Das Rheinland (ripuarisch Rhingland; lateinisch Rhenania; abgekürzt Rhld. bzw. Rheinl.) ist eine administrativ und staatlich nicht exakt abgrenzbare Kulturlandschaft am deutschen Mittel- und Niederrhein. Geographisch gehören dazu auch einige weiter vom Rhein entfernt gelegene Gebiete der Kölner Bucht und des Rheinischen Schiefergebirges.
Der Begriff Rheinland für die seit dem Frühmittelalter fränkisch besiedelten Gebiete zwischen Ober- und Niederrhein kam erst um 1800 auf, nachdem Frankreich die linksrheinischen Teile der Kurpfalz annektiert hatte. Er bezeichnete im Wesentlichen die am Rhein liegenden Territorien der geistlichen Kurfürstentümer Köln, Mainz und Trier, einiger weltlicher Herrschaften sowie der Reichsstädte Aachen und Köln. Die Gebiete, deren Bewohner sich heute als Rheinländer betrachten, liegen im Wesentlichen im Westen Nordrhein-Westfalens (landesinterner Landschaftsverband Rheinland) und im Norden von Rheinland-Pfalz sowie im Rheingau im Südwesten Hessens.
Mit der Neuordnung Europas 1815 wurden die linksrheinischen Gebiete des neu gegründeten Deutschen Bundes unter Preußen, dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Bayern aufgeteilt. Bayern nannte die ihm zugefallenen, ehemaligen Besitzungen der Wittelsbacher Rheinkreis, Pfalz oder Rheinpfalz, während Hessen-Darmstadt seine neue Provinz als Rheinhessen bezeichnete. Preußen wiederum fasste die Provinzen Großherzogtum Niederrhein und Jülich-Kleve-Berg 1822 zur Rheinprovinz zusammen. Deren heute zu den Ländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gehörigen Gebiete, der südwestliche, an den Rhein grenzende Teil der ebenfalls preußischen Provinz Hessen-Nassau, die zum Großherzogtum Oldenburg gehörige Exklave Birkenfeld im Hunsrück und Teile Rheinhessens sind im heutigen Sprachgebrauch in der Regel gemeint, wenn vom Rheinland die Rede ist.
Vom Rheinland als einer umfassenden Bezeichnung für die Gebiete am Mittel- und Niederrhein mit einer einheitlichen politischen und gesellschaftlichen Struktur kann erst ab dem Frieden von Campo Formio mit der 1797 erfolgten Integration des linken Rheinufers in das revolutionäre Frankreich gesprochen werden. Die vorübergehend unter dem Namen Cisrhenanische Republik geplante Vereinigung aller von den Franzosen besetzten linksrheinischen Gebiete zwischen der Kurpfalz und dem Herzogtum Kleve kam nicht zustande. Stattdessen wurde das gesamte Gebiet von Frankreich annektiert und vier neuen Départements zugeordnet: Roer, Rhein-Mosel, Saar und Donnersberg.
Zuvor gehörten die Gebiete innerhalb des Heiligen Römischen Reichs zu einer Vielzahl unterschiedlicher Territorien, darunter die drei geistliche Kurfürstentümer Köln, Mainz und Trier, in denen die Erzbischöfe zugleich die weltliche Macht als Kurfürsten innehatten. Daneben gab es noch diverse Herzogtümer, Grafschaften, reichsritterliche Gebiete und Abteien sowie die beiden alten Reichsstädte Aachen und Köln. Die Bewohner all dieser Landesherrschaften betrachteten sich vor 1797 nicht als Rheinländer und wurden auch nicht so benannt, sondern als Berger, Gelderner, Jülicher, Klever, Kurkölner, Kurtrierer oder Kurmainzer etc. Alle diese Territorien hatten ihre eigene Obrigkeit mit den unterschiedlichsten Gesetzen und Vorschriften und einer rechtlich bevorzugten Oberschicht, den Angehörigen des Adels. Selbst der geographische Begriff „Rheinland“ war bis Ende des 18. Jahrhunderts nicht gebräuchlich. Daher konnten die Bewohner der genannten Gebiete auch keine „Rheinländer“ sein.
Auf dem Wiener Kongress wurden die auf dem linken Rheinufer gelegenen, deutschen Gebiete 1815 dem Königreich Preußen, dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt und dem Königreich Bayern zugeschlagen. Bayern nannte sein linksrheinisches Gebiet, das weitgehend der ehemaligen Kurpfalz mit den Gebieten der pfälzischen Nebenlinien der Wittelsbacher entsprach, Rheinkreis (später Pfalz oder Rheinpfalz), während das Großherzogtum Hessen seine linksrheinische Provinz als Rheinhessen bezeichnete. Die preußischen Gebiete umfassten den größten Teil des vormals französisch annektierten linken Rheinufers, das rechtsrheinisch im Wesentlichen um das Gebiet des von Napoleon Bonaparte hinterlassenen Großherzogtums Berg ergänzt wurde. Die von Frankreich eingeführte moderne Rechts- und Kommunalordnung wurde in diesen Gebieten weitgehend übernommen. Der napoleonische Code civil als bürgerliche Rechtsordnung blieb bis zum Inkrafttreten des BGB am 1. Januar 1900 in allen linksrheinischen Territorien weiterhin erhalten und trug wesentlich zur Bildung einer rheinischen, sich vom übrigen Preußen abhebenden Identität bei.
Die Preußen zugeschlagenen Gebiete wurden zunächst in den zwei Provinzen zusammengefasst, dem Großherzogtum Niederrhein und der Provinz Jülich-Kleve-Berg, und ab 1822 zur Rheinprovinz vereinigt. Anders als der Name heute vermuten lässt, gehörten zum Großherzogtum Niederrhein, auch die Gebiete des Mittelrheins nördlich der Nahe. Die Provinz bestand aus den Regierungsbezirken Aachen, Düsseldorf, Köln, Koblenz und Trier. Speziell für diese Provinz bürgerte sich der Name Rheinland ein, auch in seiner latinisierten Form Rhenania. Da vor dem 19. Jahrhundert bis zur Vereinigung zur Rheinprovinz nur die nördlichen Gebiete bis etwa in Höhe der Ruhrmündung zu Preußen gehört hatten, und die neuen Erwerbungen zudem überwiegend katholisch waren, bestanden gegen die Integration in die neue Herrschaft unter den protestantischen Preußen auch Widerstände. Es bildeten sich separatistische Gegenbewegungen, die man auch durch den historisierenden Begriff Rheinlande mit der Bildung von Forschungseinrichtungen zur regionalhistorischen gemeinsamen Geschichte des Rheinlands unterlaufen wollte. Diese separatistischen Tendenzen, die noch 1923 zum Versuch der Bildung einer Rheinischen Republik führten, konnten sich am Ende nicht durchsetzten.
Nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr der Begriff Rheinland zeitweilig eine neue Bedeutungsebene durch die Alliierte Rheinlandbesetzung 1918/19. Wenn vom besetzten Rheinland gesprochen wurde, so meinte man nicht nur das gesamte linksrheinische Deutschland, sondern auch die rechtsrheinisch besetzten „Brückenköpfe“ (30-km-Zone) um Köln, Koblenz und Mainz.
Das Rheinland in diesem Sinne verteilt sich in der deutschen Nachkriegsordnung als Folge der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten eingerichteten Besatzungszonen auf Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Seitdem kann man grob den nordrhein-westfälischen Niederrhein und den rheinland-pfälzischen Mittelrhein unterscheiden, denn der Niederrhein beginnt an der Mündung der Sieg nahe Bonn. Bei den Dialektgrenzen ist die Benrather Linie am wichtigsten: Während Düsseldorfer Platt zur limburgischen, mithin niederfränkischen Sprache gehört, ist die Mundart Kölsch eine ripuarische, also mittelfränkische Variante.
Im engeren Sinne sind mit Rheinland heute oft nur noch die nordrhein-westfälischen und rheinland-pfälzischen Teile der ehemaligen Rheinprovinz gemeint und in Nordrhein-Westfalen noch weiter eingrenzend der Landschaftsverband Rheinland. Für die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich über alle geschichtlichen Umwälzungen hinweg nichts an der ursprünglichen Ausdehnung der Kirchenprovinz geändert, die mit dem Gebietsstand der preußischen Rheinprovinz deckungsgleich ist.
Die Integration der preußischen Rheinprovinz in den Staat Preußen gestaltete sich schwierig. Um sich von Preußen abzugrenzen, verstärkte sich in der linksrheinischen Kernregion der Rheinprovinz der Wunsch, die historischen Wurzeln als Basis für die gemeinsame Entwicklung zu untersuchen. Forschungseinrichtungen und regionalhistorische Vereinigungen wurden gegründet, die den historisierenden Begriff Rheinlande für ihre gemeinschaftliche Tradition verwendeten. Beispiele hierfür sind die Gründungen des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen 1829 in Düsseldorf, des Naturhistorischen Vereins der Rheinlande und Westfalens 1833 in Koblenz und der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 1881 in Köln. Der Kunstverein in Düsseldorf gehört mit über 3000 Mitgliedern zu den größten derartigen Vereinen in Deutschland.