An diesem Tag

Renier Zen

45. Doge von Venedig

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Renier Zen, auch Ranieri Zeno, in den zeitlich näheren Quellen Rainerius Geno (* Ende 12. Jahrhundert; † 7. Juli 1268 in Venedig), war nach der Zählweise der staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung der Republik Venedig ihr 45. Doge. Er regierte von seiner Wahl am 25. Januar 1253 bis zu seinem Tod.

Sein Aufstieg erfolgte vor allem in Oberitalien, wo er vielfach die Stellung eines Podestà bekleidete, sowie als Unterhändler. In seiner Regierungszeit begann 1257 der erste Krieg Venedigs gegen die Republik Genua, der erst 1270 zu einem Ende kam, sowie der Kampf um das 1261 wieder zur byzantinischen Hauptstadt erhobene Konstantinopel. Diese Metropole war unter maßgeblicher Beteiligung des Dogen Enrico Dandolo 1204 zur Hauptstadt des Lateinischen Kaiserreichs geworden. Damit endete für Jahre der Handel mit dieser Region.

Die Zen oder Zeno, die ursprünglich aus Padua stammten, hatten sich auf der Insel Burano angesiedelt und waren seit dem 9. Jahrhundert auf Rialto ansässig. Sie gehörten zu den reichsten Patrizierfamilien der Zeit und besaßen im 13. Jahrhundert zahlreiche Immobilien in Venedig sowie Grundbesitz auf Istrien.

Von seinem Vater ist nur der Name bekannt, von seiner Mutter ist weder die familiäre Herkunft noch der Name überliefert. Hingegen war sein gleichnamiger Onkel einer der herausragenden Männer Venedigs.

Zeno heiratete Alvica, Tochter des Gabriele da Prata, der einer gräflichen Familie angehörte. Alvica brachte erheblichen Grundbesitz im östlichen Venetien und im westlichen Friaul in die Ehe ein. Möglicherweise bestand ein Verwandtschaftsverhältnis mit den Ziani, denn im Testament des Dogen Pietro Ziani von 1228 erscheint eine Maria da Prata. Das Paar hatte wohl keine Söhne, jedenfalls keine, die die Eltern überlebten.

Zeno taucht erstmals 1225 in einer Quelle auf, als er zum Podestà von Pola gewählt wurde, des heutigen Pula an der Adriaküste Kroatiens. Damit agierte Zeno im Gebiet Bertholds von Andechs, des Patriarchen von Aquileia. Von 1227 bis 1228 war er Podestà von Chioggia, von 1229 bis 1230 von Verona. Dort vertrat er eine Politik des Ausgleichs zwischen den städtischen Fraktionen. Zudem ließ er die heutige Kirche S. Francesco al Corso errichten, vor allem aber ein Kloster zu Ehren des Franz von Assisi († 1226). Dies geschah nur vier Jahre nach dem Tod des Ordensgründers. Zen war Freund und Berater (consigliere) des Dogen Jacopo Tiepolo.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern und den meisten Venezianern der angesehensten Familien erstrebte er keinen der Posten im östlichen Mittelmeer oder im Kolonialreich. Er wurde stattdessen in Italien tätig, zunächst als Podestà von Bologna (1231–1232), wo er in Streit mit dem Stadtbischof Enrico Della Fratta geriet. Er und die Stadt wurden sogar exkommuniziert. 1233–1234 war er zum zweiten Mal Podestà von Chioggia, 1239 zum dritten Mal, 1235–1236 von Treviso. Dort stand er unter dem Druck der für den Kaiser streitenden Brüder da Romano. 1237 war er in Piacenza, wo er einige Zisterzienserinnen dazu ermutigte, nach Venedig umzusiedeln. Sie gingen nach Santa Maria della Celestia im Sestiere Castello, unweit des Arsenals. 1239–1240 war er erneut in Bologna; dabei führte er die Truppen zur Unterstützung Azzos VII. d’Este bei der Belagerung von Ferrara unter Salinguerra Torelli. Letzterer wurde im Juni 1240 als Gefangener nach Venedig verbracht, wo er wenige Jahre später starb. Die Kämpfe zwischen Kaiser und Papst, zwischen Ghibellinen und Guelfen spitzten sich weiter zu. Der Doge Jacopo Tiepolo verfolgte zunehmend eine antikaiserliche Politik.

Zeno diente der Republik als Diplomat und als Generalkapitän, Capitano general da mar. Im Frühjahr 1242 wurde der Conte Giovanni Michiel mit seinen Leuten aus Zara vertrieben. Die Stadt wandte sich an Friedrich II. um Hilfe, doch vergebens. Daraufhin suchte sie Unterstützung bei Bela IV. von Ungarn. Im Mai führte Zeno eine Flotte Richtung Dalmatien. Am 5. Juli gelang den Venezianern nach zweimonatiger Belagerung die Eroberung Zaras, das die Ungarn längst wieder aufgegeben hatten.

Zen gehörte der venezianischen Delegation am Ersten Konzil von Lyon an, das eine von Papst Innozenz IV. durchgesetzte Absetzung Kaiser Friedrichs nur halbherzig unterstützte. Doch die enormen Kosten des antikaiserlichen Kampfes stärkten die innervenezianische Opposition, zumal man mehr und mehr den persönlichen Ambitionen des Dogen misstraute. Nach dem Chronisten Martino da Canale, der sein Werk Zeno widmete, dessen Entourage er wohl angehörte, gerieten die drei venezianischen Gesandten auf dem Konzil, nämlich Marino Morosini, Giovanni da Canal und eben Zeno in die Gefangenschaft des mit dem Kaiser verbündeten Amadeus IV. von Savoyen. Auf kaiserliche Intervention wurden sie freigelassen. Diese entschuldigten sich beim Kaiser und versicherten, sie hätten niemals die Absicht gehabt, Friedrich zu stürzen. Daraufhin erklärte sich der Kaiser, danach auch Venedig, zu einem Separatfrieden bereit.

1247 erscheint Zeno als advocatus des Nonnenklosters S. Lorenzo di Ammiana. Zusammen mit Morosini und da Canal wurde er als Gesandter nach Zara geschickt, um von den Bewohnern am 6. Oktober 1247 einen Vertrag mit Venedig beeiden zu lassen. Im November setzte sich Zeno wiederum für Franziskaner, diesmal in Zara ein.

Während der dreieinhalbjährigen Herrschaft des Dogen Marino Morosini scheint Zeno keine wesentlichen Positionen mehr ausgefüllt zu haben, wenn auch der Verfasser der Venetiarum historia des 14. Jahrhunderts ihn als Prokuratoren von San Marco aufführt. Diese hohe Stellung galt als eine Art Sprungbrett ins Dogenamt.

Am 25. Januar 1253 wurde Zeno in einem mehrstufigen Verfahren, an dessen Ende 41 Elektoren die Wahl entschieden, zum Dogen gewählt. Genauso knapp wie bei seinem Vorgänger lautete das Ergebnis 21 zu 20. Zu diesem Zeitpunkt war der neue Doge noch Podestà in Fermo in den Marken. So trat er das Amt, auf einer Galeere unter dem Kommando des Marco Ziani, des Conte von Arbe und Sohnes des Dogen Pietro Ziani, erst am 18. Februar an. Die Feierlichkeiten kulminierten in einem Tjost auf der Markusplatz, an dem Ritter verschiedener Regionen Italiens teilnahmen, aber auch deutsche. Anwesend waren neben Marco auch Lorenzo Tiepolo, der Sohn des Dogen Jacopo, der auf Zeno im Amt des Dogen folgen sollte, wie Martino da Canale schreibt.

Die Dogenherrschaft des Marino Morosini hatte Venedig von der Last der antikaiserlichen Kämpfe befreit und auch mit Genua zu guten Beziehungen geführt, die bereits Tiepolo vorangetrieben hatte. So hatte bereits ein Vertrag von 1251 die Sicherheit des Seeverkehrs garantiert. Auch die Beziehungen zu den islamischen Staaten blieben gut, zumal sich Venedig 1254 nicht dem Kreuzzug des französischen Königs anschloss. Nur den Handel mit kriegsrelevanten Gütern unterband Venedig. Noch im Herbst des Jahres erreichten Venedigs Unterhändler Ägypten und Syrien, um die bestehenden Verträge zu bestätigen.

Privileg im staufischen Süditalien (1257/1259), Besetzung von Padua (1256) und Treviso (1259)

Doch noch im Jahr 1254 änderte sich die Situation in Oberitalien, nachdem Papst Innozenz IV. König Konrad IV. exkommuniziert hatte. Auch gegen Ezzelino da Romano und seinen Bruder Alberico wandte der Papst dieses Mittel an, so dass es im Umkreis Venedigs zu schweren Kämpfen kam. König Manfred erneuerte 1257 und 1259 die venezianischen Privilegien in Süditalien. Hingegen ließ der Doge es zu, dass ein Kreuzfahrerheer unter Führung Marco Badoers vom Norden des Dukats aufbrach. Dem Badoer gelang es binnen weniger Wochen das Territorium Paduas zu besetzen. Er zog am 20. Juni 1256 in die Stadt ein. Drei Jahre später ging der Doge gegen Treviso vor, wo noch immer Ezzelinos Bruder herrschte. Unter der Führung des Badoer fuhr eine Flotte den Sile aufwärts und so gelang es bis zum 8. Oktober 1259 auch diese Stadt zu erobern.

Unter Zeno wurde das venezianische Seerecht kodifiziert. In dem 1255 herausgegebenen Gesetzbuch wurden Rechte und Pflichten von Schiffsführung und Besatzung festgelegt. Der Besitzer eines Schiffs hatte demnach die gleichen Pflichten wie ein Kapitän. Der nauclearus genannte Kapitän eines Schiffes hatte nur Rechte und Funktionen eines Ersten Offiziers und war dem Schiffseigner untergeordnet. Die Besatzung hatte sich auf eigene Kosten zu bewaffnen, war also im Kriegsfall im Kampf einzusetzen und hatte Stimmrecht bei allen mit Mehrheitsbeschluss zu fassenden Entscheidungen. Die Matrosen und Ruderer hatten das Recht, auf eigene Rechnung Handel zu treiben. Jedes Besatzungsmitglied, das vom Schiffseigner oder -führer angeheuert wurde, wurde auf das Gesetz vereidigt.

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