Rainer Assmann (* 3. Juli 1935 in Berlin-Dahlem; † 3. Mai 2026 in Schleswig) war ein deutscher Richter, Studentenhistoriker und Landeshistoriker Südwestfalens.
Assmann entstammt einer der ältesten Familien Lüdenscheids. Seine Eltern sind der Kaufmann Eberhard Assmann und seine Frau Lore geb. Westhooven. 1943 wurde die Familie aus Berlin nach Oeckinghausen evakuiert. Die Urgroßeltern hatten dort das Haus Winkhaus gebaut.
Assmann besuchte das Zeppelin-Gymnasium (Lüdenscheid). Nach dem Abitur begann er 1956 an der Eberhard Karls Universität Tübingen Rechtswissenschaft und Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Am 3. Mai 1956 wurde er im Corps Rhenania Tübingen aktiv. Am 5. Dezember 1956 recipiert, bewährte er sich als Senior. Nach sechs Mensuren wurde er am 24. Februar 1958 inaktiviert. Er wechselte an die Georg-August-Universität Göttingen. Nachdem er 1961 am Oberlandesgericht Celle das Referendarexamen bestanden hatte, absolvierte er das Referendariat unter anderem an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer. Nachdem er 1965 in Düsseldorf die Assessorprüfung bestanden hatte, ging er 1966 zu einem Wirtschaftsverband in Münster. 1967 wechselte er zur Rechtspflege der Bundeswehr. Er wurde Rechtsberater/Wehrdisziplinaranwalt beim Wehrbereichskommando III in Düsseldorf, beim I. Korps in Münster (1971) und unter Ernennung zum Regierungsdirektor RB/WDA der 2. Panzergrenadierdivision in Kassel (1977). 1989 wurde er Richter kraft Auftrags und 1990 Vorsitzender Richter am Truppendienstgericht in Kassel. 1994/95 wurde er als 2. Vertreter, von 1996 bis 1999 als 2. Mitglied in den Präsidialrat beim Bundesverwaltungsgericht gewählt. Mit Erreichen der Altersgrenze wurde er im Jahre 2000 pensioniert. Assmann war seit 1964 mit der Apothekerin Dagmar Maiweg verheiratet, einer Tochter seines Corpsbruders Niels Maiweg (1902–1974). Das Ehepaar hatte drei Kinder und lebte zuletzt in Schwansen. Rainer Assmann verstarb am 3. Mai 2026.
Ehrenmitglied des Corps Rhenania Tübingen (1999)
Bundesverdienstkreuz am Bande (2000)
Gefördert von seinem Lehrer Wilhelm Sauerländer, schrieb Assmann bereits in der Schulzeit Beiträge zur Geschichte des Raumes Lüdenscheid. Seit dem Studium befasst er sich in Forschungen, Vorträgen und Veröffentlichungen mit Wehrrecht, Universitätsgeschichte und Verfassungsgeschichte. Über 42 Jahre – von 1965 bis 2007 – war er Archivar seines Corps. Er veröffentlichte über 100 Untersuchungen und über 500 Buchbesprechungen zur deutschen Studentengeschichte. Er begründete 1978 die Schriftenreihe Archiv Corps Rhenania zu Tübingen, seit 2008 fortgeführt von Richard Backhaus. 1984 wurde er Schriftleiter, 1990 auch Herausgeber der Beiträge zur Deutschen Studentengeschichte, seinerzeit offizielles Organ der Deutschen Studentenhistoriker. Seit 1996 werden die Beiträge mit dem Untertitel Beiträge – Erlesenes zur Deutschen Studentengeschichte fortgeführt.
Teutonia Tübingen, das Corps von Carl-Ludwig Sand (Tübinger Studentenschaft nach den Befreiungskriegen), Bd. 18 (1973), S. 155–157
„Morgenröthe der neuen Freiheit“ – Tübinger Studentenschaft am Ende der Restauration. Der Brief vom 26. Mai 1848 des „Bruder und Stifter“ Alexander Widmann an die Rhenania. Bd. 19 (1974), S. 26–29. Google Books
Corpsstudentisches Mobiliar, Bd. 19 (1974), S. 73–75
„Grüße und Küsse Dein Jettchen“. Der Curone Ernst Seraphim als Student in Dorpat, Berlin, Göttingen und Heidelberg 1815–1818, Bd. 19 (1974), S. 168–172
Wer rührt sich? Pereat, den soll der Teufel fressen! – Student, Jena, Mitte 18. Jahrhundert (J.J. Kaendler, Meißen). Bd. 20 (1975), S. 175–177. Google Books
Die Suspensionszeit des Tübinger SC im Dritten Reich und während der Besatzungszeit. Zur Geschichte der Tübinger SC-Kameradschaft Theodor Körner. Bd. 21 (1976), S. 153–172. Google Books
Kameradschaftsliste und Verzeichnis der Kameradschaftsführer der Tübinger SC-Kameradschaft Theodor Körner (WS 1937/38 bis WS 1944/45). Bd. 21 (1976), S. 173–184
„Wir brauchen die ganze Straße“. Der Brief des Tübinger Vandalen Anton Bürckle, sp. Rhenaniae Tübingen, über das SS 1838 in München. Bd. 21 (1976), S. 199–201
Rhenania c/a Suevia III Tübingen 1830. Bd. 22 (1977), S. 241–242. Google Books
Rhenania I – Allemannia I – Rhenania II (Stiftung und Vorgeschichte des Corps Rhenania zu Tübingen). Gleichzeitig ein Beitrag zur Frühgeschichte des Tübinger SC 1825–1829. Bd. 23 (1978), S. 269–284.
Studentische Verbindungen an der 500jährigen Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Bd. 23 (1978), S. 285–290.
Pfeifenkopf der Verbindung Obersuevia zu Tübingen . Bd. 23 (1978), S. 291–293.