An diesem Tag

Reichard (Pfalz-Simmern-Sponheim)

Herzog von Pfalz-Simmern

Anúncio

Herzog Reichard von Pfalz-Simmern (* 25. Juli 1521 in Simmern; † 13. oder 14. Januar 1598 in Ravengiersburg, bestattet in der Stephanskirche in Simmern) war ein jüngerer Bruder des Kurfürsten Friedrich III. (* 1515; † 1576) von der Pfalz und regierte in seiner zweiten Lebenshälfte ein eigenes, kleines Territorium, das Herzogtum Simmern, eine kurpfälzische Sekundogenitur.

Sein Name existiert in unterschiedlichen Schreibweisen: Reichard(t), Richard(t) etc. Die hier gewählte ist die in der heutigen Geschichtsschreibung gebräuchlichste.

Seine Eltern waren Pfalzgraf Johann II. von Simmern (* 1492; † 1557) und Beatrix von Baden (* 1492; † 1535), eine Tochter von Markgraf Christoph I. von Baden (* 1453; † 1527).

Reichard war zunächst für eine geistliche Karriere vorgesehen. Bereits 1528 ist er, im Alter von sieben Jahren – was damals nicht ungewöhnlich war – zusammen mit seinen Brüdern Friedrich III. und Georg an der Alten Universität Köln (Universitas Studii Coloniensis) immatrikuliert. Daran schließen sich Studienaufenthalte an den Universitäten Orléans und Löwen an. Im Laufe seiner geistlichen Karriere hielt er zahlreiche Pfründen:

1528–1558 Kanonikat am Kölner Dom

1528–1568 Kanonikat, ab 1552 Stelle des Propstes, am Straßburger Münster

1540–1562 Kanonikat, ab 1559 Stelle des Propstes am Mainzer Dom

1540–1545 Kanonikat am Bamberger Dom

1545–1555 Kanonikat an St. Gereon (Köln)

1551–1553 und erneut 1560 Kanonikat an St. Victor (Mainz), 1560 auch die dortige Propststelle

1560–1571 Administrator des Stifts Waldsassen, Nachfolger von Heinrich Rudolf von Weeze

In dieser Zeit kandidierte Reichard drei Mal als Bischof:

In allen drei Fällen fiel er durch: Zum einen war er den Katholischen nicht katholisch genug, zum andern hatte er nicht das finanzielle Potential, sich eine solche Stelle zu erkaufen. Nach der Niederlage in Straßburg gab er entnervt die kirchliche Karriere auf und wurde weltlich, was ihm umso leichter fiel, als er etwa zur selben Zeit das Herzogtum Pfalz-Simmern geerbt hatte. Letztendlich führte seine persönliche Entwicklung dahin, das Luthertum zu verfechten und zwar sowohl gegenüber der römisch-katholischen Seite als auch der reformierten. Das gelang ihm als Administrator von Waldsassen gegen seinen älteren Bruder, Kurfürst Friedrich III., zunächst weitgehend. Aber er unterlag in Waldsassen, als er – vor allem ökonomisch bedingt – das Stift aufgab und sein älterer Bruder 1571 das Stift säkularisierte.

Reichard erbte 1569 das Herzogtum Simmern, das bis dahin als Sekundogenitur des kurpfälzischen Hauses durch seinen verstorbenen, älteren Bruder, Georg, regiert worden war. Das von ihm übernommene Territorium war vergleichsweise winzig. Es entsprach in seiner Größe etwa einem mittleren Amt der Kurpfalz. Dies setzte Herzog Reichard ökonomisch unter erheblichen Druck, so dass er sich gegenüber seinem älteren Bruder, dem Kurfürsten Friedrich III., nun nachgiebiger zeigte – wenn auch nicht in der Konfessionsfrage. So gestaltete sich die Übernahme des Herzogtums Simmern relativ unproblematisch, trotz der vorangegangenen Auseinandersetzungen über die Administration des Stifts Waldsassen. Die konfessionellen Differenzen traten in den Hintergrund und bis 1571 gelang es, die gegenseitigen Ansprüche auszugleichen: Herzog Reichard gab die Administration des Stiftes Waldsassen zugunsten des Kurfürsten auf, dieser alimentierte ihn mit einer jährlichen Summe und übernahm seine aufgelaufenen Schulden. Aber bereits 1578 musste der Herzog im Vorfeld seiner zweiten Hochzeit wegen der neu aufgelaufenen Schulden erneut von der Kurpfalz entschuldet werden. Religiös blieb Reichard lutherisch, allerdings in moderierter Form – auch mit Rücksicht auf seine Hauptgeldquelle, die reformierte Kurpfalz.

Die Regentschaft des kleinen Herzogtums Simmern war insgesamt durch dessen wirtschaftliche Schwäche und die vor diesem Hintergrund überzogene Hofhaltung und eine die prekäre Situation nicht steuernde Politik Reichards gekennzeichnet. Verfall von Wirtschaft, Finanzen und Münzwesen waren das Ergebnis und nur die periodische Übernahme von Schulden des Herzogs durch die Kurpfalz verhinderte den Bankrott. Am Ende seines Lebens stand Reichard praktisch unter Vormundschaft der Kurpfalz, die damit auch verhindern wollte, dass Reichards Gläubiger unkontrolliert Zugriff auf die Zuwendungen nehmen konnten, die die Kurpfalz an Reichard zahlte.

Herzog Reichard heiratete drei Mal:

Am 30. Juli 1569 Gräfin Juliana zu Wied (* 1545; † 30. April 1575, bestattet in der Stephanskirche in Simmern). Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, die aber alle das Erwachsenenalter nicht erreichten. Juliana starb bei der Geburt ihres vierten Kindes.

Am 29. Mai 1578 Herzogin Emilie von Württemberg (* 19. August 1550 in Mömpelgard; † 4. April 1589 in Simmern, bestattet dort in der Stephanskirche). Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Reichard (Pfalz-Simmern-Sponheim) | World in Stories