Die Raumfahrt der Volksrepublik China begann 1956 mit der Gründung eines militärischen Forschungsinstituts, das sich über zahlreiche Zwischenschritte zur staatlichen China Aerospace Science and Technology Corporation entwickelte. Für die organisatorischen Aspekte der unbemannten Raumfahrt wurde 1993 die Nationale Raumfahrtbehörde Chinas (CNSA) gegründet, für die bemannte Raumfahrt ist bereits seit 1992 das Büro für bemannte Raumfahrt (CMSA) zuständig. Die Regulierung der privaten Raumfahrt erfolgt durch die Nationale Behörde für Wissenschaft, Technik und Industrie in der Landesverteidigung.
Geschichte der chinesischen Raumfahrt
Als Geburtsstunde der chinesischen Raumfahrt gilt der 8. Oktober 1956. An diesem Tag wurde das „5. Forschungsinstitut des Verteidigungsministeriums“ gegründet, wo unter anderem die beiden Wissenschaftler Qian Xuesen und Ren Xinmin tätig waren. Dort befasste man sich mit militärischen Raketen auf der Grundlage sowjetischer Technologie. Nach dem Bruch mit der Sowjetunion im Jahr 1960 arbeitete man dann eigenständig weiter. Am 5. November 1960 startete Chinas erste Kurzstreckenrakete Dongfeng 1, am 29. Juni 1964 die Mittelstreckenrakete Dongfeng 2.
Parallel dazu arbeitete man an zivilen Höhenforschungsraketen. Am 19. Februar 1960 startete die erste flüssigkeitsbetriebene Höhenforschungsrakete des Typs „T-7M“ vom Startplatz Laogang bei Shanghai.
Chinas erste Weltraumrakete war die auf der Dongfeng 2A basierende, dreistufige Trägerrakete Langer Marsch 1, chinesisch „Changzheng 1“, daher meist „CZ-1“ abgekürzt. Der erste Flug war am 16. November 1969 und dauerte 69 Sekunden bis zum Absturz.
Am 15. Februar 1996 ereignete sich auf dem Kosmodrom Xichang ein Fehlstart einer Rakete des Typs „CZ-3B“ mit einem Intelsat-Satelliten. Die Rakete schlug kurz nach dem Start in einem Berghang ein und viele Menschen kamen bei der Explosion ums Leben. Nach einem weiteren Fehlstart am 18. August 1996 kündigten mehrere internationale Kunden ihre bereits geschlossenen Verträge.
Chinas erste Feststoffrakete war die Kaituozhe 1. Sie erlitt 2002, 2003 – und wohl auch 2005 – nur Fehlstarts. Erst mit dem Nachfolgemodell Kaituozhe 2 gelang am 2. März 2017 ein erfolgreicher Flug, aber auch diese Rakete wurde nicht weiter eingesetzt. Die von derselben Firma hergestellten Feststoffraketen der Kuaizhou-Serie waren dagegen vom Erstflug am 25. September 2013 bis zum ersten Fehlstart am 10. Juli 2020 durchwegs erfolgreich.
Die ausgebrannten Stufen vieler chinesischer Trägerraketen sind bis zu einem gewissen Grad steuerbar, was im Jahr 2021 trotz einer starken Zunahme der Startzahlen zu einer deutlichen Reduzierung von durch herabstürzende Raketenteile verursachten Schäden führte.
Dennoch besteht ein gewisses, bewusst in Kauf genommenes Restrisiko, dass Raketenteile auf bewohntes Gebiet fallen. Nach dem Start einer Langer Marsch 5B im April 2021 berichteten die Medien weltweit über diese Gefahr; die Raketenstufe fiel dann am 9. Mai 2021 in den Indischen Ozean.
Die Häufigkeit der Starts entwickelte sich exponentiell. Vom Start des ersten Satelliten am 24. April 1970 dauerte es 37 Jahre, bis am 31. Mai 2007 die ersten 100 Trägerraketen der Marke „Langer Marsch“ gestartet waren. Der 200. Start erfolgte siebeneinhalb Jahre später am 7. Dezember 2014, der 300. vier Jahre und drei Monate später am 9. März 2019, und der 400. zwei Jahre und neun Monate später am 10. Dezember 2021.
Im Rahmen des „Projekts 651“ erfolgte am 24. April 1970 der erste chinesische Satellitenstart. Mit einer CZ-1-Rakete wurde der Experimentalsatellit Dong Fang Hong I vom Kosmodrom Jiuquan in den Weltraum transportiert. 1975 gelang es erstmals, eine Nutzlast wieder auf die Erde zurückzuholen. Eine neue Rakete des Typs CZ-2C startete am 26. November des Jahres zu dieser Mission. Diese Fähigkeit war militärisch von Bedeutung, denn so konnte man Filmkassetten zurückholen und auswerten. Seit 1988 werden Wettersatelliten der Reihe Fengyun in geosynchrone oder in polare, sonnensynchrone Umlaufbahnen gebracht. Bekannt wurde die Serie durch einen erfolg- und folgenreichen chinesischen Antisatellitenraketentest.
Am 7. April 1990 erfolgte mit dem Start des Satelliten AsiaSat-1 der erste kommerzielle Satellitenstart. Er erfolgte vom Startzentrum Xichang aus mit einer Trägerrakete des Typs CZ-3.
Am 14. Oktober 1999 startete der erste Erdbeobachtungssatellit des China-Brazil Earth Resources Satellite Programs, weitere folgten. Seit 2006 werden Fernerkundungssatelliten vom Typ Yaogan Weixing gestartet. Gaofen 1, der erste Satellit des Hochauflösenden Erdbeobachtungssystems (CHEOS), startete am 26. April 2013.
Mit dem Double-Star-Projekt (ein gemeinsames Unternehmen mit der Europäischen Weltraumorganisation) wurden 2003/2004 erstmals rein wissenschaftliche Satelliten gestartet. Es folgten der Dark Matter Particle Explorer, das Hard X-ray Modulation Telescope und zahlreiche weitere Forschungssatelliten.
China verfügt auch über ein eigenes Satellitennavigationssystem namens „Beidou“. Die erste, lokale Ausbaustufe wurde 2003 in Betrieb genommen, Beidou 2 für den Asien-Pazifik-Raum 2012, und das weltweit nutzbare Beidou-3-System mit 5 Satelliten in geostationären Orbits, 27 in mittleren Orbits und 3 in geneigten geosynchronen Orbits am 31. Juli 2020.
Erste Pläne für ein bemanntes Weltraumprogramm gab es seit 1966. Am 14. Juli 1970 wurde dann das Shuguang-Projekt gestartet, nach dem Datum „Projekt 714“ genannt. Das der amerikanischen Gemini-Kapsel ähnelnde Raumschiff sollte zwei Raumfahrer in den Weltraum transportieren, doch politische und ökonomische Gründe ließen das Projekt scheitern. Am 21. September 1992 fiel der Startschuss für das Bemannte Raumfahrtprogramm der Volksrepublik China, nach dem Datum auch bekannt als „Projekt 921“. Am 5. Januar 1998 wurde das Raumfahrerkorps der Volksbefreiungsarmee aufgestellt, und am 15. Oktober 2003 fand der erste bemannte Raumflug Chinas statt. An Bord des Raumschiffs Shenzhou 5 befand sich Yang Liwei, der einen 21-stündigen Flug absolvierte. Der erste Außenbordeinsatz war während Shenzhou-7-Mission durch den chinesischen Raumfahrer Zhai Zhigang am 27. September 2008.
An der Internationalen Raumstation ISS ist das Land durch ein Veto der USA nicht beteiligt China betrieb dafür in den 2010er Jahren zwei eigene Weltraumlabors. Tiangong 1 startete am 29. September 2011. Darauf folgte am 31. Oktober 2011 die unbemannte Mission Shenzhou 8, welche im Orbit erstmals ein Andockmanöver mit dem Raumlabor durchführte. Die nachfolgende bemannte Mission Shenzhou 9 startete am 16. Juni, um das Andockmanöver zu wiederholen und Tiangong 1 zu besetzen. Ihr folgte Shenzhou 10, die im Juni 2013 an die Station andockte. Am 2. April 2018 trat Tiangong 1 über dem Südpazifik in die Erdatmosphäre ein und zerbrach in mehrere Teile.
Das Raumlabor Tiangong 2 mit einem im Vergleich zu Tiangong 1 stark überarbeiteten Lebenserhaltungssystem wurde am 15. September 2016 gestartet und von der zweiköpfigen Besatzung von Shenzhou 11 ab dem 18. Oktober 2016 einen Monat lang betrieben. Danach wurde dort 2017 erstmals ein unbemanntes Versorgungsraumschiff vom Typ Tianzhou getestet. Im Juli 2019 wurde Tiangong-2 kontrolliert zum Absturz gebracht.