Die RMS Republic (II) war ein 1903 in Dienst gestelltes und als Royal Mail Ship eingestuftes Passagierschiff der britischen Reederei White Star Line.
Am frühen Morgen des 23. Januar 1909 kollidierte die Republic südlich der Insel Nantucket in dichtem Nebel mit dem italienischen Passagierschiff Florida. Während sich die Florida über Wasser halten konnte, sank die Republic am Abend des folgenden Tages. Bis auf die insgesamt sechs direkt bei der Kollision getöteten Personen konnten über 1.500 Menschen von beiden Schiffen in Sicherheit gebracht werden. Bis heute zählt dieser Personentransfer zu den größten Rettungsaktionen, die je auf offener See stattgefunden haben.
Dennoch sorgte der Untergang der Republic für heftige Reaktionen, da sie das bis dahin größte verunglückte britische Dampfschiff war. Im Zusammenhang mit dem Unfall wurde zum ersten Mal bei einem Schiffsunglück mittels der neuen Kommunikationstechnologie des Seefunks per Funken-Telegraphie ein „FT-Notruf“ abgesetzt und damit Hilfe angefordert.
Der Untergang der Andrea Doria 1956 zeigte Parallelen bezüglich Ort und Umständen der Kollision.
Das 15.358 BRT große Dampfschiff wurde auf der Belfaster Schiffswerft Harland & Wolff für die britische Dampfschifffahrtsgesellschaft Dominion Line gebaut, die dem amerikanischen Konzern International Mercantile Marine Company (IMMC) angehörte. Vor dem Stapellauf am 26. Februar 1903 wurde das Schiff auf den Namen Columbus getauft. Nach ihrer Fertigstellung am 12. September 1903 lief die Columbus am 1. Oktober 1903 auf der Route Liverpool–Boston–Queenstown zu ihrer Jungfernfahrt aus.
Die Holztäfelung des mit einer gläsernen Kuppel gekrönten Speisesaals der Ersten Klasse, der 200 Personen aufnehmen konnte, war mit Ornamenten geschmückt. Daneben gab es einen Rauchsalon, eine Bibliothek und eine an das Promenadendeck angrenzende Lounge. In den Kabinen und Aufenthaltsräumen wurden sehr teure Materialien verwendet.
Nach nur zwei Fahrten für die Dominion Line kaufte die ebenfalls der IMMC gehörenden britische Reederei White Star Line die Columbus. Nach der Umbenennung in Republic setzte White Star das Schiff zunächst für die Strecke Liverpool–Boston ein, auf der es am 17. Dezember 1903 seine erste Fahrt absolvierte. Ab Januar 1904 wurde die Republic auch im Mittelmeerdienst eingesetzt, wobei Neapel und Genua die Zielhäfen waren. Sie fuhr oft wohlhabende US-Amerikaner nach Europa, die im mediterranen Klima Urlaub machen wollten, während auf den Westpassagen in die USA zum großen Teil süd- und osteuropäische Auswanderer an Bord waren.
Von Oktober 1904 bis zu ihrem Untergang bediente sie abwechselnd zwei Routen: Im Frühling und Sommer dampfte sie von Liverpool nach Boston und im Herbst und Winter fuhr sie von New York ins Mittelmeer. Knapp zwei Jahre vor ihrem Untergang war die Republic bereits in eine Kollision mit einem anderen Schiff verwickelt, als sie am 16. Februar 1907 im Hafen von Neapel mit dem italienischen Dampfer Centro America zusammenstieß. Niemand wurde verletzt, aber beide Schiffe wurden beschädigt.
Die Republic legte am Freitag, dem 22. Januar 1909 um 15:00 Uhr in New York City von Pier 48 der White Star Line zu einer regulären Atlantiküberquerung nach Neapel via Madeira ab. Ihre letzte Fahrt ostwärts hatte sie am 13. Januar beendet. An Bord befanden sich 742 Personen: 250 Passagiere der Ersten Klasse, 211 Passagiere der Dritten Klasse und 281 Besatzungsmitglieder. Die Zweite Klasse war auf dieser Fahrt nicht belegt. Das Schiff befand sich unter dem Kommando des 46-jährigen Kapitäns William Inman Sealby, der seit 13 Jahren Schiffsführer war. Der Zahlmeister war der 37-jährige Reginald L. Barker, der drei Jahre später stellvertretender Zahlmeister auf der Titanic wurde und bei ihrem Untergang ums Leben kam.
Zur Fracht gehörten fünf Tonnen American-Gold-Eagle-Goldmünzen im damaligen Wert von drei Millionen US-Dollar ($), Gold- und Silberbarren, Soldbücher der Royal Navy sowie eine große Anzahl von Schriftstücken von John Pierpont Morgan.
Unter den Passagieren dieser Fahrt befanden sich unter anderem:
Paul Bruchési, Erzbischof von Montréal
James Ross Mellon, prominenter Bankier und Philanthrop; Bruder von Andrew W. Mellon; mit Ehefrau Rachel und Tochter Sarah
General Brayton C. Ives, US-amerikanischer Eisenbahnunternehmer und Finanzier, Präsident der Metropolitan Trust Company und des New York Stock Exchange
John Merle Coulter, US-amerikanischer Naturwissenschaftler, Botaniker und Autor (Plant Genetic) mit Frau und Kindern
James Connolly, Olympiasieger im Dreisprung
Samuel Cupples, Philanthrop, Unternehmer und Multimillionär aus St. Louis mit Tochter und drei Enkeltöchtern
Rev. Thaddeus Alexander Snively, Pfarrer der St. John’s Episcopal Church in Troy (New York)