Graf René Aldebert Pineton de Chambrun (geboren am 23. August 1906 in Paris; gestorben am 19. Mai 2002 ebenda) war ein französischer Anwalt. Als Schwiegersohn Pierre Lavals war er in das Vichy-Regime verstrickt.
René de Chambrun entstammte der Familie Pineton de Chambrun. Er war der Sohn von Jacques Aldebert de Chambrun, einem Generalleutnant, und stammte über seine Großmutter väterlicherseits, Marie Henriette Hélène Marthe Tircuy de Corcelle (Tochter des Politikers und Diplomaten Francisque de Corcelle), von General La Fayette ab. Seine Onkel waren Pierre de Chambrun, Charles de Chambrun und, durch Heirat, Pierre Savorgnan de Brazza. Seine Mutter Clara Eleanor Longworth, US-amerikanische Staatsbürgerin und auf Shakespeare spezialisierte Schriftstellerin, war die Schwester von Nicholas Longworth, einem prominenten Mitglied der Republikanischen Partei und Schwiegersohn von Theodore Roosevelt. Aus diesem Grund besaß René de Chambrun die doppelte Staatsangehörigkeit – die französische und die amerikanische. Seine Paten waren der Präsident der Vereinigten Staaten William Howard Taft und der spätere Weltkriegsgeneral und Vichy-Chef Philippe Pétain.
Er besuchte das Collège Stanislas in Paris und erwarb einen Abschluss in Geisteswissenschaften, wurde Doktor der Rechtswissenschaften und absolvierte die École libre des sciences politiques. Er spezialisierte sich auf internationales Privatrecht und wurde Rechtsanwalt am Berufungsgericht von Paris sowie Mitglied der Anwaltskammer von New York. Von 1929 bis 1934 lebte er in den Vereinigten Staaten.
1934 ließ er sich als Rechtsanwalt in Paris nieder. Zu seinen ersten Mandanten zählte Coco Chanel beim Kampf um die Vermarktungsrechte für Chanel Nº 5. Die Kanzlei Chambrun et associés entwickelte sich zu einer bedeutenden Wirtschaftskanzlei.
Am 19. August 1935 heiratete er in Sainte-Clotilde Josée Laval, die einzige Tochter von Pierre Laval. Zu den Trauzeugen gehörten General Pershing und Renés Tante Alice Roosevelt Longworth. Die Hochzeitsreise führte sie nach Kanada und in die Vereinigten Staaten. Das Paar führte ein sehr mondänes Leben. Im selben Jahr übernahm er das Schloss La Grange-Bléneau in Courpalay, das zuvor La Fayette gehört hatte. Er und seine Frau ließen es sorgfältig restaurieren.
Während des Zweiten Weltkriegs war er zunächst Verbindungsoffizier zur Britischen Armee und später Militärattaché in Washington D.C. Er hielt in dieser Zeit engen Kontakt zu Marschall Pétain. Nach seiner Demobilisierung reiste er mit seiner Frau durch die USA, um sein Buch I Saw France Fall. Will She Rise Again? vorzustellen.
Nach der Befreiung hielt er sich eine Zeit lang mit seiner Frau in der Umgebung von Paris versteckt; da sie jedoch trotz ihrer zahlreichen gesellschaftlichen Kontakte zum Vichy-Regime und zu den Deutschen keine aktive Rolle im politischen Leben gespielt hatte, wurden sie nicht behelligt. Das gegen ihn vom Gerichtshof der Seine eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde am 11. August 1948 eingestellt. Er gehörte zu den Verteidigern seines Schwiegervaters.
Chambrun unterstützte seine Frau bei der Veröffentlichung zahlreicher Werke zum Andenken an den hingerichteten Pierre Laval. Einen Teil seines Archivs über sein Wirken und das von Pierre Laval während des Krieges übergab er der Hoover-Stiftung. Seine Anwaltspraxis florierte; zu seinen Mandanten gehörten etwa der exilierte jugoslawische König Peter II. und der griechische Reeder Stavros Niarchos. 1960 trat er die Nachfolge seines Vaters als Präsident der Kristallmanufaktur Baccarat an, deren Mehrheitsaktionär er war und die er in seine Stiftung „Josée-et-René-de-Chambrun“ einbrachte.
Sein Leben lang rechtfertigte er seine und Pierre Lavals Handlungen in der Öffentlichkeit; dokumentiert ist dies beispielsweise in Das Haus nebenan – Chronik einer französischen Stadt im Kriege von Max Ophüls. Er ist auf dem Friedhof Montparnasse gemeinsam mit Josée Laval und deren Eltern begraben.
Er war Ehrendoktor der Xavier University in Cincinnati, Ehrenpräsident der französischen Sektion der Sons of the American Revolution und Mitglied mehrerer exklusiver Clubs. Als Mitglied des Rugbyclubs Stade Français verpasste er 1927 nur wegen einer Krankheit das Finale der französischen Rugby-Meisterschaft.
Les Emprunts sur titres et le marché de l’argent à New-York, Rousseau & Cie, 1932
I Saw France Fall. Will She Rise Again ?, William Morrow & Cie, 1940
Neuauflage 2013, Literary Licensing, LLC, ISBN 978-1-25887-629-6
Un Français chez les Lincoln. Lettres inédites adressées pendant la guerre de Sécession par Adophe de Chambrun à son épouse restée en France, Perrin, 1976
Les Prisons de La Fayette. 10 ans de courage et d’amour, Perrin, 1977, ISBN 978-2-26205-431-1 (Prix Broquette-Gonin)
Sorti du rang, FeniXX réédition numérique, 1980, ISBN 978-2-30721-777-0
Pierre Laval devant l’Histoire, France-Empire, 1983, ISBN 978-2-70480-050-6
Et ce fut un crime judiciaire : Le « Procès » Laval, France-Empire, 1984, ISBN 978-2-70480-362-0