Reginald Newnham Waite CB CBE (* 30. Juni 1901 in Duffield, Derbyshire/England; † 7. Mai 1975 in Southampton, Hampshire/England) war ein britischer Offizier und Air Commodore der Royal Air Force. Von 1947 bis 1949 war er Chef der britischen Luftwaffenverbände in Berlin. Er gilt als einer der Väter der beiden Berliner Luftbrücken, deren Durchführung er logistisch vorbereitete.
Mit 19 Jahren trat Waite 1920 als Kadett der Militärakademie der Royal Air Force (RAF) in Lincolnshire bei. Nach Abschluss seiner Grundausbildung (1921) absolvierte er im Anschluss die Ausbildung als Kampfpilot.
Im späteren Verlauf war er ab 1928 als Kommandoführer und inzwischen im Range eines Flight Lieutenant stehend, im 14. sowie im 47. Geschwader der britischen Luftwaffe eingesetzt.
Ab Januar 1931 qualifizierte sich Waite am RAF-Stützpunkt in Calshot zusätzlich als Pilot militärischer Flugboote. Im Anschluss wechselte er am 4. Juli 1931 als Kommandoführer zum 201. Geschwader, ehe er am 23. März 1933 in den Stab der Militärbasis Calshot berufen wurde.
Nach einer einjährigen Ausbildung am RAF Staff College wurde Waite im Dezember 1934 an das Hauptquartier der Luftwaffe versetzt. Ab Januar 1936 versah er wieder Stabsdienst und wurde schließlich am 3. April 1937 erstmals als Kommandierender Offizier in einem Geschwader (224 Squadron) eingesetzt.
Nach einer Verwendung im Luftwaffen-Hauptquartier ab Januar 1938, übernahm Waite 1939, nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, den Stützpunkt St. Eval der Royal Air Force in Cornwall. Im Anschluss wurde Waite, der am 1. Januar 1939 inzwischen zum Wing Commander und am 1. Juni 1941 zum Group Captain befördert wurde, auf mehrere Verwaltungsposten versetzt, ehe er 1942 erneut das Kommando in St. Eval übernahm.
Kurze Zeit später wechselte er als Kommandierender Offizier zum RAF-Stützpunkt nach Nassau auf die Bahamas und ab 1944 in den Stab des Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte von Nordwest- und Mitteleuropa (SHAEF).
Am 16. Juni 1945, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde Reginald Waite nach Berlin versetzt, wo er die Stelle des Oberbefehlshabers der kombinierten Streitkräfte der Control Commission Germany übernahm. Mit dieser Aufgabe oblag ihm auch die Verantwortung und logistische Umsetzung der Entwaffnung der bisherigen Luftwaffe der Wehrmacht.
1947 wurde er schließlich zum Chef der Verbände der Royal Air Force im durch die USA, die UdSSR, Großbritannien und Frankreich besetzten Berlin ernannt, womit er seinen Sitz am Militärflughafen Gatow einnahm.
Kleine Berliner Luftbrücke (April 1948)
Am 3. April 1948 riegelte die Sowjetunion die Transit- und Versorgungslandwege der USA und Großbritanniens von und nach West-Berlin ab. Aus dieser Situation heraus, erarbeitete Waite für die West-Alliierten erstmals logistische Pläne, wonach die Versorgung der Militärangehörigen aus der Luft gewährleistet wurde.
Hierbei machte sich Waite die am 30. November 1945 den westlichen Stadtkommandanten zugesicherten drei Luftkorridore zu eigen, die jeweils eine 32-Kilometer-Breite zwischen den in West-Deutschland befindlichen Besatzungszonen und West-Berlin aufwiesen.
Am 31. Dezember 1945 wurde zudem bereits schriftlich zugesichert, dass die West-Alliierten den Hamburg Air Corridor (Nordwesten) in Richtung Hamburg, den Bueckeburg Air Corridor (Westen) in Richtung Hannover sowie den Frankfurt Air Corridor (Südwesten) in Richtung Frankfurt am Main unbegrenzt und zu jeder Tages- und Nachtzeit für militärische und auch zivile Luftfahrzeuge nutzen durften.
Die durch Waite im Rahmen der Operation Knicker ausgearbeiteten Pläne stellten sich als ein logistisches Meisterwerk dar. Die Versorgung der amerikanischen und britischen Truppenteile über die westlichen Luftkorridore stand innerhalb kürzester Zeit und verlief nahezu reibungslos, woraufhin die Sowjetunion ihre Blockade nach nur zwei Tagen wieder einstellte.
Große Berliner Luftbrücke (1948–1949)
Auch nach dem Ende der ersten Luftbrücke führte Waite seine logistische Ausarbeitung weiter fort, da er fest davon überzeugt war, dass sich die Spannungen zwischen der Sowjetunion und den West-Alliierten wiederholen würden. In seine weiteren Überlegungen plante er nunmehr auch die Luftversorgung der gesamten Bevölkerung West-Berlins mit ein, was zunächst ein theoretischer Plan blieb und lediglich für kurze Zeit umsetzbar schien.
Gegen den Protest der Sowjetunion wurde im Juni 1948 die Währungsreform in den Westsektoren umgesetzt, woraufhin die Sowjets sämtliche Verkehrswege von und nach West-Berlin blockierten. Sie gestaltete sich somit umfassender und gravierender als die erste Sperrung im April, da nunmehr die gesamte West-Berliner Bevölkerung, die etwa 2,2 Millionen Menschen zählte, von sämtlicher Versorgung abgeschottet wurden.
Angetan von den Plänen Waites, beauftragte ihn der US-amerikanische Militärgouverneur Lucius D. Clay mit der Durchführung einer Machbarkeitsstudie hinsichtlich einer Versorgung der west-alliierten Truppenteile und der gesamten Bevölkerung West-Berlins über die Luftkorridore. Prominente Politiker, allen voran US-Präsident Harry S. Truman und der Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter, begrüßten die neue Berliner Luftbrücke zwar, zweifelten jedoch daran, dass eine langfristig ausgerichtete Versorgung von mehr als 2 Millionen Menschen aus der Luft, tatsächlich möglich wäre.