, 1924 betrug sein Einkommen 76.897 Dollar, wobei nur 25 Prozent aus seiner Arbeit als Anwalt resultierten. Er verdiente hauptsächlich über Dividenden aus Firmenbeteiligungen, wie an der Alberta Pacific Grain Company, deren Präsident er vorübergehend war, Canada Cement und der E. B. Eddy Company. Er war außerdem ein Direktor der Metropolitan Life Insurance Company in New York und im Aufsichtsrat der Royal Bank of Canada. 1930 lag sein Einkommen bei 262.176 Dollar, mit weiter steigendem Dividendenanteil.

Minister und Parteivorsitzender

1920 trat Premierminister Borden zurück und bestimmte Arthur Meighen als seinen Nachfolger. Für den 6. Dezember 1921 setzte Meighen Neuwahlen an und bat Bennett, als sein Justizminister anzutreten. Da sich Kanada nach dem Krieg in einer schweren sozialen und politischen Krise befand, nahm Bennett an, um das Wiederherstellen von Ordnung und Gesetz zu unterstützen. Er wurde am 21. September 1921 vereidigt. Seine Amtszeit dauerte allerdings nur wenige Monate, da die Konservativen bei der Unterhauswahl 1921 unterlagen. Die Konservative Partei errang in der Provinz Alberta keinen Unterhaussitz, Bennett selbst verlor in seinem Wahlkreis Calgary West knapp mit einer Differenz von 16 Stimmen. Bei der Unterhauswahl 1925 trat er erneut an und gewann dieses Mal mit einer komfortablen Mehrheit in Calgary West. Bei dieser Wahl erreichten die Konservativen die Mehrheit, Der Liberale William Lyon Mackenzie King regierte jedoch mit einer Minderheitsregierung weiter, so dass Bennett zunächst nicht den ihm von Meighen erneut in Aussicht gestellten Ministerposten antreten konnte. Durch die King-Byng-Affäre wurde er vom 13. Juli bis 24. September 1926 doch noch als Finanzminister sowie kommissarischer Innenminister und Minister für Bergbau eingesetzt. Diese Regierung der Konservativen endete jedoch nach einem Misstrauensvotum, Auflösung des Parlaments und Neuwahl. Premierminister Meighten, der dabei in seinem Wahlkreis abgewählt wurde, führte bis zum 25. September 1926 die Regierungsgeschäfte weiter. Danach gab er sein Amt an King ab und trat als Parteivorsitzender zurück.

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