René-Antoine Ferchault de Réaumur (* 28. Februar 1683 in La Rochelle; † 17. Oktober 1757 bei Saint-Julien-du-Terroux, Département Mayenne) war ein französischer Natur- und Materialforscher mit einem weiten Interessen- und Arbeitsgebiet. So beschäftigte er sich unter anderem mit der Entstehung der Schalen der Schalentiere, der Temperaturmessung (Réaumur-Skala) sowie auch mit der Herstellung von Stahl, Glas und Papier. Große Beiträge leistete er besonders zur Entomologie (Insektenkunde). Er war ab 1709 der Herausgeber und ein Mitautor des mehrbändigen Nachschlagewerks Description des arts et métiers.
René-Antoine Réaumur wurde in La Rochelle geboren und erzogen. Sein Vater war René Ferchault de Réaumur (1645–1684). Dank der Förderung eines Onkels konnte er Philosophie in der Hochschule der Jesuiten in Poitiers studieren und ab 1699 in Bourges Zivilrecht und Mathematik. 1703 kam er nach Paris, wo er das Studium fortsetzte. Neben Mathematik studierte er nun auch Physik. 1708, im Alter von vierundzwanzig Jahren, wurde er zum Mitglied der Académie des sciences gewählt. Von da an bis zu seinem Tod gab es kaum ein Jahr, in welchem die Mémoires de L'Académie nicht mindestens einen Beitrag von Réaumur enthielten.
Réaumur starb am 17. Oktober 1757 auf seinem Landgut Schloss Bermondière, das er in der ehemaligen westfranzösischen Provinz Maine besaß. Sein umfangreiches Naturalienkabinett hat er der Königlichen Akademie der Wissenschaften vermacht.
In seiner Arbeit De la formation et de l'accroissement des coquilles des animaux (1709) zeigte er, dass sich die Schalen der Schalentiere aus einem Saft bilden, der von diesen Tieren abgesondert wird. Sein Hauptwerk erschien 1734–1742 unter dem Titel Mémoires pour servir à l'histoire naturelle des insectes (6 Bände). Darin hatte Réaumur seine Forschungen über die Lebensweise und Entwicklung der Insekten niedergeschrieben. Insbesondere beschäftigte er sich mit dem Bienenstaat und entdeckte unter anderem die Gliederung in Königin, Drohnen und Arbeitsbienen.
Réaumur hatte sich auch Gedanken zur Papierherstellung aus Holz gemacht. So schrieb er 1719 der französischen Akademie der Wissenschaften in Paris:
Réaumur machte manche nützliche Entdeckung bezüglich der Stahlerzeugung und des Tempergusses und 1730 erfand er ein mattes Glas, das sogenannte Réaumursche Porzellan.
Im Zusammenhang mit der Entwicklung eines Alkohol–Thermometers definierte er eine neue Temperaturskala, die seinen Namen erhielt. Das Grad Réaumur war in Europa auch noch gebräuchlich, als in den meisten Thermometern schon Quecksilber anstatt Alkohol verwendet wurde. Erst 1901 wurde die amtliche Temperaturmessung in Deutschland von Grad Réaumur auf Grad Celsius umgestellt; in der Schweiz wird sie seit 1909 vorgeschrieben. Seitdem verwenden lediglich noch einige Köche und Pâtissiers die Réaumur-Skala zur Bestimmung der Temperatur von Zuckerlösung.
Réaumur zu Ehren wurde 1935 ein Mondkrater nach ihm benannt, ebenso 2002 der Asteroid (7098) Réaumur. Auch die Pflanzengattungen Reaumuria L. und Beaumulix Willd. ex Poir. aus der Familie der Tamariskengewächse (Tamaricaceae) sind nach ihm benannt.
De la formation et de l'accroissement des coquilles des animaux tant terrestres qu'aquatiques, soit de mer, soit de rivières (1709); Éclaircissements de quelques difficultés sur la formation des coquilles (1716)
Examen de la soie des Araignées (1710)
Du mouvement progressif et de quelques autres mouvements de diverses espèces de Coquillages, Orties et Étoiles de mer (1710)
Des différentes manières dont plusieurs espèces d'animaux de mer s'attachent au sable, aux pierres et les uns aux autres (1711)
Découverte d'une nouvelle teinture de pourpre et diverses expériences pour la comparer avec celle que les anciens tiraient de quelques espèces de Coquillages que nous trouvons sur nos côtes de l'Océan (1711)
Description des fleurs et graines de divers Fucus, et quelques autres observations physiques sur les mêmes plantes (1711); Suite sur les fleurs et graines de diverses plantes marines (1712)
Observations sur les diverses reproductions qui se font dans les Écrevisses, les Omards, les Crabes, etc., et entr'autres sur celles de leurs jambes et de leurs écailles (1712); Additions aux observations sur la mue des Écrevisses (1718)
Des effets que produit le poisson appelé en françois Torpille ou Tremble sur ceux qui le touchent (1714)
Observation sur l'accouplement du Lièvre ou du Chat marin (1715)
Observations sur les mines de turquoises du Royaume, sur la nature de la matière qu'on y trouve et sur la matière dont on lui donne la couleur (1715)