Randolph Caldecott (* 22. März 1846 in Chester, England; † 12. Februar 1886 in St. Augustine, Florida USA) war ein britischer Illustrator, Maler und Modelleur.
Randolphs Vater John Caldecott war ein Geschäftsmann, der zweimal verheiratet war und dreizehn Kinder hatte. Randolph war das dritte Kind seiner ersten Frau, Mary Dinah (geb. Brookes).
Bereits in seiner frühen Kindheit zeichnete und schnitzte Caldecott, vor allem Tiere und Szenen aus dem Landleben. Er galt als Wunderkind. Während seiner Jugend war er dem Tod sehr nahe nach einem Anfall von Streptokokkenrheumatismus, besser bekannt als rheumatisches Fieber. Für den Rest seines Lebens litt er unter den Nachwirkungen dieser Krankheit. Nachdem er 1861 mit fünfzehn Jahren an der King Henry VIII School graduiert hatte, besorgte ihm sein Vater eine Lehrstelle bei der Whitchurch & Ellesmere Bank in Whitchurch, Shropshire. Das ländliche Leben sagte ihm sehr zu und er wanderte und ritt häufig über das Land, außerdem begann er zu jagen. Viele seiner Zeichnungen beschäftigen sich mit diesen Themen. 1861 veröffentlichte er seine erste Zeichnung über einen Brand des "Queen Railway Hotel" in Chester, zusammen mit einem Artikel in der Illustrated London News.
Nach sechs Jahren wechselte er zur Hauptstelle der Manchester & Salford Bank in Manchester 1867, wo er größere Möglichkeiten sah. In Abendkursen besuchte er die Manchester School of Art. Weitere Zeichnungen wurden in Zeitungen und Magazinen veröffentlicht. Er wurde auch Mitglied des Brasenose Club — ein Herrenclub, der die Künste und Wissenschaft förderte. 1870 kam Caldecott durch seinen Freund, den Londoner Maler Thomas Armstrong, mit dem Herausgeber der London Society, Henry Blackburn zusammen, der mehrere seiner Zeichnungen in der monatlich erscheinenden Zeitschrift veröffentlichte.
1872 kündigte Caldecott seine Stelle bei der Bank in Manchester und siedelte nach London über, wo er für diverse Magazine Illustrationen anfertigte, einschließlich Punch, Harper's Monthly, und der New York Daily Graphic. Im gleichen Jahr bot Blackburn Caldecott die Chance, ihn nach Deutschland zu begleiten und seine Reise in das Harzgebirge zu illustrieren. Das daraus entstandene Buch trug den Titel: The Harz Mountains: A Tour in the Toy Country (1873). 1880 wiederholten die beiden die gemeinsame Reise, dieses Mal nach Frankreich in die Bretagne. Auch hieraus entstand ein Buch: Breton Folk: An Artistic Tour in Brittany.
Er trat in die Slade School of Art ein, wo er unter Edward Poynter Malstudien aufnahm. Des Weiteren besuchte er die Bildhauerwerkstatt von Jules Dalou, der von 1871 bis 1876 in Chelsea im Exil lebte und danach zurück nach Frankreich ging. 1873 traf er eine Vereinbarung mit Jules Dalou, dass er diesem die englische Sprache beibringen und im Gegenzug Unterricht im Modellieren erhalten würde. In London freundete er sich mit vielen Künstlern wie Dante Gabriel Rossetti, George du Maurier, John Everett Millais und Frederic Leighton an.
Im Jahr 1872 wurde er in das Royal Institute of Painters in Water Colours aufgenommen.
Caldecott schaffte es, als „London artistic correspondent“ für die amerikanische Zeitung „Daily Graphic“ zur Internationalen Ausstellung von 1873 nach Wien entsandt zu werden.
The Pictorial World wurde am 7. März 1874 in London gegründet und Henry Blackburn war der Art Director der Illustrierten. Es war die Zeit der Wahlen und Blackburn bat Caldecott um eine Karikatur. William Ewart Gladstone unterlag wegen der „Home Rule“, der Frage der Selbstverwaltung Irlands.
Caldecotts erste Illustration für ein Kinderbuch erschien 1875 in Louisa Morgan's Baron Bruno: Or, the Unbelieving Philosopher, and Other Fairy Stories.
1876 wurde eines von Caldecotts Bildern zum ersten Mal in der Royal Academy ausgestellt.
Am 23. Januar 1874 erschien der Graveur James D. Cooper bei ihm. Caldecott solle überlegen, ob er das Sketch Book von Washington Irving (1783–1859) illustrieren wolle. Caldecott war nicht abgeneigt und so begann er mit der Illustrierung. Das Buch erschien mit dem Titel: Old Christmas: Selections from the Sketch-Book und wurde sehr gut aufgenommen. Darin sind Irvings nostalgische Erinnerungen an Weihnachtsbräuche in England im 19. Jahrhundert beschrieben. Später folgte "Bracebridge Hall".
Zusammenarbeit mit Edmund Evans
Dieses Buch erregte die Aufmerksamkeit von Edmund Evans, einem bekannten Drucker und Graveur, der erfolgreich mit Walter Crane zusammengearbeitet hatte mit einer Serie populärer Kinderbücher. Mitte der 1870er Jahre war jedoch ihre Zusammenarbeit über 12 Jahre zerbrochen, zum Teil durch Evans notorisch niedrige Ausgleichsrate und weil Crane anderen Interessen nachgehen wollte. Evans war auf der Suche nach einem passenden Ersatz.
1877 wurde Caldecott von Evans beauftragt, einige Illustrationen für zwei geplante Kinderbücher anzufertigen, die rechtzeitig zu Weihnachten erscheinen sollten: The House that Jack Built (1878) sowie die Erzählung von William Cowper (1731–1800) The Diverting History of John Gilpin (1878). Von Cowpers Buch gab es schon eine Ausgabe, die 1828 von George Cruickshank illustriert worden war. Dies erwies sich als so erfolgreich, dass Caldecott bis zu seinem Tod zweimal pro Jahr weitere Kinderbücher illustrierte. Außerdem unternahm er mehrere Reisen, während deren er Zeichnungen mit humorvollem Text anfertigte.
Zeitweilig war Caldecott als freier Mitarbeiter bei den Zeitschriften Punch und The Graphic tätig. Seine Zeichnungen für die „Daily Graphic“ in New York wurden alle durch Photo-Lithographie reproduziert und auf einer lithographischen Druckmaschine gedruckt.
Im Juni 1879 hielt sich Juliana Horatia Ewing in London auf und sie lernte hier Randolph Caldecott kennen, dessen Illustrationen zu Washington Irvings „Bracebridge Hall“ und „Old Christmas“ sie kannte und bewunderte. Sie fragte ihn, - als „Jacknapes“ noch in ihrem Gehirn köchelte – ob er für die ihr vorschwebende Erzählung eine kolorierte Zeichnung anfertigen könne. Aber als die Geschichte kurz vor dem Erscheinen stand und Julie Caldecott die Erzählung nicht zum Lesen schicken konnte, - darüber hinaus wurde für Farbdrucke eine längere Zeit benötigt - fragte sie Caldecott, ob er nicht eine Zeichnung anfertigen könne, die in eine der Szenerien passte. Sie schlug „einen blonden Jungen auf einem rothaarigen Pony“ vor, wobei sie sich einen ihrer Neffen gut vorstellen konnte, der es gewohnt war, den Hunden zu folgen. Dieser Farbdruck erschien mit der Geschichte in „Aunt Judy’s Magazine“, aber als sie 1873 als Buch gedruckt wurde, erschien die Zeichnung nur in schwarz-weiß und wesentlich kleiner. Caldecott steuerte noch Illustrationen zu einigen anderen Bücher von ihr bei und so ist es nicht verwunderlich, dass Horatia K. F. Gatty ihn nach dem Tod ihrer Schwester Julia, am 13. Mai 1885 in Bath, bat, eine Zeichnung zur Erinnerung anzufertigen. Es entstand ein rührendes Bild.
1879 zog er nahe Sevenoaks nach Kemsing in Kent um, wo er ein Jahr später Marian Brind heiratete. Die Ehe blieb kinderlos. 1882 zog das Paar nach Frensham, Surrey, um. Im selben Jahr wurde er zum Vollmitglied des Royal Institute of Painters in Water Colours gewählt. Caldecotts Bücher erreichten hohe Verkaufszahlen und wurden international beliebt.