Rafiq Baha'eddin al-Hariri (arabisch رفيق بهاء الدين الحريري, DMG Rafīq Bahāʾ ad-Dīn al-Ḥarīrī; * 1. November 1944 in Sidon; † 14. Februar 2005 in Beirut) war Unternehmer, Selfmade-Millionär und libanesischer Politiker. Seine Investitionen haben maßgeblich zum Wiederaufbau Beiruts in den 1980er Jahren beigetragen. Von 1992 bis 1998 sowie zwischen 2000 und 2004 führte er als Ministerpräsident insgesamt fünf Regierungen. Wenige Monate nachdem er sein Amt aus Protest gegen die politische Einflussnahme des Nachbarlandes Syrien niedergelegt hatte, kam er bei einem Bombenattentat auf seinen Fahrzeugkonvoi ums Leben.
Syrien bestritt jede Beteiligung am Anschlag. Die Berichte der von den Vereinten Nationen eingesetzten Untersuchungskommission weisen darauf hin, dass Mitglieder syrischer und libanesischer Geheimdienste, möglicherweise sogar höchste Regierungskreise in den Anschlag verwickelt waren oder zumindest im Vorfeld davon wussten.
Hariri wurde 1944 in der libanesischen Hafenstadt Sidon geboren. Er wuchs mit seinem Bruder Schafiq und seiner Schwester Bahiya (auch Bahia) als Sohn einer sunnitischen Familie auf. Im Anschluss an die Schule studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Arabischen Universität in Beirut.
1965 verließ er den Libanon, um in Saudi-Arabien für ein Anlagenbau-Unternehmen zu arbeiten. Dort heiratete er noch im gleichen Jahr Nazik Audeh. 1969 gründete er das Anlagenbau-Unternehmen CICONEST. Mit diesem profitierte er vom Ölpreisboom der 1970er Jahre. Er wurde in wenigen Jahren reich und wurde 1978 von der königlichen Familie der Saudis zum Staatsbürger und zum Botschafter des Königreichs in London ernannt. Hariri kaufte 1979 die Firma Saudi Oger und gründete Oger International mit Sitz in Paris. Bald interessierte er sich auch für Banken, das Ölgeschäft und die Telekommunikation.
Ab 1982 spendete er mehrere Millionen Dollar für libanesische Kriegsopfer, eine Vielzahl anderer wohltätiger Zwecke und begann auch unternehmerisch massiv in den Wiederaufbau des Libanon zu investieren. 1992 kehrte er nach Beirut zurück; 1993 gründete er den Fernsehsender Future TV und seine eigene Tageszeitung al-Mustaqbal (The Future).
Bereits während des Bürgerkriegs hatte sich Hariri politisch hinter den Kulissen für ein baldiges Kriegsende engagiert. So war er 1989 am Abkommen von Taif zwischen den verfeindeten Parteien beteiligt, das 1990 zum Frieden führte. Da er der Gruppe der Sunniten angehörte, die nach libanesischer Verfassung von 1999 zur Wahrung konfessioneller Parität den Regierungschef stellt, konnte er sich 1992 zur Wahl stellen. Als Ministerpräsident bildete er am 22. Oktober 1992 seine erste Regierung, legte sein Amt aber 1998 wegen massiver politischer Einflussnahme aus Syrien nieder. Syrien war es kurz zuvor gelungen, dem damaligen Oberbefehlshaber der Armee Émile Lahoud durch eine Änderung der libanesischen Verfassung den Weg zur Präsidentschaft zu ebnen. Dessen Kandidatur wäre anderenfalls nicht direkt aus dem militärischen Amt möglich gewesen, sondern erst nach dreijähriger Wartefrist. Im Jahr 2000 stellte sich Hariri noch einmal zur Wahl und bildete eine zweite Regierung. Auch diese endete 2004 mit seinem Rücktritt, nachdem die sechsjährige Amtszeit des Staatspräsidenten durch Verfassungsänderung auf erneuten syrischen Druck zugunsten Lahouds um 3 Jahre (bis 2007) verlängert wurde.
1994 leitete er das Projekt zum Wiederaufbau des durch den Krieg völlig zerstörten Stadtkerns von Beirut ein, wobei er erneut auch große Summen aus seinem Privatvermögen aufwendete. Auch historische Gebäude wurden abgerissen. Megaprojekte wie die Beirut Souks und weitere Luxusimmobilien wurden in der Stadt gebaut. Seine Firma Solidere war nicht nur maßgeblich am Wiederaufbau dieses Stadtkerns beteiligt, große Teile der City gehören inzwischen dem Hariri-Clan. Im Volksmund heißt dieser Teil der Stadt daher auch „Hariri-City“.
Im Februar 2001 und November 2002 führte Hariri die libanesische Delegation bei den Pariser Konferenzen über die Zukunft des Libanon. Die Konferenzen führten u. a. zu einer Unterstützung Libanons durch die Weltbank. Seine Politik führte jedoch auch zu stark anwachsender Staatsverschuldung, was einen Anstieg der Zinsen und damit einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum zur Folge hatte. Seine Gegner kritisierten, die Korruption nehme zu. Sie warfen ihm vor, seine politischen Interessen mit denen als Libanons einflussreichster Unternehmer für seine zahllosen Firmen und Beteiligungen zu vermengen.
Er starb am 14. Februar 2005 in Beirut bei einem Autobombenanschlag. Er hinterließ seine Frau Nazik und sieben Kinder.
Die Autobombe detonierte, als der Autokonvoi Hariris die Corniche, die Küstenstraße Beiruts, entlangfuhr. Die Bombe verwüstete auch eine Filiale der britischen HSBC-Bank im Bezirk Minet el-Hosn, neben der die Bombe platziert worden war. Auch das gegenüber liegende Phoenicia International Hotel wurde beschädigt. 23 Menschen starben und mehr als 100 wurden verletzt.
In einem Video behauptete ein Mann, eine Gruppe namens an-Nusra wa l-Dschihad fi Bilad asch-Scham (zu deutsch: Unterstützung und Dschihad im Land von Groß-Syrien) hätte Hariri getötet, weil dieser ein „Agent des saudi-arabischen Regimes“ gewesen sei. An der Echtheit der Aufnahme und an der Begründung gab es von Anfang an erhebliche Zweifel.
Der Sprecher auf dem Video wurde von libanesischen Sicherheitskräften später als der palästinensische Flüchtling Ahmad Taisir Abu Adas identifiziert.
Kofi Annan, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, kündigte im Februar 2005 die Entsendung einer UN-Kommission zur Sammlung der Fakten an.
Diese Kommission begann unter der Leitung von Peter Fitzgerald am 25. Februar 2005 mit der Arbeit und legte am 24. März 2005 ihren Abschlussbericht vor. Die Verantwortung für das Klima, in dem der Anschlag stattgefunden hatte, wurde der syrischen Regierung und den Sicherheitsdiensten zugewiesen. Zur Ermittlung der Täter sei eine größere internationale Untersuchung erforderlich.
Daraufhin setzte der UN-Sicherheitsrat am 7. April 2005 mit der UN-Resolution 1595 (2005) die International Independent Investigation Commission (UNIIIC) als unabhängige internationale Kommission mit Sitz im Libanon ein. Von Kofi Annan persönlich beauftragt, übernahm deren Leitung am 20. Mai 2005 der Berliner Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis. Am 20. Oktober 2005 legte Mehlis dann einen ersten und am 10. Dezember 2005 noch einen zweiten Bericht vor. Danach scheint festzustehen, dass dem Attentat eine breite Verschwörung syrischer und pro-syrisch eingestellter libanesischer Kräfte zugrunde liegt.
Drei libanesische Geheimdienstgeneräle und der Chef der Präsidialgarde wurden auf Empfehlung der Untersuchungskommission verhaftet. Der Kreis der Verdächtigen reichte bis in höchste politische Kreise des Libanon und Syriens.
Von syrischer Seite werden die Anschuldigungen als politisch motiviert zurückgewiesen. Der Mehlis-Report sei eine politische Erklärung, die sich auf Anschuldigungen von Zeugen stütze, die für ihre Feindschaft gegenüber Syrien bekannt seien.
Zum Ende Dezember 2005 legte Detlev Mehlis sein Amt als Leiter der Untersuchung nieder. Am 11. Januar 2006 wurde der Belgier Serge Brammertz zu seinem Nachfolger als UN-Sonderermittler ernannt. Das Mandat der Kommission wurde am 27. März 2007 durch die Resolution 1748 (2007) bis zum 15. Juni 2008 verlängert.