Reza Schah Pahlavi (traditionell deutsch Resa Pahlewi; persisch رضا شاه پهلوی, DMG Reżā Šāh-e Pahlawī [rezɔːˈʃɔːh-e pæɦlæˈviː]), bis 5. Dezember 1925 Reza Chan, auch Reza Khan (persisch رضا خان [reˈzɔː xɔːn]), (* 15. März 1878 in Alascht/Savadkuh, Mazandaran; † 26. Juli 1944 in Johannesburg, Südafrikanische Union) war ein iranischer Offizier, Politiker und schließlich als Schah der Begründer der Pahlavi-Dynastie. Seine militärische Laufbahn begann er als einfacher Soldat in der Persischen Kosakenbrigade und stieg bis zu deren Oberkommandierendem (Sardar Sepah) auf. Seine politische Laufbahn begann er als Kriegsminister im Kabinett von Seyyed Zia al-Din Tabatabai. Später wurde er unter Ahmad Schah Kadschar Premierminister und nach dessen Absetzung durch das Parlament selbst Schah von Persien, das er von 1925 bis 1941 regierte.
Reza Chan Savadkuhi (Reza Chan von Savadkuh) stammte aus einer einfachen Militärfamilie. Er wurde 1878 in Alascht im Bezirk Savadkuh der Provinz Mazandaran als Sohn des Majors Abbas Ali Chan und seiner zweiten Ehefrau Noushafarin (oder Noush-Afarin) geboren. Sein Großvater Morad Ali Chan war ebenfalls Offizier in der persischen Armee gewesen und bei der Belagerung der Stadt Herat (heute Afghanistan) im Jahr 1848 gefallen. Savadkuh war ein unbedeutender Bezirk hoch im nördlichen Gebirge Irans, der zur Jahrhundertwende etwa 1000 Einwohner zählte. Abbas Ali starb ungefähr drei bis sechs Monate nach der Geburt seines Sohnes. Seine Mutter Noushafarin, deren Vater im Russisch-Persischen Krieg (1826–1828) als muslimischer Migrant aus georgischen Gebieten des russischen Kaiserreichs in den Iran geflohen war, zog zu ihrem Bruder nach Teheran und heiratete im folgenden Jahr erneut. Sie beließ das Kind im Haus ihres Bruders, Abolqasem Beig, eines Stabsfeldwebels der persischen Kosakenbrigade. Dieser brachte den Jungen 1882 bei einem befreundeten Offizier der Brigade unter, Amir Tuman Kazim Khan, bei dem Reza ein eigenes Zimmer bewohnen und gemeinsam mit dessen Kindern durch einen Hauslehrer unterrichtet werden konnte. Die Mutter starb wenige Jahre später.
Sein Onkel schrieb Reza 1891 bei der persischen Kosakenbrigade ein. Da er erst 14 Jahre alt war, arbeitete er zunächst als Aushilfe in der Kantine oder als Ordonnanz für jüngere Offiziere. Mit 15 wurde er als einfacher Soldat einer Artillerieeinheit zugewiesen. Nach der Grundausbildung diente er als Wache bei der deutschen, der niederländischen und der belgischen Botschaft. 1903 kam er zu einer Artillerieeinheit, die von seinem Onkel Kazem Aqa befehligt wurde. 1911, während der konstitutionellen Revolution, diente er unter dem Oberkommando von Abdol Hossein Mirza Farmanfarma. Er kämpfte in einer militärischen Einheit gegen Salar al Doleh, den Bruder von Mohammed Ali Schah, der die 1906 geschaffene konstitutionelle Monarchie unter Ahmad Schah und deren Regierung stürzen wollte. Offensichtlich bewährte sich Reza Chan in diesen Kämpfen, denn er wurde zum Oberleutnant befördert.
Im Ersten Weltkrieg wurde Iran von russischen, britischen und osmanischen Truppen besetzt. Reza Chan bekleidete inzwischen den Rang eines Obersten. 1918 beteiligte er sich an einer Revolte gegen den von Alexander Fjodorowitsch Kerenski eingesetzten Kommandeur der persischen Kosakenbrigade, Oberst Clerge. Clerge wurde beschuldigt, die Bolschewiken zu unterstützen, und daraufhin vom stellvertretenden Kommandeur Starosselsky mit Hilfe von Reza Chan, dem ranghöchsten iranischen Offizier der in Hamadan stationierten Abteilung der persischen Kosakenbrigade, abgesetzt. Zum Dank für seine Unterstützung beförderte Starosselsky Reza Chan Mitte 1918 zum Brigadegeneral (Sartip).
Nach der Oktoberrevolution wurde die Lage für die russischen Offiziere in der persischen Kosakenbrigade problematisch. Die politische Unterstützung aus Russland war nach der Abdankung des Zaren entfallen. Alle Offiziere hatten nur Privatverträge mit der iranischen Regierung, die jederzeit gekündigt werden konnten. Hinzu kam, dass in Nordpersien Mirza Kutschek Chan eng mit den russischen Revolutionären zusammenarbeitete und in Gilan und Mazandaran inzwischen ein Bürgerkrieg zwischen separatistischen Bewegungen und der Zentralregierung ausgebrochen war. Die Briten, die in Russland die Weiße Armee unterstützten und an einer stabilen Lage in Iran interessiert waren, verhandelten unter anderem auch mit Reza Chan darüber, die verbliebenen russischen Offiziere der persischen Kosakenbrigade abzulösen und vollständig gegen britische Offiziere auszuwechseln. Reza Chan lehnte dies ab und ließ in dem von ihm geführten Truppenteil bis Ende 1920 alle russischen Offiziere durch iranische ersetzen.
Am 21. Februar 1921 marschierte Reza Chan als Kommandeur der in Qazvin stationierten Einheit der Kosakenbrigade nach Teheran. Mit diesem unblutigen Putsch vom 21. Februar 1921 wurde der Rücktritt des Premierministers Sepahdar erzwungen. Reza Chan wurde zunächst Oberkommandierender der Kosakenbrigade (Sardar Sepah) und am 25. April 1921 Kriegsminister im Kabinett des neuen Premierministers Seyyed Zia al-Din Tabatabai. Auf Druck von Ahmad Schah wurde dieser am 25. Mai 1921 durch Ahmad Qavam als Premierminister ersetzt. Reza Chan, der Verteidigungsminister blieb, leitete eine umfangreiche Armeereform ein, an deren Ende nicht mehr wie bislang drei voneinander unabhängige militärische Verbände, sondern eine neue, einheitliche persische Armee stehen sollte. Deren Kern bildete er zunächst, indem er die Persische Gendarmerie und die persische Kosakenbrigade zusammenlegte. Mit Einheiten der Kosakenbrigade ging er gegen Mirza Kutschek Chan und die Dschangalis vor, der im Norden Persiens eine unabhängige Sozialistische Sowjetrepublik Iran ausgerufen hatte. Reza Chan schlug die Dschangali-Bewegung – begünstigt durch interne Streitigkeiten – im Dezember 1921 brutal nieder.
Die von Reza Chan eingeleitete Armeereform hatte ihren Preis. Die Stärke der Truppe war auf 34.000 Mann angewachsen. Ausbildung und Neubewaffnung verschlangen erhebliche Summen, die aus den Konzessionsabgaben der Anglo-Persian Oil Company (APOC) finanziert wurden. Im Dezember 1921 war die Integration der Gendarmerie und der Kosakenbrigade formell abgeschlossen. Die weitere Reform sollte von einer parlamentarischen Kommission bestimmt werden. Reza Chan gab am 5. Januar 1922 die neue, von der parlamentarischen Kommission beschlossene Struktur der Armee bekannt. Die Armee sollte fünf Divisionen umfassen, stationiert in Teheran, Tabriz, Hamadan, Isfahan und Mashad. Jede Division sollte 10.000 Mann und neben fünf Infanterieeinheiten aus je einer Kavallerie-, Artillerie- und Versorgungseinheit bestehen.
Am 24. Januar 1922 berief Ahmad Schah Premierminister Qavam wegen schwerwiegender Korruptionsvorwürfe ab und ernannte Hassan Pirnia zu seinem Nachfolger. Auch in dessen Kabinett blieb Reza Chan Verteidigungsminister. Zum Justizminister wurde Abdolhossein Teymurtash berufen, der später unter Reza Schah eine bedeutsame Rolle bei den anstehenden politischen und wirtschaftlichen Reformen spielen sollte. Die wichtigste Aufgabe, die sich Pirnia vorgenommen hatte, war eine umfassende Justizreform. Pirnia war es auch, der nach Morgan Shuster wieder einen US-amerikanischen Finanzberater anwarb und Arthur Millspaugh ins Land holte. Zudem wollte er der amerikanischen Standard Oil eine Ölförderlizenz im Norden Irans bewilligen, um den britischen Einfluss auf die Politik Irans zu mindern. Der Protest der Briten, die die APOC gerne an der Ölförderung im Norden beteiligt gesehen hätten, blieb nicht aus.
1922 ging Reza Chan gegen weitere separatistische Bewegungen vor und besiegte in Aserbaidschan Esmail Simko, der im Westen Irans einen eigenständigen kurdischen Staat gründen wollte. Reza Chan forderte weitere Mittel, um auch gegen die Separatisten im Süden und Osten des Landes vorgehen zu können. Als ihm diese verweigert wurden, reichte er am 7. Oktober 1922 seinen Rücktritt als Verteidigungsminister ein. Da Ahmad Schah in Paris weilte, wandte er sich an den Kronprinzen Hassan Mirza, der sein Rücktrittsgesuch allerdings ablehnte. Pirnia trat nach dieser Kabinettskrise zurück und Ahmad Qavam wurde erneut Premierminister. Im Dezember 1922 kehrte Ahmad Schah nach elfmonatigem Aufenthalt in Europa nach Iran zurück. Reza Chan empfing ihn in Buschehr mit einer militärischen Abordnung und organisierte in Teheran eine Truppenparade, um den Schah über den Stand der Armeereform zu informieren. Ahmad Schah war sichtlich beeindruckt.