An diesem Tag

Raman Pratassewitsch

Belarussischer Journalist und Aktivist

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Raman Dsmitryjewitsch Pratassewitsch (belarussisch Раман Дзмітрыевіч Пратасевіч, russisch Роман Дмитриевич Протасевич ‚Roman Dmitrijewitsch Protassewitsch‘; * 5. Mai 1995 in Minsk) ist ein belarussischer Fernsehmoderator des staatlichen Senders CTV. Zuvor war er bekannt geworden als Dissident, Journalist und Blogger und Oppositions-Aktivist. Er war Chefredakteur des Warschauer Nachrichtenkanals Nexta, der sich gegen das autoritär-diktatorische Regime Aljaksandr Lukaschenkas positioniert.

Nach der erzwungenen Landung von Ryanair-Flug 4978 am 23. Mai 2021 wurde Pratassewitsch in Minsk festgenommen und galt als politischer Gefangener. Am 22. Mai 2023 wurde er begnadigt.

Aktivitäten in der belarussischen Opposition

Raman Pratassewitsch ist seit seiner Jugend Oppositionsaktivist und nahm in den frühen 2010er Jahren an Protesten teil. Er war Vize-Leiter einer großen Anti-Lukaschenka-Gruppe im sozialen Netzwerk VKontakte, bis diese 2012 von den Behörden gehackt wurde. Er trat in die Fakultät für Journalismus der Belarussischen Staatlichen Universität ein, wurde aber bald darauf der Universität verwiesen.

2014 war Pratassewitsch beim Euromaidan in Kiew und anschließend nach eigenen Aussagen für ein Jahr als Kriegskorrespondent im Kriegsgebiet tätig, dabei wurde er nach eigenen Angaben verwundet. Laut Asow-Kommandeur Andrij Bilezkyj begleitete er in seiner Funktion als Journalist Angehörige des Regiments Asow und anderer Einheiten in der Ostukraine.

Nach seiner Verhaftung 2021 in Belarus (siehe #Verhaftung im Mai 2021) erhob die Generalstaatsanwaltschaft der international nicht anerkannten „Volksrepublik Lugansk“ Anklage gegen Pratassewitsch. Dieser sei im Sommer 2014 dem Asow-Bataillon beigetreten und habe als stellvertretender Kommandeur einer Einheit im Donbass gekämpft. Laut Oleksij Kusmenko vom Recherchenetzwerk Bellingcat gebe es keine Beweise, dass Pratassewitsch in den Reihen von Asow in der Ukraine gekämpft habe. Eine frühere Äußerung des Vaters in einem Interview mit Nastoyaschye Vremya, sein Sohn habe auf der ukrainischen Seite „gekämpft“, wurde von ihm später dementiert und als falsche Auslegung bezeichnet. Auch die Mutter dementierte eine militärische Rolle, er sei als Fotograf und freischaffender Journalist dort gewesen.

Tätigkeit als Journalist in Belarus

Ab März 2019 war er Fotograf von Eurapejskaje Radyjo dlja Belarussi und arbeitete beim Treffen der Regierungschefs von Österreich (Sebastian Kurz) und Belarus (Sjarhej Rumas) in Minsk. Er arbeitete ferner für die belarussische Ausgabe von Radio Free Europe / Radio Liberty.

Tätigkeit für den Telegram-Kanal Nexta

Ende 2019 verließ Pratassewitsch Belarus. 2020 schloss er sich dem von Szjapan Puzila gegründeten Telegram-Kanal Nexta an. Im August 2020, nachdem die belarussischen Behörden versucht hatten, den Internetzugang während der Präsidentschaftswahlen 2020 zu sperren, wurde Nexta zu einer der Hauptinformationsquellen über die Proteste gegen die manipulierten Wahlen und begann, die Proteste zu koordinieren. Nexta veröffentlichte außerdem als Erstes Bilder der Gewalt und Folter durch Sicherheitskräfte. Der Kanal sowie der Schwesterkanal Nexta Live hatten 2021 zusammen rund 2.000.000 Abonnenten. Im September 2020 verließ Pratassewitsch Nexta. Seine Eltern zogen wie auch Pratassewitsch ins Ausland, nachdem wegen Ramans Aktivitäten sein Vater als Offizier in der Armee degradiert und seiner Mutter als Lehrerin an einer Militärakademie gekündigt worden war.

Am 5. November 2020 wurden Pratassewitsch und Puzila wegen der Organisation von Massenunruhen (Artikel 293 des belarussischen Strafgesetzbuches), Handlungen, die die öffentliche Ordnung grob verletzen (Artikel 342) und Anstiftung zu sozialer Unruhe aufgrund beruflicher Zugehörigkeit (Artikel 130, Absatz 3) angeklagt. Er bat in Polen um politisches Asyl, erhielt dies allerdings wegen fehlender Dokumente nicht. Eine Auslieferung wurde seitens der EU abgelehnt und missbilligt, u. a. nachdem der belarussische Geheimdienst KGB Pratassewitsch am 19. November 2020 auf eine Liste von am Terrorismus beteiligten Personen aufgenommen hatte. Im Herbst 2020 zog Pratassewitsch nach Vilnius.

Am 2. März 2021 gab Pratassewitsch bekannt, dass er für den Telegram-Kanal @belamova zu arbeiten begonnen habe, der zuvor von einem inhaftierten Blogger, Ihar Lossik, herausgegeben worden war.

Verhaftung im Mai 2021 / Verurteilung und Begnadigung im Mai 2023

Am 23. Mai 2021 wurde der Ryanair-Flug 4978 von Athen nach Vilnius mit Pratassewitsch an Bord vom belarussischen Flugsicherheitsdienst über eine mögliche Bombe an Bord informiert und zum Minsker Nationalflughafen umgeleitet. Die Bombenwarnung stellte sich später als Vorwand heraus, um das Flugzeug zur Landung in Belarus zu zwingen.

In Minsk wurde Pratassewitsch aus dem Flugzeug abgeführt und verhaftet, ebenso seine russische Freundin, die Studentin Sofja Sapega. Der Vorfall sorgte für internationale mediale Aufmerksamkeit und einen diplomatischen Eklat.

In einem Tweet vom 23. Mai 2021 erklärte die im Exil lebende belarussische Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja, dass Pratassewitsch aufgrund dieser Anschuldigungen in Belarus die Todesstrafe drohe. Anderen Quellen zufolge könnten die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen eine Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren nach sich ziehen. Am 24. Mai 2021 veröffentlichten acht belarussische Organisationen, darunter Wjasna und das Belarussische Helsinki-Komitee, eine gemeinsame Erklärung, in der Pratassewitsch als politischer Gefangener bezeichnet wurde.

Über den Verbleib von Pratassewitsch nach seiner Verhaftung am 23. Mai 2021 gab es zunächst keine gesicherten Informationen. Am Abend des 24. Mai 2021 wurde in einem staatsnahen Nachrichtenkanal ein Video von Pratassewitsch veröffentlicht. Darin sagte er, er sei im Untersuchungsgefängnis Nr. 1 in Minsk. Er habe keine Probleme mit dem Herzen oder anderen Organen und sei bei guter Gesundheit; die Wärter würden ihn respektvoll behandeln und er kooperiere mit der Polizei. Er gestand in dem Video auch die in Belarus unter Strafe stehende Organisation von Massenprotesten. Die Mutter Pratassewitschs wies darauf hin, dass die linke Wange ihres Sohnes geschwollen war und nach unten hing: „Selbst unter der Schminke sieht man eine gelbliche Färbung – vermutlich wurden Blutergüsse mit Puder überdeckt.“ Weiterhin seien am Hals Würgemale zu erkennen. Sie sei sich sicher, dass man ihm auf die Nase geschlagen und diese möglicherweise gebrochen habe. Zuvor hatten bereits andere Oppositionelle und Beobachter geäußert, dass Pratassewitsch „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ gefoltert werde.

Am 31. Mai 2021 übernahm Cem Özdemir, Mitglied des Deutschen Bundestages, die Patenschaft für den politischen Gefangenen.

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