Rainer Marr (* 17. Juli 1942 in Gotha) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er war von 1974 bis 2007 Professor an der Universität der Bundeswehr München und von 1991 bis 1995 Gastprofessor an der Technischen Universität Chemnitz. Von 2003 bis 2006 war er zudem Vorsitzender des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultätentages. Marr hat sich insbesondere auf dem Gebiet der Personalforschung hervorgetan. Er gilt als „MBA-Pionier“ in Deutschland und ist der „wissenschaftliche Vater“ des Personalmanagement-Professionalisierungs-Index (pix) der Deutschen Gesellschaft für Personalführung.
Herkunft und betriebswirtschaftliches Studium
Rainer Marr wurde in Gotha, im damaligen Land Thüringen, geboren. Er studierte von 1962 bis 1967 Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und legte das Examen zum Diplom-Kaufmann ab. Von 1968 bis 1973 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl des Produktions- und Kostentheoretikers Edmund Heinen, der das Institut für Industrieforschung und betriebliches Rechnungswesen leitete. 1970 wurde er bei Heinen mit der Dissertation Industrielle Forschung und Entwicklung. Entscheidungs- und systemtheoretische Aspekte zum Dr. oec. publ. promoviert und 1974 habilitierte er sich, ebenfalls mit einer von Heinen betreuten Arbeit (Das Sozialpotential betriebswirtschaftlicher Organisationen. Zur Entwicklung eines Personalinformationssystems auf der Grundlage der innerbetrieblichen Einstellungsforschung). Geprägt haben ihn in dieser Zeit die verhaltens- und entscheidungstheoretischen Entwicklungen innerhalb der Betriebswirtschaftslehre.
Tätigkeit an der Universität der Bundeswehr München
Lehrstuhlinhaber, Gründungsdekan und Institutsleiter
Ab 1973 war er zunächst Vertreter des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre I und wurde ein Jahr später Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Entscheidungs- und Organisationsforschung, Personalwirtschaft an der Universität der Bundeswehr München in Neubiberg. Nach mehr als dreißigjähriger Tätigkeit wurde er 2007 emeritiert. Danach vertrat den Lehrstuhl Alexander Fliaster, ein Assistent Marrs, bis 2009 Stephan Kaiser Nachfolger wurde. Marr war Gründungsdekan der Fakultät für Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Bundeswehruniversität. Er leitete dort das 19-köpfige Institut für Personal- und Organisationsforschung. Die Studentenzahl betrug zwischen 35 und 40 Personen. Marr betreute mehrere wissenschaftliche Arbeiten. Zu seinen akademischen Schülern und Mitarbeitern gehörten auch nachmalige Hochschulprofessoren u. a. Michael Stitzel (FU Berlin), Heidrun Friedel-Howe (UniBw München), Silke Wickel-Kirsch (Hochschule RheinMain), Regine Graml (Frankfurt University of Applied Sciences), Martin Elbe (HAM Erding), Alexander Fliaster (Otto-Friedrich-Universität Bamberg) und Andreas von Schubert (Hochschule Wismar).
Das Institut organisierte ab 1987 das Münchner Personalforum, eine Dialogveranstaltung zwischen Wissenschaft und Praxis, die sich mit aktuellen Fragen des Personalmanagements auseinandersetzte. 2007 wurde das Münchner Personalforum zuletzt zum 15. Mal ausgerichtet. Neben mehreren Personalvorständen von großen Unternehmen waren im Laufe der Zeit auch Landespolitiker und Wissenschaftler wie Hans Jürgen Drumm (Universität Regensburg), André Habisch (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt), Franz Josef Radermacher (Universität Ulm), Ralf Reichwald (TU München), Sonja A. Sackmann (UniBw München) und Rolf Wunderer (Universität St. Gallen) Referenten. Wiederholt berichtete das Handelsblatt von der Veranstaltung.
Gesellschaft zur Förderung der Weiterbildung und MBA-Programme
Seit 1987 ist er Vorsitzender des Vorstands der gemeinnützigen und mit der Universität verbundenen Gesellschaft zur Förderung der Weiterbildung an der Universität der Bundeswehr München e. V. (gfw). Er gilt gemeinsam mit der gfw und der Universität des Saarlandes als „Pionier“ für MBA-Programme in Deutschland. 1989 war er „Spiritus rector“ für den „Henley MBA (Distance Learning)“, ein berufsbegleitendes Fernstudium in Kooperation von gfw mit dem britischen Henley Management College in Reading. In einer Zeitspanne von zehn Jahren sollen insgesamt 140 Absolventen den European Executive MBA durchlaufen haben.
Darüber hinaus war er für weitere Konzeptionen verantwortlich. So initiierte er 2006 den ausschließlich für Offiziere zugeschnittenen international und praxisorientierten MBA „International Management“ an der Hochschule Reutlingen und der Universität der Bundeswehr München. Dieser wird zu einem nicht unerheblichen Teil durch den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD) getragen. Federführend war er auch an der Ausarbeitung eines Human-Resource-Masters beteiligt, ursprünglich für die Bundeswehruniversität vorgesehen, der nach Verzögerung mit erneuten Anlaufen 2011 als „Executive Master of Leadership in Human Resource Management“ unter der Leitung von Ingo Weller an der LMU München anlief. Marr ist Mitglied im Beirat.
Gastprofessur und weitere Verpflichtungen
Von 1991 bis 1995 wirkte er als Gastprofessor an der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau, wo er zunächst der Gründungskommission der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften angehörte. Er baute die Fakultät mit auf, die bis heute einen Schwerpunkt auf Personal legt. Marr war von 2009 bis 2014 Akademieleiter und Vorsitzender des Vorstands der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie e. V. (VWA) München. 2011 wurde er in den Bundesvorstand der VWA gewählt.
Er begründete die Wissenschaftlichen Kommissionen „Personalwesen“ (1976) und „Organisation“ (1977) im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. (VHB) mit. Von 1980 bis 1982 war er Vorsitzender der Kommission Personalwesen und zuvor von 1975 bis 1982 Vorstandsbeiratsmitglied des Verbandes. Gemeinsam mit Karl-Friedrich Ackermann und Eduard Gaugler und Praktikern aus der Wirtschaft erarbeitete er im Auftrag der Schmalenbach-Gesellschaft ein Curriculum zur Humanvermögensrechnung.
Von 2003 bis 2006 war er Vorsitzender des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultätentages (WiSoFT).
Marr ist Autor zahlreicher Bücher (erschienen auch in Russland und Spanien), von Beiträgen in Sammelbänden (ca. 50) und von Zeitschriftenaufsätzen (ca. 30). So publizierte er in deutsch- und englischsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften u. a. in der Zeitschrift für Personalforschung, in Die Betriebswirtschaft, in Die Unternehmung, im Journal of Change Management und in Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung sowie in führenden Fachmagazinen für Personalwesen. Er verfasste Lexikonbeiträge in renommierten Nachschlagewerken wie der Enzyklopädie der Betriebswirtschaftslehre und der International Encyclopedia of Business and Management. Ab 1982 war er gemeinsam mit Ralf Reichwald (TU München) Herausgeber der Schriftenreihe Mensch und Arbeit im technisch-organisatorischen Wandel im Fachverlag Erich Schmidt.
Der von Marr bearbeitete Themenbereich umfasst u. a. Personalmanagement, Personalcontrolling und Human Resource Management. Er widmet sich in seinen Schriften immer wieder der individuellen Führung in Organisationen. In seiner Festschrift wird Marr ein Pragmatismus im Sinne Immanuel Kants attestiert, der auch auf die Sittlichkeit, d. h. Ethik und Moral, abstellt.
Ein Teil von Marrs Nachlass befindet sich heute im Universitätsarchiv der Universität der Bundeswehr München.
Studien- und Forschungsergebnisse