Ram Narayan (Hindi राम नारायण; Rām Nārāyaṇ; Aussprache [ˈraːm naːˈraːjn]; * 25. Dezember 1927 in Udaipur; † 9. November 2024 in Bandra (Mumbai)) war ein indischer Musiker, der das Streichinstrument Sarangi als Solokonzertinstrument in der klassischen nordindischen Musik etabliert hat und der der erste international erfolgreiche Sarangi-Spieler wurde.
Narayan erlernte das Sarangi-Spiel schon in früher Jugend. Er übte mit Sängern und anderen Sarangi-Spielern und arbeitete schon im jugendlichen Alter als Musiklehrer und reisender Musiker. All India Radio, Lahore, stellte Narayan 1944 als musikalischen Begleiter von Sängern ein. Nach der Teilung Indiens 1947 zog er nach Delhi und 1949 nach Mumbai, um bei der Film-Herstellung mitzuarbeiten.
Bald befriedigte ihn die Gesangsbegleitung nicht mehr. Er wollte Solist werden. Nach einem erfolglosen Versuch im Jahr 1954 wurde Narayan 1956 Konzertsolist und gab die Musikbegleitung später ganz auf. Er gab Soloalben heraus und tourte ab den 1960er Jahren durch Amerika und Europa. Narayan unterrichtete indische und ausländische Studenten und trat, häufig außerhalb Indiens, bis nach 2000 öffentlich auf. 2005 wurde ihm Indiens zweithöchster Zivilorden, der Padma Vibhushan, verliehen.
Ram Narayan wurde am 25. Dezember 1927 in Udaipur im Nordwesten Indiens geboren. Sein Ururgroßvater, Bagaji Biyavat, war ein Sänger aus Amber, und er und Narayans Urgroßvater, Sagad Danji Biyavat, sangen am Hof des Maharanas von Udaipur. Narayans Großvater, Har Lalji Biyavat, und Vater, Nathuji Biyavat, waren Bauern und Sänger, Nathuji spielte das Streichinstrument Dilruba und Narayans Mutter war eine Musikliebhaberin. Narayans Muttersprache war Rajasthani, er lernte Hindi und später Englisch. Mit ungefähr sechs Jahren fand Narayan eine kleine Sarangi, die vom Ganga Guru der Familie, einem Genealogen, zurückgelassen wurde, und sein Vater brachte ihm eine selbst entwickelte Fingersatztechnik bei. Narayans Vater unterrichtete ihn, aber sorgte sich über die Schwierigkeit des Instruments und dessen geringes soziales Ansehen auf Grund seiner Verbindung zur Musik der Kurtisanen. Nach einem Jahr bat Biyavat den Sarangi-Spieler Mehboob Khan aus Jaipur seinen Sohn zu unterrichten, aber änderte seine Meinung als Khan ihm sagte, Narayan müsse seine Fingersatztechnik ändern. Narayans Vater ermutigte ihn später die Schule aufzugeben und sich auf das Sarangi-Spielen zu konzentrieren.
Mit ungefähr zehn Jahren lernte Narayan die Grundlagen des Dhrupad kennen, des ältesten Stils nordindischer Musik, durch Beobachtung und Nachahmung der Übungen von Sarangi-Spieler Uday Lal aus Udaipur, einem Schüler der Dhrupad-Sänger Allabande und Zakiruddin Dagar. Giridhari Lal und Jahauddin Khan waren andere Lehrer, von denen Narayan in Udaipur lernte. Nach dem Alterstod Uday Lals traf Narayan den Wandermusiker Madhav Prasad, der ursprünglich aus Lakhnau stammte und am Hof von Maihar aufgetreten war. Mit Prasad führte Narayan das Ganda Bandhan durch, eine traditionelle Bindungszeremonie zwischen Lehrer und Schüler, in der Narayan Gehorsamkeit schwor im Ausgleich für Lehre und Unterhalt durch Prasad. Narayan diente Prasad und wurde in Khyal, dem verbreitetsten Stil nordindischer Musik, unterrichtet, aber kehrte nach vier Jahren nach Udaipur zurück, um in einer Musikschule zu lehren. Prasad besuchte Narayan später und überzeugte ihn, seine Position aufzugeben und daran zu arbeiten, ein besserer Musiker zu werden. Die Idee eine gesicherte Existenz für das Leben eines wandernden Musikers aufzugeben wurde von Narayans Familie schlecht aufgenommen. Er blieb bei Prasad und reiste durch mehrere indische Fürstenstaaten bis Prasad erkrankte und ihm riet in Lahore vom Sänger Abdul Wahid Khan zu lernen. Nach Prasads Tod in Lakhnau führte Narayan das Ganda Bandhan mit einem anderen Lehrer durch, der ihm Stunden gab, aber reiste bald nach Lahore ab und wiederholte die Zeremonie nie wieder.
Narayan reiste 1944 nach Lahore und versuchte Arbeit in einem Filmstudio zu finden, aber war erfolglos. Stattdessen sang er bei der lokalen Station von All India Radio (AIR) vor, aber der Musikproduzent der Station, Jivan Lal Mattoo, bemerkte Spuren an Narayans Fingernägeln. Eine Sarangi wird gespielt, indem die Fingernägel seitlich gegen drei Spielsaiten gedrückt werden, was die Nägel belastet. Mattoo stellte Narayan anschließend als Begleitmusiker für Sänger ein. Traditionell sollen die Sarangi und andere Saiteninstrumente sowie das Harmonium den Gesang nachahmen, die Melodielinie des Gesangs ergänzen und Lücken zwischen Phrasen füllen, wenn der Sänger atmet und eine neue Phrase vorbereitet. Mattoo gab Narayan einen Wohnraum, leitete seine Übungen an und half ihm später den Khyal-Sänger Abdul Wahid Khan zu kontaktieren, unter dessen strenger Anleitung Narayan in Gesangsstunden vier Ragas lernte. Narayan waren gelegentlich Soloauftritte bei AIR erlaubt und er begann über eine Solokarriere nachzudenken.
Nach der Teilung Indiens 1947 zog Narayan nach Delhi und spielte in der dortigen AIR Station. Seine Arbeit für bekannte Sänger bereicherte sein Repertoire und stilistisches Wissen. Narayan spielte mit den klassischen Sängern Omkarnath Thakur, Bade Ghulam Ali Khan, Hirabai Badodekar und Krishnarao Shankar Pandit, und er begleitete Sänger Amir Khan 1948, als dieser das erste Mal nach der Teilung bei AIR Delhi sang. Als Begleiter für Sänger zeigte Narayan seine eigenen Fertigkeiten und weigerte sich, im Hintergrund zu bleiben. Er wurde berüchtigt unter den Sängern der Stadt, die sich beschwerten, dass Narayan kein zuverlässiger Begleiter und zu eigensinnig sei, aber er beharrte darauf, dass er Sänger in Stimmung halten und sie zu freundlichem Wettstreit inspirieren wolle. Andere Tabla-Spieler und Sänger, darunter Omkarnath Thakur und Krishnarao Shankar Pandit, bekannten öffentlich ihre Anerkennung für Narayans Spiel.
Narayan war frustriert über seine Unterstützerrolle für Sänger und zog 1949 nach Mumbai um freiberuflich in Film- und Musikindustrie zu arbeiten. Er nahm 1950 drei solo 78 min−1 Schallplatten für das britische His-Master’s-Voice-Unternehmen auf und spielte 1951 in Mumbai eine 10 Zoll Langspielplatte ein, aber das Album war nicht erfolgreich. Narayans Kompositionen und Aufführungen waren in der Filmindustrie der Stadt begehrt, die ein stetes Einkommen anbot, sowie Anonymität, um sein Ansehen unter klassischen Musikern nicht zu verringern. Für die nächsten 15 Jahre spielte und komponierte er Lieder für Filme; Narayan komponierte für Humdard, Adalat und Gunga Jumna, und spielte unter anderem für Adalat, Noorjehan, Mughal-e-Azam und Kashmir Ki Kali. Er wurde als ein Lieblingskünstler von Filmmusikkomponist O. P. Nayyar angesehen.
Narayan trat 1952 in Afghanistan und 1954 in China auf und wurde in beiden Ländern wohlwollend empfangen. Sein erstes Solokonzert 1954 auf einem Musikfestival in der Cowasji Jehangir Hall in Mumbai wurde von einem ungeduldigen Publikum vereitelt, das auf Auftritte von berühmten Musikern wartete und ihn von der Bühne trieb. Narayan spielte mit dem Gedanken, die Sarangi zu Gunsten von Gesang aufzugeben. Später erlangte er sein Selbstvertrauen zurück, spielte solo für kleineres Publikum und wurde gut aufgenommen, als er 1956 erneut solo für ein Musikfestival in Mumbai spielte. Narayan gab die musikalische Begleitung in den frühen 1960er Jahren auf; diese Entscheidung war mit finanziellem Risiko verbunden, da Nachfrage nach Solo-Sarangi erst noch entstehen musste.
Nachdem Sitar-Spieler Ravi Shankar erfolgreich vor westlichem Publikum aufgetreten war, folgte Narayan seinem Beispiel. Er begann Soloalben aufzunehmen und ging im Jahr 1964 auf seine erste internationale Tour durch Amerika und Europa, begleitet von seinem älteren Bruder Chatur Lal, einem Tabla-Spieler, der mit Ravi Shankar in den 1950er Jahren getourt war. Die europäische Tour schloss Auftritte in Frankreich, Deutschland, unterstützt vom Goethe-Institut, und beim City of London Festival in England ein. Seit den 1960ern lehrte und spielte Narayan häufig außerhalb Indiens. Auf Touren in den Westen begegnete Narayan Interesse für die Sarangi wegen ihrer Ähnlichkeit mit Cello und Geige. Der Tabla-Spieler Suresh Talwalkar wurde ein häufiger Begleiter für Narayan in den späten 1960ern. Narayan fuhr für die nächsten Jahrzehnte fort, in Indien und im Ausland aufzutreten und Musik aufzunehmen, und seine Alben erschienen auf Plattenlabels in Indien, Amerika und Europa. Während der frühen 1980er Jahre verbrachte er üblicherweise Monate jeden Jahres in westlichen Ländern. Narayan trat in den 2000ern weniger häufig auf.