Remco Evenepoel (* 25. Januar 2000 in Aalst) ist ein belgischer Radrennfahrer. Seine bisher größten Erfolge sind der Gesamtsieg der Vuelta a España 2022, der Weltmeistertitel im Straßenrennen 2022 sowie im Einzelzeitfahren 2023, 2024 und 2025, die Olympiasiege im Einzelzeitfahren und im Straßenrennen 2024 sowie die Siege beim Monument des Radsports Lüttich–Bastogne–Lüttich 2022 und 2023.
Remco Evenepoel kam am 25. Januar 2000 als Sohn des ehemaligen Radsportlers Patrick Evenepoel auf die Welt. Sein Vater fuhr zwischen 1992 und 1994 für die Collstrop-Mannschaft und gewann im Jahr 1993 den Grand Prix de Wallonie. Bereits mit fünf Jahren wurde Remco Evenepoel Mitglied beim RSC Anderlecht. Nachdem er anfangs als Torwart gespielt hatte, wurde er von seinem ersten Trainer als Mittelfeldspieler eingesetzt. Im Alter von elf Jahren wechselte er als defensiver Mittelfeldspieler zu der PSV Eindhoven, wobei ihn sein Vater fast täglich mit dem Auto vom mehr als 100 Kilometer entfernten Brüssel zum Training brachte. Aufgrund der großen Strapazen kehrte Remco Evenepoel mit 14 Jahren jedoch zum RSC Anderlecht zurück. Weiters absolvierte er in den Jahren 2014 und 2015 vier Spiele für die belgische U15-Nationalmannschaft, ehe er 2015 und 2016 auch fünf Spiele für die nationale U16-Auswahl bestritt. Im Alter von 16 Jahren musste Remco Evenepoel den RSC Anderlecht verlassen, da er aufgrund von mangelnder Schnelligkeit aus dem Kader genommen wurde. Obwohl er kurz darauf zum KV Mechelen wechselte, wo ihm ein Profi-Vertrag in Aussicht gestellt wurde, beschloss er, seine Fußball-Karriere im Alter von 17 Jahren zu beenden.
Frühe Weggefährten berichteten später, dass Remco Evenepoels Stärken mehr in den taktischen als technischen Aspekten des Fußballs lagen. Zudem nahm er auf dem Platz mit seiner „positiven Energie“ eine Art Kapitänsrolle ein. Weiters überzeugte er bereits damals mit seiner physischen Leistungsfähigkeit und versuchte sich laut seinen Trainern ständig weiterzuentwickeln. Im Alter von 16 Jahren ging Remco Evenepoel beim Halbmarathon von Brüssel an den Start, den er auf dem 13. Platz beendete. Obwohl er laut seinem Trainer Stéphane Stassin am Tag zuvor ein Fußballspiel für den RSC Anderlecht bestritten hatte, absolvierte er die 21 Kilometer in einer Zeit von einer Stunde und 16 Minuten, was einem Kilometerschnitt von 3 Minuten und 38 Sekunden entspricht.
Im Jahr 2017 nahm Remco Evenepoel Kontakt zu dem dreifachen belgischen Marathonmeister Fred Vandervennet auf, den er bereits seit seiner Kindheit kannte. Dieser begann ihn nun ohne das Wissen seiner Eltern im Radsport zu trainieren, wobei Evenepoel anfangs das alte Rad seines Vaters nutzte. Fred Vandervennet erkannte bereits früh das Talent des 17-Jährigen und berichtete dies später seinem Vater. Dieser stellte wenig später den Kontakt zu Patrick Verschueren her, der damals das Forte Young Junior Team leitete. Sein erstes Rennen bestritt Remco Evenepoel am 2. April 2017, ehe er bereits am 1. Juli 2017 beim Junioren-Rennen Bollebeek-Asse als Sieger über den Zielstrich fuhr. Eine Woche später war er zum ersten Mal im Ausland erfolgreich, als er die dritte Etappe der Bizkaiko Itzulia als Solist mit einem größeren Vorsprung gewann. In der Gesamtwertung musste er sich nach vier Renntagen jedoch dem Iren Ben Healy geschlagen geben. Bei Aubel-Thimister-Stavelot konnte er ebenfalls einen Abschnitt und die Punktewertung gewinnen, ehe er bei vier Eintagesrennen in Folge triumphierte und von der belgischen Nationalmannschaft für die Straßenradsport-Weltmeisterschaften von Bergen nominiert wurde. Aufgrund von mangelnder Erfahrung stand er jedoch nicht am Start des Einzelzeitfahrens und gab das Straßenrennen nach drei Stürzen auf.
In seinem zweiten Juniorenjahr entwickelte sich Remco Evenepoel rasch zum Dominator. Sein erstes Saisonrennen, die Junioren-Austragung von Kuurne–Brüssel–Kuurne, gewann er nach einer Flucht von rund 60 Kilometern, womit er die Hälfte der Renndistanz als Solist zurücklegte. Nachdem er sich den belgischen Zeitfahrtitel der Junioren gesichert hatte, setzte er sich in der Gesamtwertung des Course de la Paix Juniors durch, wobei er auch alle Sonderwertungen für sich entschied. Kurz darauf gewann er auch die Trophée Centre Morbihan und wurde im Mai auch nationaler Juniorenmeister im Straßenrennen, nachdem er sich rund 80 Kilometer vor dem Ziel als Solist abgesetzt hatte. Beim Grand Prix Général Patton gewann er beide Etappen und sicherte sich die Punkte- und Bergwertung, ehe er als großer Favorit zu den Junioren-Straßenradsport-Europameisterschaften im tschechischen Brünn reiste. Nachdem er sich den Titel im Einzelzeitfahren vor seinem Landsmann Ilan Van Wilder gesichert hatte, triumphierte er auch im Straßenrennen, wobei er das Ziel nach einem Solo von fast 100 Kilometern mit einem Vorsprung von fast zehn Minuten erreichte. In Vorbereitung auf die Straßenradsport-Weltmeisterschaften bestritt Remco Evenepoel die Etappenrennen Aubel-Thimister-Stavelot und Giro della Lunigiana, die er beide gewann. Bei den Weltmeisterschaften im österreichischen Innsbruck gewann er das 27,7 Kilometer lange Zeitfahren mit einem Vorsprung von rund eineinhalb Minuten vor dem Australier Lucas Plapp. Im Straßenrennen kam Remco Evenepoel in der frühen Rennphase zu Sturz und lag zwischenzeitlich rund zwei Minuten hinter der Spitzengruppe. Noch bevor der abschließende Rundkurs erreicht worden war, hatte er die Lücke jedoch wieder schließen können und griff kurz darauf rund 20 Kilometer vor dem Ziel im Anstieg der vorletzten Runde an. Er setzte sich rasch als Solist ab und gewann das Rennen schlussendlich mit einem Vorsprung von eineinhalb Minuten vor dem Deutschen Marius Mayrhofer. Sein letztes Rennen in der Junioren-Klasse bestritt er beim Einzelzeitfahren der Chrono des Nations, das er mit einem Vorsprung von mehr als einer Minute gewann.
2019: Profi-Vertrag bei Quick-Step
Bereits in seiner ersten Saison, als er für das Forte Young Cycling Team an den Start ging, unterschrieb Remco Evenepoel einen Vertrag bei der von Axel Merckx geführten Axeon-Hagens-Berman-Mannschaft, für die er ab der Saison 2019 als U23-Fahrer an den Start gehen sollte. Im Anschluss sollte er nach einem weiteren Jahr mit der Saison 2020 zum belgischen UCI WorldTeam Deceuninck-Quick-Step wechseln. Nach seinen sensationellen Leistungen im Jahr 2018 wurden jedoch auch andere UCI WorldTeams auf den jungen Belgier aufmerksam, wobei er ein Angebot vom Team Sky erhielt, das in den vorangegangenen Jahren mit Chris Froome die Tour de France dominiert hatte und als tonangebende Mannschaft bei den großen Landesrundfahrten galt. Um den talentierten Belgier nicht an eine andere Mannschaft zu verlieren, erhielt Remco Evenepoel bereits ab dem Jahr 2019 einen Zweijahresvertrag beim Deceuninck-Quick-Step-Team. Bei der Vertragsunterzeichnung am 18. Juli 2018 war Evenepoel erst 18 Jahre alt.
In seiner ersten Saison als Profi bestritt Remco Evenepoel 57 Renntage, wobei er weder bei den Grand Tours noch bei den Monumenten des Radsports an den Start ging und nur sporadisch bei den Rennen der UCI WorldTour fuhr. Seinen ersten Erfolg feierte er bei seinem Profi-Debüt, als er als Gesamtneunter die Nachwuchswertung der Vuelta a San Juan für sich entschied. Nachdem er die UAE Tour aufgrund eines Sturzes aufgeben musste, wurde er Gesamtvierter der Türkei-Rundfahrt und absolvierte im Anschluss die Tour de Romandie. Sein erster Sieg als Berufsradfahrer folgte am 13. Juni, als er den zweiten Abschnitt der Belgien-Rundfahrt gewann, nachdem er sich rund zwölf Kilometer vor dem Ziel gemeinsam mit seinem Landsmann Victor Campenaerts von der Spitzengruppe abgesetzt hatte. Dieser stürzte in einer Linkskurve rund sechs Kilometer vor dem Ziel, nachdem er nur mit großen Schwierigkeiten das Hinterrad von Evenepoel hatte halten können. Mit dem Etappensieg übernahm Remco Evenepoel zugleich die Gesamtführung, die er auf den nachfolgenden Abschnitten nicht mehr abgeben sollte und so im Alter von 19 Jahren seine erste Landesrundfahrt der HC-Kategorie gewann. Im Anschluss wurde Evenepoel Dritter der belgischen Zeitfahrmeisterschaften und gewann eine Etappe des Adriatica Ionica Race. Im August folgte bei der Clásica San Sebastián seine erste Teilnahme bei einem großen Eintagesrennen der UCI WorldTour, wobei er ursprünglich als Helfer für den Vorjahressieger Julian Alaphilippe vorgesehen war. Nach getaner Arbeit wurde Remco Evenepoel bereits am vorletzten Anstieg distanziert, ehe er wenig später noch einmal zum Hauptfeld aufschloss und in einem Flachstück gemeinsam mit dem Letten Toms Skujiņš rund 20 Kilometer vor dem Ziel in die Offensive ging. In der abschließenden Steigung distanzierte er seinen Fluchtgefährten und gewann das Rennen als Solist mit einem Vorsprung mehr als einer halben Minute. Am Ende der Saison wurde Remco Evenepoel Europameister im Einzelzeitfahren, ehe er sich bei den Weltmeisterschaften in Harrogate nur dem Australier Rohan Dennis geschlagen geben musste. Aufgrund seiner Leistungen erhielt er eine Vertragsverlängerung bis ins Jahr 2023, wobei er als Gesamtklassement-Fahrer für die Grand Tours aufgebaut werden sollte.