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Rhapsody in Blue

Komposition von George Gershwin

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Rhapsody in Blue ist die bekannteste Komposition des US-amerikanischen Broadway-Komponisten George Gershwin. Das Stück wurde erstmals am 12. Februar 1924 in der Aeolian Hall in New York aufgeführt. Angekündigt wurde das Konzert unter dem Titel An Experiment in Modern Music. Bei der Uraufführung saß Gershwin selbst am Klavier.

Die Rhapsody in Blue verbindet erfolgreich Jazz, Blues und konzertante Sinfonik. Die Melodien des Werkes sind mittlerweile weltberühmt. „Rhapsodie“ bedeutet ursprünglich „vorgetragenes Gedicht“ und bezeichnet heute ein Musikstück ohne kategorische Zuordnung. Wegen ihrer Mischung der Musikstile ist die „Rhapsodie in Blau“ daher treffend bezeichnet.

Der Bandleader Paul Whiteman hatte schon am 1. November 1923, rund vier Monate vor der Uraufführung, ein Konzert in der Aeolian Hall veranstaltet, das Jazz und Klassik einander gegenüberstellte. Es war ein passabler Erfolg, so dass Whiteman beschloss, ein noch ambitionierteres Projekt in Angriff zu nehmen. Dieses sollte am 12. Februar 1924 stattfinden. Whiteman forderte Gershwin auf, dafür ein Jazzstück für Orchester zu schreiben. Dieser lehnte zuerst ab mit Hinweis auf Terminprobleme und vermutlich, weil er im Komponieren für klassisches Orchester wenig Erfahrung besaß. Erst als Whiteman Gershwin auf eigene Faust auf die Programmliste setzte, komponierte er das Stück schließlich doch.

Whiteman und Gershwin hatten bereits bei der höchst erfolgreichen Broadway-Revue George White’s Scandals zusammengearbeitet, die auf Motiven von Gershwins – zumindest in kommerzieller Hinsicht erfolgloser – Jazz-Oper Blue Monday basierte. Gershwin lehnte den Vorschlag ab, da er wenige Tage später, am 7. Januar, eine Probevorstellung seines neuen Musicals Sweet Little Devil geben und eventuellen Änderungswünschen vor der Premiere am 21. Januar nachkommen musste.

Am Abend des 3. Januar 1924 spielte Gershwin mit seinem Freund und Kollegen Buddy DeSylva in der Nähe des Broadway Billard, während sein Bruder Ira Gershwin die Ausgabe des nächsten Tages des New York Tribune las. In einem Artikel mit der Überschrift “What Is American Music?” (‚Was macht amerikanische Musik aus?‘) über das Konzert von Whiteman wurde angekündigt, dass George Gershwin an einer Jazzkomposition für diese Vorstellung arbeite.

Bei einem Telefonat mit Gershwin am nächsten Morgen erklärte Whiteman, dass sein Rivale Vincent Lopez ihm die Idee seines experimentellen Konzertes stehlen wolle und deshalb keine Zeit mit Diskussionen zu verlieren sei. Gershwin ließ sich schließlich zur Komposition überreden. Da nur noch fünf Wochen Zeit bis zur Aufführung waren, begann er umgehend damit und arbeitete einige Wochen unter Hochdruck daran, bevor er sie Whitemans Arrangeur Ferde Grofé übergab.

Das erste Manuskript für zwei Klaviere ist auf den 7. Januar 1924 datiert. Es enthält Bemerkungen zur Instrumentation, bei denen nicht die Instrumente, sondern die Namen der Solisten eingetragen sind. Grofé instrumentierte das Werk anscheinend mit Rücksicht auf die individuelle Stilistik, Stärken und Techniken der einzelnen Orchestermitglieder. Am 4. Februar 1924, acht Tage vor der Premiere, beendete er die Orchestrierung.

Der Arbeitstitel des Stückes war American Rhapsody. Ira Gershwin schlug den Namen Rhapsody in Blue vor, nachdem er eine Ausstellung von James McNeill Whistler besucht hatte, der seinen Kunstwerken oft Namen wie Symphony in White oder Arrangement in Grey and Black gab.

Den berühmten Beginn der Rhapsodie hatte Gershwin ursprünglich übrigens als Triller mit einem rasch aufsteigenden, aus 17 Noten bestehenden Tonleiterlauf komponiert. Whitemans Klarinettist Ross Gorman spielte die letzte Hälfte der Skala während einer Probe als Glissando. Als Gershwin das hörte, entschloss er sich, diese Variante für die Partitur zu übernehmen. Den entsprechenden Klarinettenpart trug bei der Premiere allerdings nicht Gorman, sondern Chester Hazlett vor.

Der breite, melodisch betonte Mittelteil (ab Takt 303 ) wurde auf Anregung von Ira Gershwin, der aus Georges Skizzenbuch ein geeignetes Thema auswählte, in die Komposition aufgenommen.

Die Aufführung selbst gestaltete Paul Whiteman und sein Palais Royal Orchestra. Das Konzert sollte im Rahmen eines Musikabends unter dem Titel An Experiment in Modern Music („Ein Experiment in moderner Musik“) geboten werden. Namhafte Musiker, darunter Strawinski, Rachmaninow, Leopold Stokowski, Jascha Heifetz und Fritz Kreisler, Musikkritiker und Intellektuelle waren erschienen, um es sich anzuhören. Es wurden 26 verschiedene Stücke aufgeführt, darunter Edward Elgars Pomp and Circumstance March No. 1 und heute kaum noch bekannte Kompositionen wie True form of Jazz und Contrast: legitimate scoring vs. jazzing.

Rhapsody in Blue war das vorletzte Stück. Bis dahin war das Publikum schon äußerst unruhig, da sich viele Werke ähnlich angehört hatten und obendrein das Lüftungssystem der Aeolian Hall ausgefallen war. Heute gilt der Abend aufgrund der Premiere der hier besprochenen Komposition als legendär. Gershwin spielte den Klavierpart selbst. Da er keine ausnotierte Klavierpartitur besaß und Grofé ihm wegen des Zeitdrucks nur eine Bandpartitur mit den hingekritzelten Worten Wait for nods („Warte, bis dir einer zunickt“) aushändigen konnte, ist die Version der Uraufführung heute nicht mehr zu rekonstruieren.

Pressestimmen zur Uraufführung

Rhapsody in Blue bekam sehr gegensätzliche Kritiken. Olin Downes rezensierte das Stück für die New York Times:

Einige Kritiker warfen Gershwin eine fehlende Form vor: Er habe nur einzelne Melodien aneinander gereiht. Lawrence Gilman schrieb ebenfalls am 13. Februar 1924 in der New York Tribune:

Grofé arbeitete nach der Premiere in den Jahren 1926 und 1942 zwei weitere Partituren von Rhapsody in Blue aus, beide für ein jeweils vergrößertes Orchester. Die jüngere Version wird im heutigen Repertoire mit Abstand am häufigsten gespielt.

Die Premiere war mit Flöte, Oboe, Klarinetten, Heckelphon, mehreren Saxophonen, zwei Hörnern, zwei Trompeten, zwei Flügelhörnern, Euphonium, zwei Posaunen, Bassposaune, Tuba, zwei Klavieren, Celesta, Banjo, Schlagzeug, Pauke, mehreren Violinen, Kontrabass und Akkordeon besetzt. Paul Whitemans damals aus dreiundzwanzig Musikern bestehende Band wurde zusätzlich um neun Personen verstärkt. Dennoch übernahmen mehrere Musiker der Band zwei oder mehr Instrumente. Manche spielten in dem Stück vier Instrumente.

Die Partitur von 1942 ist für Soloklavier, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, Bassklarinette, zwei Fagotte, drei Hörner, drei Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Timpani, Percussion (Cymbal, Snare Bassdrum, Triangel, Gong und Glocken), Klavier, zwei Altsaxophone, Tenorsaxophon, Banjo und eine Streichergruppe (Violinen, Bratschen, Cello und Kontrabass) gesetzt. In der heutigen Aufführungspraxis wird die 2. Altsaxophonstimme „3rd Saxophone (E flat Alto)“ jedoch in der Regel mit einem Baritonsaxophon besetzt. Dies liegt unter anderem daran, dass die beiden Altsaxophonstimmen bei den meisten Passagen des Stückes unisono geschrieben sind (siehe auch Notenbeispiel weiter unten). Durch den Einsatz eines Baritonsaxophons wird hier eine Doppelung vermieden.

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