An diesem Tag

Raymond Kopa

Französischer Fußballspieler

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Raymond Kopa (* 13. Oktober 1931 als Raymond Kopaszewski in Nœux-les-Mines, Département Pas-de-Calais; † 3. März 2017 in Angers) war ein französischer Fußballspieler polnischer Abstammung.

Er gehört neben Michel Platini und Zinédine Zidane zu den besten französischen Fußballern aller Zeiten und auch weltweit zu den Spitzenspielern des 20. Jahrhunderts. Während seiner Karriere wurde er meist als Mittelstürmer, später überwiegend auf Halbrechts und dazwischen immer wieder als Rechtsaußen aufgestellt.

Zu den hervorragendsten Eigenschaften des nur 1,68 m großen Kopa zählten Schnelligkeit und Wendigkeit, sein fintenreicher Umgang mit dem Ball, Torgefährlichkeit und Präzision des Zuspiels, wobei er seine individuelle Klasse aber stets in den Dienst der Mannschaft stellte. Raymond Kopa nahm an den Weltmeisterschaftsendrunden in der Schweiz (1954) und in Schweden (1958) teil, gewann von 1957 bis 1959 mit Real Madrid dreimal den Europapokal der Landesmeister und stand 1956 mit Stade Reims auch im ersten Endspiel dieses Wettbewerbs. Mit diesen beiden Vereinen gelangen ihm zudem zwei Erfolge bei der Coupe Latine sowie insgesamt sechs nationale Meisterschaften. Persönlich ausgezeichnet wurde er unter anderem als bester Spieler des Weltmeisterschaftsturniers in Schweden, mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ (1958) und dreimal als französischer „Spieler der Saison“ bzw. Sportler des Jahres.

Bereits in jungen Jahren bezeichneten ihn die Medien als „Napoléon des Fußballs“. Im November 1970 als erster Fußballspieler in die Ehrenlegion aufgenommen, beförderte ihn Staatspräsident Chirac im April 2007 darin vom Ritter zum Offizier.

Seine Biographie ist auch ein Beispiel für Chancen und Probleme der sozialen Aufstiegsmöglichkeit, die der Fußballsport – nicht nur in Frankreich – den Angehörigen der „doppelt benachteiligten zweiten und dritten Immigrantengeneration“ besonders in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten bot, wenn sie bereit waren, sich in die Gesellschaft ihres Ziellandes zu integrieren. Kopa beschrieb diesen Weg 1972 mit den Worten:

Raymond Kopa entstammt einer reinen Bergarbeiterfamilie: seine Großeltern väterlicherseits kamen 1919 mit vier Kindern, darunter Kopas damals 13-jähriger Vater Franz, aus Polen in das nordfranzösische Kohlerevier zwischen Lens und Béthune. Wie der Großteil der dort etwa 6.000 anderen polnischen Immigranten der Nachkriegszeit bewahrten die Kopaszewskis ihre Sprache und ihren katholischen Glauben, während die jüngeren Familienangehörigen verstärkt die Lebensart ihrer französischen Nachbarn annahmen. Auch die männliche Verwandtschaft seiner gleichfalls in Polen geborenen Mutter Hélène arbeitete seit wenigstens drei Generationen unter Tage. Er kennzeichnete sein Zuhause als schlicht, aber nicht arm, und seine Schulzeit mit den Worten, er sei „weder für Mathematik noch für Geschichte und auch nicht für den Rest begabt“ gewesen, zumal im Elternhaus nur Polnisch gesprochen wurde. Dafür verbrachte er seit frühester Kindheit viel Zeit mit dem Fußballspielen – vormittags auf dem Schulhof, nachmittags im Gärtchen seines Elternhauses und sonntags während der Halbzeitpause auf dem Sportplatz, wenn er nach dem Familientreffen der Kopaszewskis im Hause der Großeltern im benachbarten Mazingarbe schon als Fünfjähriger ein Spiel des dortigen Amateurklubs besuchte.

Mit acht gründete er seine erste Straßenfußballmannschaft, überwiegend mit älteren polnischen, aber auch einigen französischen und italienischen Nachbarskindern. Diese équipe du Chemin-Perdu – in Nr. 5 der Straße des Aufgegebenen Weges, einer langen Reihe vom Kohlenstaub geschwärzter, einfacher Ziegelbauten, ähnlich den Zechenkolonien des Ruhrgebiets, stand sein Elternhaus – machte sich schnell auch gegen ältere Mannschaften einen Namen. Der dribbelstarke Raymond trug so viel dazu bei, dass der örtliche Verein US Nœux-les-Mines ihn 1941 zum Eintritt aufforderte. Als Elfjähriger spielte er bereits in dessen Jugendelf (cadets), mit 14 bei den Junioren und mit erst 16 in der Herrenmannschaft. Kopa selbst sagt dazu: „Ich habe eigentlich immer mit Älteren gespielt“. Über die Auswirkungen der deutschen Besetzung zwischen 1940 und 1944 – der schwerindustriell geprägte Norden Frankreichs unterstand als Zone interdite („verbotene Zone“) direkt der Militärverwaltung in Brüssel – auf das alltägliche Leben der Familie berichtet er nur, dass er deutschen Soldaten seinen ersten Lederball verdankte, wenngleich von deren Seite unfreiwillig: die Jungen stibitzten das wertvolle Stück während eines Spiels zweier Soldatenmannschaften, was Kopa später augenzwinkernd als „beinahe ein Akt des Widerstandes“ kommentierte.

Nach seinem Schulabschluss 1945 suchte er vergeblich nach einer Lehrstelle als Elektriker – er wollte dem tagtäglich bei seinem Vater und seinem älteren Bruder Henri miterlebten „unmenschlichen Schichtbetrieb 600 Meter unter der Erde“ entgehen, aber „wenn ich meinen vollständigen Namen genannt hatte, endete das Bewerbungsgespräch“. Die nächsten zweieinhalb Jahre arbeitete er im örtlichen Bergwerk unter Tage, wo er anfangs die vollgeladenen Hunte aus dem Stollen zum Förderschacht schieben musste. Bei einem Arbeitsunfall im Oktober 1947 wurden Daumen und Zeigefinger seiner linken Hand zertrümmert und teilamputiert; bis zu seinem Tod erhielt er dafür eine Unfallrente von monatlich 30 €. Dank der Fürsprache des US-Nœux-Vorsitzenden, der im selben Bergwerk als Ingenieur arbeitete, wurde Kopa danach nur noch für die Frühschicht eingeteilt und konnte so regelmäßiger am Mannschaftstraining teilnehmen. Inzwischen hatten seine fußballerischen Fähigkeiten auch über den Verein hinaus Anerkennung gefunden und zu regelmäßiger Berücksichtigung in der nordfranzösischen Junioren-Regionalauswahl geführt. Mit dieser Elf, zu deren Stammbesetzung mit Jean Vincent und René Dereuddre zwei weitere zukünftige Nationalspieler gehörten, erreichte er im Frühjahr 1948 das Halbfinale um die französische Meisterschaft der Cadets, das allerdings trotz zweier Kopa-Tore gegen Lothringen – in dessen Reihen stand mit Roger Piantoni gleichfalls ein späterer Sturmpartner Kopas – 3:6 verloren ging.

Ab November 1947 setzte ihn Constant Tison, der Trainer der Ligamannschaft, bereits regelmäßig in Begegnungen der zweithöchsten Amateurklasse ein. Tison war überzeugt von Kopas Fähigkeiten, zu denen neben Ballgefühl, Torgefährlichkeit, Ausdauer und Spielübersicht schon früh überdurchschnittlicher Trainingseifer, Mannschaftsdienlichkeit, Kampfgeist und Siegeswille zählten: „Er kam direkt von der Arbeit, Kohlenstaub in den Augenbrauen, und kaum, dass er einen Happen gegessen oder sich wenigstens kurz ausgeruht hätte, sprang er über ein Mäuerchen und stand in Sandalen auf dem Sportplatz.“ Seine unbedingte Hingabe erklärt Kopa selbst damit, dass er damals alles getan hätte, um „meinem vorgezeichneten Leben als «Schwarzfresse» zu entkommen“. Lediglich das Kopfballspiel blieb defizitär, auch wenn er es regelmäßig trainierte. Laut Tison war er „ein kleiner, aufgeweckter, aber zurückhaltender Bub, der viel zuhörte und wenig redete“: Umso mehr überzeugte er auf dem Spielfeld, schoss in seinem ersten Punktspiel gleich das einzige Tor der Begegnung bei der US Tourcoing und erzielte gegen Nœux’ härtesten Aufstiegskonkurrenten US Boulogne beim 8:1-Sieg sogar fünf Treffer.

Immerhin hatte seine wachsende Bekanntheit im Frühjahr 1948 dazu geführt, dass er im Bergwerk auf einen Posten versetzt wurde, an dem er in den Loren festsitzende Gesteins- und Kohlebrocken losschlagen musste – „nicht gerade das, was ich mir erträumte, aber endlich an der Oberfläche“. In dieser Zeit verdiente er auch zum ersten Mal etwas mit seinem fußballerischen Können: ein Zuschauer lobte während eines Punktspiels eine Prämie von 1.000 alten Francs für den Schützen des nächsten Tores aus. Als seine Mitspieler, mit denen er den gewonnenen Betrag teilen wollte, dies ablehnten, gab er das Geld abends seiner Mutter. Und nachdem im Sommer 1948 der Aufstieg der US Nœux in die höchste regionale Amateurliga feststand, bedankte sich der Verein für seine Leistungen mit einem Fahrrad, auf dem er auch als Profi noch zum Training fuhr.

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