Ravenna, in Erzählungen auch Raben, ist eine Stadt in Italien mit 156.475 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025). Sie liegt in der historischen Region Romagna und ist heute Hauptstadt der Provinz Ravenna in der Region Emilia-Romagna. Die Stadt lag ursprünglich unmittelbar an der Adria. Infolge von Verlandung beträgt die Entfernung des Stadtkerns von der Küste heute etwa neun Kilometer. Der Hafen ist durch den Canale Candiano mit der Küste und dem Seebad Marina di Ravenna verbunden.
Ravenna ist seit dem 5. Jahrhundert Erzbischofssitz. Von 402 bis 476 war die Stadt Hauptresidenz der weströmischen Kaiser. In den folgenden Jahrzehnten residierten hier auch Odoaker, Theoderich der Große und dessen Nachfolger. Vom Ende des 6. Jahrhunderts bis zu seiner Eroberung durch die Langobarden 751 war Ravenna Hauptstadt des oströmischen bzw. byzantinischen Exarchats von Ravenna. Die Stadt ist berühmt für ihre frühchristlichen Kirchen, Taufkapellen, Mausoleen sowie Mosaiken und deshalb ein wichtiges Zentrum für den Kulturtourismus in Italien.
Historiker vermuten, dass die Siedlung während der gallischen Invasionen seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. allmählich entstanden war. Versprengte Angehörige der besiegten Umbrer und Etrusker pflegten damals zusammen auf den zahlreichen kleinen Laguneninseln am Südrand des Po-Mündungsdeltas Zuflucht zu suchen. Die Etrusker nannten die Siedlung Ravena. Als Handelshafen soll Ravenna von den Griechen angelegt worden sein.
Kaiserzeitlicher Flottenstützpunkt
Im Jahr 88 v. Chr. erhielt die Stadt römisches Bürgerrecht. Jahrzehnte darauf, im Jahr 49 v. Chr., zog Gaius Iulius Caesar von hier zur Überschreitung des Rubikons aus, womit er den Bürgerkrieg begann. Sein Großneffe, Kaiser Augustus, machte den Militärhafen von Classe vor der Stadt zum zweitgrößten Marinestützpunkt des Römischen Reiches (der größte Kriegshafen war Misenum). Der gestürzte markomannische König Marbod wurde hier im Jahr 19 n. Chr. bis zu seinem Tod im Jahr 37 interniert. Hier lebten auch die von Germanicus gefangengenommenen Cherusker Thusnelda und Thumelicus. In der frühen und hohen Kaiserzeit war Ravenna eine von Wasser umschlossene Lagunenstadt mit zeitweilig bis zu 50.000 Einwohnern.
Im Jahr 402 verlegte der weströmische Kaiser Honorius seinen Hof von Mailand nach Ravenna, da die Stadt sehr gut zu verteidigen war. Die Westgoten unter Alarich I. belagerten 408 vergeblich Ravenna. Im selben Jahr wurde der Feldherr Stilicho Opfer einer Intrige am Kaiserhof. Des Paktierens mit Alarich und damit des Hochverrats beschuldigt, wurde er in Ravenna hingerichtet. Eine spätere Legende besagt, dass sich Attila, der Neffe des Hunnenkönigs Rugila, im Jahre 410 am Hofe als Geisel befand.
Nach dem Tod des (Mit-)Kaisers Constantius III. 421 in Ravenna und dem Tod des Honorius regierte dessen Halbschwester Galla Placidia zunächst für ihren minderjährigen Sohn Valentinian III. Sie ließ die Stadt prächtig ausbauen. Obwohl einige spätere Kaiser zeitweilig in Rom residierten, blieb Ravenna fortan der eindeutig bevorzugte Regierungssitz in Italien.
Nach der Absetzung des weströmischen (Gegen-)Kaisers Romulus Augustulus herrschte in der Stadt ab 476 der germanische rex Odoaker, der 493 von dem Ostgotenherrscher Theoderich nach der Niederlage in der „Rabenschlacht“ eigenhändig getötet wurde.
Die Ostgoten unter Theoderich, der seit 493 in Ravenna residierte, errichteten in Italien ein Reich, das bis zur endgültigen Niederlage gegen Ostrom (552) Bestand hatte. Bis 535 herrschten sie nominell als Stellvertreter des Kaisers in Konstantinopel. Die Hauptstadt Ravenna erlebte unter ihnen erneut eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Theoderich sorgte, nachdem ein christlicher Mob die jüdischen Synagogen attackiert hatte, dafür, dass die Bevölkerung für den Wiederaufbau der Gotteshäuser aufkommen musste.
Gegen seinen Protest wurde der gebrechliche Papst Johannes I. 525 von dem arianischen Theoderich nach Konstantinopel geschickt, um dort mit Kaiser Justin I. über sein Dekret gegen die Arianer zu verhandeln. Theoderich drohte dem Papst angeblich mit Repressalien gegen die Katholiken. Als Johannes unverrichteter Dinge zurückkehrte, ließ Theoderich den Papst unter der Anschuldigung verhaften, er habe sich mit dem Kaiser verschworen. Er wurde in Ravenna festgehalten und starb dort aufgrund der schlechten Behandlung 526. Theoderich starb kurz darauf am 30. August in Ravenna. Sein dortiges Grabmal ist heute leer; ob ein Sarkophag mit den sterblichen Überresten Theoderichs dort je gestanden hat, ist umstritten.
535 begannen die oströmischen Truppen mit der Rückeroberung Italiens. Im Mai 540 fiel das von dem Heermeister Belisar im Auftrag des Kaisers Justinian I. belagerte Ravenna; wahrscheinlich hatten ostgotische Adlige dem Heermeister die Kaiserwürde des Westens angeboten. Belisar ging zunächst darauf ein und eroberte so ohne Blutvergießen die Stadt. Ob Belisar die Kaiserwürde nur zum Schein annahm, ist unklar; in jedem Fall ließ er sich nach der Einnahme Ravennas nicht zum Augustus ausrufen. Dennoch erweckte dieser Vorgang den Argwohn Justinians, der seinen Generälen ohnehin nie recht traute. 541/42 brach der Krieg in Italien erneut aus, 549 wurde Belisar abberufen und durch seinen Konkurrenten Narses ersetzt. Zeitweilig konnten die Oströmer nur Ravenna behaupten, während die Goten unter König Totila wieder fast ganz Italien kontrollierten; erst 552 unterlagen sie Narses.
Nun erlangte Ravenna als Vorposten des Oströmischen Reiches in Italien erneut Bedeutung, die Stadt wurde bald nach dem Einfall der Langobarden (568) Hauptstadt des Exarchats von Ravenna. Rund zwanzig biographisch bekannte Exarchen, die dem oströmischen Kaiser in Konstantinopel unterstanden, wechselten in der Folgezeit als Verwalter des Exarchats und Ravennas einander ab. Sie waren nicht selten mit der geheimen Vollmacht ausgestattet gewesen, den Papst gefangen zu nehmen.
Aus dieser Zeit des Umbruchs von der Antike zum Mittelalter (siehe vor allem Spätantike) findet man in Ravenna zahlreiche bedeutende Bauwerke, die oft noch den originalen Mosaikenschmuck des 5. bis 7. Jahrhunderts zeigen und die inzwischen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Sie sind vor allem deshalb einzigartig, weil im Kerngebiet des Oströmischen Reiches fast alle derartigen Mosaiken später dem Bilderstreit zum Opfer fielen.
751 eroberte der Langobardenkönig Aistulf Stadt und Exarchat, womit das Exarchat von Ravenna endete. Im Vertrag von Quierzy (754) soll Pippin der Jüngere versprochen haben, das ehemals byzantinische Exarchat von Ravenna dem Heiligen Stuhl zu übergeben (Pippinische Schenkung); im Gegenzug legitimierte Papst Stephan III. die Karolinger als neues Königsgeschlecht des Frankenreichs. Schon 755 wurde der fränkische König gebeten, dem Vertrag durch Taten zur Erfüllung zu verhelfen. Bis zu seinem Tode führte Pippin zwei erfolgreiche Feldzüge gegen die Langobarden und schenkte dem römischen Stuhl die eroberten Gebiete, was Karl der Große 774 bestätigte. Pippin gilt so als Begründer des Kirchenstaates, zu dem auch Ravenna gehörte.
Damit gelangte auch der Bischofssitz von Ravenna endgültig unter die päpstliche Oberhoheit. Denn zur Zeit des Papstes Vitalian entzog 666 der oströmische Kaiser Konstans II. die Kirche von Ravenna der Oberhoheit von Rom und machte sie zu einer in sich selbständigen Kirche. Das daraus folgende Schisma wurde unter Papst Donus und seinem Nachfolger Agatho wieder beseitigt, aber in der Folge hatten sich die ravennatischen Bischöfe als Patriarchen einer Hauptstadt immer wieder als weitgehend gleichberechtigt gesehen. Erzbischof Leo führte daher den Titel servus servorum Dei, divina gratia sanctae catholicae Ecclesiae Ravennatis archiepiscopus et primas, Italiae exarchus. Er betrachtete sich also weiterhin als Herrn der Stadt, ebenso wie als geistlichen Führer. Karl der Große, der nicht im Palast des Exarchen von Ravenna Residenz nahm, erkannte aber sehr wohl dessen symbolischen Wert. Der Papst stimmte dementsprechend gern zu, als Karl ihn ersuchte, die Marmorsäulen und Mosaiken des oströmischen Palastes mit nach Aachen zu führen. Andererseits stützten die Karolinger das Prestige der Stadt durch wiederholte kaiserliche Besuche. Karl I. besuchte die Stadt vier Mal, sein Sohn Pippin residierte sogar dort; Karl der Kahle hielt sich dort 877 auf, Karl der Dicke 880 und 882.