An diesem Tag

Ray Reardon

Walisischer Snookerspieler

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Raymond „Ray“ Reardon MBE (* 8. Oktober 1932 in Tredegar, Monmouthshire, Wales; † 19. Juli 2024) war ein walisischer Snookerspieler, der zwischen 1967 und 1992 Profispieler war und als führender Spieler der 1970er-Jahre gilt. Reardon gewann während seiner Karriere sechs Weltmeisterschaften und ein Mal das Masters, ist aber mangels eines Sieges bei der UK Championship nicht Mitglied der Triple Crown. Reardon, ein Vertreter des typischen defensiven Spielstils seiner Zeit, war im Anschluss an seine Karriere für einige Jahre Offizieller des Weltverbandes WPBSA und später auch Trainer des englischen Spielers und Weltmeisters Ronnie O’Sullivan.

Reardon wurde 1932 in der damals zum Monmouthshire und heute zu Blaenau Gwent County Borough gehörenden Bergbauregion Tredegar geboren. Große Teile von Reardons Familie spielten auf Amateurebene verschiedene Billardvarianten. Sein Onkel brachte ihm im Alter von acht Jahren auf einem improvisierten Billardtisch auf dem Küchentisch der Familie das Billardspiel bei. Kurz danach bekam Reardon zu Weihnachten einen kleinen Billardtisch geschenkt und begann später auch regelmäßig im Tredegar Workmen’s Institute zu üben. Schon im Alter von zwölf Jahren nahm er an der walisischen Jugend-Meisterschaft teil. Zu dieser Zeit spielte Reardon primär English Billiards, wodurch er seine Präzision beim Lochspiel und seine Spielballkontrolle verbesserte. Im Alter von 14 Jahren begann Reardon wie auch sein Vater im Bergbau zu arbeiten. Reardon arbeitete tagsüber und nutzte die Zeit am Abend, um Billard zu spielen. Während der Arbeit achtete er besonders darauf, dass seine Hände unversehrt blieben, und die schwere körperliche Arbeit half Reardon dabei, seine Kraft und seine Ausdauer zu verbessern.

Später konzentrierte sich Reardon auf das Snookerspiel. Er begann schon kurze Zeit später, im lokalen Lucania-Club bei Spielen um Geld teilzunehmen. Zugleich freundete er sich mit Cliff Wilson an, mit dem Reardon zusammen trainierte. Wilson galt durch seinen Spielstil zu dieser Zeit als einer der besten Amateurspieler, doch er wurde erst mehrere Jahrzehnte später Profispieler. Diese Trainingspartnerschaft war gleichzeitig auch ein Publikumsmagnet, da zahlreiche Menschen den Spielen der beiden beiwohnten. Zudem half sie Reardon, sein Spiel immens zu verbessern. 1947 wurde er britischer Juniorenmeister, 1949 gewann er den Amateurtitel von News of the World. Im Zuge dieser ersten Erfolge trainierte Reardon deutlich intensiver, wodurch er zwischen 1950 und 1955 sechsmal die walisische Snooker-Meisterschaft gewann. Zwischen 1952 und 1955 zog Reardon zudem drei Mal in die sechste Qualifikationsrunde der English Amateur Championship ein und schied einmal in der Runde davor aus. 1956 erreichte er schließlich das Endspiel um die britische Meisterschaft, verlor aber gegen Tommy Gordon.

Im selben Jahr mussten er und seine Familie durch den Rückgang des Bergbaus in seiner Heimatregion mangels Arbeit ins englische Staffordshire umziehen. Schon kurz nach dem Umzug wurde er zu einer Exhibition mit Joe Davis eingeladen, während deren er Davis beeindrucken konnte und dieser ihn zu einer Fernsehsendung in der BBC einlud. Zugleich lernte er dort seine erste Frau Sue kennen, die die Nichte des Organisators der Exhibition, Billy Carter, war. Auch in Staffordshire arbeitete Reardon zunächst im Bergbau, doch wurde er in ein Grubenunglück in der Florence Colliery verwickelt, als ein Abschnitt der Kohle einstürzte und er für einige Stunden verschüttet war. Durch das Gewicht des Gesteins ertaubte bereits die untere Hälfte seines Körpers, doch er konnte rechtzeitig gerettet werden. Nach einiger Zeit im Krankenhaus kehrte er zwar wieder in die Mine zurück, doch da er 1959 erstmals heiratete und deshalb eine sicherere Arbeit suchte, gab er diesen Beruf auf und arbeitete ab 1960 bei der Polizei von Stoke-on-Trent.

Durch seine Arbeit bei der Polizei verbesserten sich Reardons körperliche Verfassung und seine Nervenstärke und es gelang ihm sogar, einen bewaffneten Mann zur Aufgabe zu überreden. Dies hatte auch Auswirkungen auf seine Fähigkeiten im Snooker und führte 1964 mit einem 11:8-Sieg über seinen späteren Profi-Konkurrenten John Spencer zum Gewinn der English Amateur Championship. Ein Jahr später unterlag er Pat Houlihan im Endspiel des nördlichen Qualifikationswettbewerbs. Durch seine Erfolge als Amateur hatte Reardon die Aufmerksamkeit von Sponsoren erlangt. Im Jahr 1967 wurde er zu einer Tour nach Südafrika eingeladen, die ihn von der Lukrativität des Snookers überzeugte. Anschließend gab er seinen Job bei der Polizei auf und machte am 3. Dezember 1967 den Start seiner Profikarriere bekannt. Wie viele seiner damaligen Mit-Profispieler wurde Reardon relativ spät in seinem Leben Profispieler. Reardons Entschluss stellte wegen der schlechten Lage des Snookers zu dieser Zeit ein gewisses Risiko dar, auch, weil er es wegen der geringeren Verdienste ablehnte, sich als Teilnehmer von Exhibitions ein Zubrot zu verdienen. Kurze Zeit nach seinem Profistart wurde er von der Johannesburg Tobacco Company zu einer weiteren Tour durch Südafrika eingeladen, während der er 25 Century Breaks spielte.

Erste Profijahre mit WM-Sieg 1970

Erst gut ein Jahr nach dem Beginn seiner Profikarriere bestritt Reardon im Zuge der Snookerweltmeisterschaft 1969, die nach mehreren Jahren erstmals wieder im K.-o.-System ausgetragen wurde, gegen Fred Davis, achtfacher Weltmeister und Bruder von Joe Davis, sein erstes Profispiel, das er im Decider verlor. Beim neuen Pot Black Cup erreichte er mit einer Revanche gegen Fred Davis und einem Sieg über John Pulman das Finale und gewann gegen den Weltmeister von 1969, John Spencer, seinen ersten Profititel. Das Einladungsturnier Pot Black wurde mit der Einführung des Farbfernsehens in Großbritannien von der BBC veranstaltet und trug in den folgenden Jahrzehnten zur steigenden Beliebtheit des Snookersports bei.

Ein Jahr später kam es beim Pot Black 1970 zu einer Neuauflage des Vorjahresendspiels, die von Spencer gewonnen wurde. Das nächste Aufeinandertreffen der beiden erfolgte bei der Snookerweltmeisterschaft und wurde von Reardon gewonnen, der auch hier Fred Davis besiegte und somit das Endspiel erreichte. In diesem traf er auf John Pulman, den er mit 37:33 besiegte, womit Reardon zum ersten Mal die Weltmeisterschaft gewann. Durch die Siegprämie von 750 Pfund konnte Reardon bestehende Schulden begleichen; zugleich erhöhte sich durch den WM-Titel und die dadurch gestiegene Popularität seiner Person auch Reardons Einkommen. So begann Reardon, fernab des professionellen Snookers mit Spielen in Ferienresorts wie beispielsweise von Pontins sich ein Zubrot zu verdienen. Aus diesem Grunde wurde er einen breiten Publikum als Spieler und auch als Entertainer bekannt.

Wenige Monate nach dem WM-Titel ging Reardon erneut in Südafrika auf Tour, wobei im Anschluss an eine Exhibition Reardons Queue gestohlen wurde. Da dieser auch durch eine Polizeifahndung nicht aufgefunden wurde, überlegte Reardon bereits, seine Teilnahme an der nächsten Weltmeisterschaft zu streichen. Doch nach einer Zeitungsannonce in der Rand Daily Mail legte der Dieb den Queue mitsamt einer anonym verfassten Entschuldigung vor der Tür der Zeitungsredaktion ab, sodass Reardon antreten konnte. In dieser Saison fand die Snookerweltmeisterschaft in Australien statt und Reardon schied nach überstandener Gruppenphase im Halbfinale gegen John Spencer aus. Kurz danach trafen die beiden Spieler beim Park Drive 600 im Endspiel erneut aufeinander, wobei Reardon diesmal mit 4:0 das Spiel für sich entschied.

Während der Saison 1971/72 schied Reardon bei der Snookerweltmeisterschaft schon im Viertelfinale aus, wobei er in dieser Saison nur bei der Hälfte der Turniere das Endspiel erreichte: Er gewann mit einem 4:3-Sieg über John Spencer den Wettbewerb Park Drive 2000 1971 – Autumn, unterlag aber Eddie Charlton im Endspiel des Pot Black Cups.

WM-Titel zwischen 1973 und 1976

Während der Saison 1972/73 erreichte Reardon im Vorlauf der Snookerweltmeisterschaft nur bei einem von drei Turnieren das Finale und unterlag in diesem auch noch. Bei der Weltmeisterschaft besiegte er jedoch neben zwei weiteren Spielern John Spencer, bevor er mit einem 38:32-Finalsieg über Eddie Charlton zum zweiten Mal Weltmeister wurde. Während des Spiels stellte die BBC mehrere Kameras und TV-Lichter um den Tisch auf, um Szenen des Spiels im Nachhinein im Fernsehen zeigen zu können. Allerdings reflektierten die Lichter auf dem Objektball und während Charlton die veränderte Situation akzeptierte, verweigerte Reardon das Weiterspielen, bis das Problem gelöst wurde. Nach und nach stieg Reardon zum dominierenden Spieler der 1970er-Jahre auf. Auch in der folgenden Saison gelang Reardon mit einem 22:12-Sieg über Graham Miles die Titelverteidigung bei der Snookerweltmeisterschaft. Im übrigen Saisonverlauf hatte Reardon ohne Finalteilnahme bei zwei weiteren Turnieren teilgenommen und gewann kurz nach der Weltmeisterschaft durch einen Sieg im Decider über John Spencer das Pontins Professional.

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