An diesem Tag

René Schérer

Französischer Philosoph

Anúncio

René Schérer [ʁ(⁠ə⁠)'ne ʃe'ʁɛʁ] (* 25. November 1922 in Tulle, Département Corrèze; † 1. Februar 2023 in Paris) war ein französischer Philosoph und Hochschulprofessor.

Schérer besuchte das Lycée Edmond Perrier in seiner Geburtsstadt Tulle und studierte Philosophie an der Pariser Elitehochschule École normale supérieure. Bis 1954 war er Mitglied des Parti communiste français. Er arbeitete als Gymnasiallehrer, promovierte 1960 mit einem kritischen Essay über die zeitgenössischen Kommunikationstheorien und wurde schließlich Professor für Philosophie an der Université de Paris VIII in Vincennes, wo er, im engen Austausch mit Gilles Deleuze, Michel Foucault und Félix Guattari stehend, bis zum Eintritt in den Ruhestand lehrte und forschte. Unter anderem arbeitete er an der von Deleuze und Guattari begründeten Zeitschrift Chimères mit. Schérer beschäftigte sich in seinem Werk mit der Phänomenologie (vor allem Edmund Husserls, über den er 1964 sein erstes Buch veröffentlichte), der Kommunität und Ökosophie, der Kindheit, der Utopie und der Gastfreundschaft.

Er bezeichnete sich als „fouriériste“, also als Anhänger von Charles Fourier, und wurde Mitherausgeber von dessen Schriften. So edierte er 1967 Le Nouveau Monde amoureux, in dem Fourier den freien Ausdruck des Begehrens aller propagierte. In der Folge und unter dem Eindruck der geistigen Öffnung, die sich 1968 im Pariser Mai niederschlug, nahm Schérer in den 1970er Jahren in seinen Büchern Émile perverti ou Des rapports entre l’éducation et la sexualité (im Jahr 1975 auf Deutsch unter dem Titel Das dressierte Kind. Sexualität und Erziehung; über die Einführung der Unschuld erschienen) und Une érotique puérile eine kritische Position gegenüber einem „System Kindheit“ ein, das das körperliche und emotionale Verlangen von Kindern und Jugendlichen ignoriere. Dafür wurde er später mitunter als Fürsprecher der Pädophilie missverstanden.

Schérer war Lehrer, Förderer und Lebenspartner des Schriftstellers und Aktivisten der frühen französischen Schwulenbewegung Guy Hocquenghem und stand wie dieser dem Front homosexuel d’action révolutionnaire nahe.

Er war der jüngere Bruder des Filmregisseurs Éric Rohmer.

Émile perverti ou Des rapports entre l’éducation et la sexualité. Désordres-Viallet, Paris 2006, ISBN 2-268-05930-8 (EA Paris 1974)

deutsch: Das dressierte Kind. Sexualität und Erziehung; über die Einführung der Unschuld. Wagenbach, Berlin 1975, ISBN 3-8031-1057-2.

Co-ire. Album systématique de l’enfance (Recherches; Bd. 22). Éditions Recherches, Fontenay-sous-Bois 1976 (zusammen mit Guy Hocquenghem).

deutsch: Co-ire. Kindheitsmythen. Trikont Verlag, München 1977, ISBN 3-88167-015-7.

Ouvertüren. Texte zu Gilles Deleuze (Transpositionen; Bd. 32). diaphanes, Zürich 2008, ISBN 978-3-03734-033-2 (zusammen mit Jean-Luc Nancy)

La Phénoménologie des „Recherches logiques“ de Husserl (Épiméthée). PUF, Paris 1967.

Charles Fourier ou la Contestation globale. Essai suivi d'une anthologie de textes. Séguier, Paris 1996, ISBN 2-84049-099-4 (EA Paris 1970).

Heidegger ou l’Expérience de la pensée (Philosophes de tous les temps; Bd. 86). Seghers, Paris 1973 (zusammen mit Arion Lothar Kelkel).

Une érotique puérile. Galilée, Paris 1978, ISBN 2-7186-0087-X.

L’Emprise. Des enfants entre nous. Hachette, Paris 1979, ISBN 2-01-006233-7.

L’Âme atomique. Pour une esthétique d’ère nucléaire. Albin Michel, Paris 1986, ISBN 2-226-02662-2 (zusammen mit Guy Hocquenghem)

Pari sur l’impossible. Études fouriéristes (La philosophie hors de soi). PUV, Vincennes 1989, ISBN 2-903981-56-6.

Zeus hospitalier. Éloge de l’hospitalité; essai philosophique. La Table Ronde, Paris 2005, ISBN 2-7103-2770-8 (EA Paris 1993).

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
René Schérer | World in Stories