An diesem Tag

Rabbiner

Jüdischer Religionsgelehrter

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Ein Rabbiner ist ein Funktionsträger in der jüdischen Religion. Seine Hauptaufgabe ist es, die Tora zu lehren. Die Grundform des Rabbiners entwickelte sich in der Pharisäer- und Talmud-Ära, als sich gelehrte Lehrer versammelten, um die schriftlichen und mündlichen Gesetze des Judentums zu kodifizieren. Der erste Weise, für den die Mischna den Titel eines Rabbi verwendet, war Jochanan ben Sakkai, ein Gelehrter des 1. Jahrhunderts.

In den verschiedenen jüdischen Glaubensrichtungen gibt es unterschiedliche Anforderungen an die rabbinische Semicha (hebräisch סְמִיכָה Auflegen (der Hände)) und große Meinungsverschiedenheiten darüber, wer als Rabbiner anerkannt wird. So gibt es im orthodoxen und im ultraorthodoxen Judentum keine Rabbinerinnen. Das konservative Judentum hingegen lässt Frauen aus halachischen Gründen als Rabbinerinnen zu, das Reformjudentum aus ethischen Gründen.

Der Begriff Rabbiner leitet sich von hebräisch רב Rav (groß, viel, bedeutend, bedeutender Mann, Herr) her. Der Plural dieses Wortes lautet hebräisch רבים Rabbim, in der spezifischen Bedeutung „Rabbiner“ jedoch רבנים Rabbanim.

Im aschkenasischen Hebräisch und dem Jiddischen wird das Wort in der Einzahl Row und in der Mehrzahl Rabbonim ausgesprochen.

Das Aramäische kennt die Form Rabbuni (Meister, Lehrer).

Alle Formen gehen auf die semitischen Wurzeln (hebräisch רבב r(a)b(a)b und hebräisch רבה r(a)b(a)h, deutsch ‚viel sein, groß sein‘) zurück.

Als Rebbetzin wird im aschkenasischen Judentum die Ehefrau des Rabbiners bezeichnet.

Als Bezeichnung sephardischer Rabbiner ist das Nomen (hebräisch חכם Chacham, deutsch ‚Weiser‘) gebräuchlich. Da im Arabischen الرب / ar-Rabb / ‚der Herr‘ einer der Ehrentitel Allahs ist, nutzen Juden in überwiegend islamischen Ländern fast nur diese Bezeichnung. Chacham ist auch allgemein im Judentum ein Wort der Ehrbezeugung für Gelehrte, v. a. des Talmuds (siehe Isaak Bernays).

Bei den Karäern ist die Bezeichnung Chassan üblich.

Als Rabbi (hebräisch רַבִּי mein Meister, mein Lehrer) werden seit dem Altertum, vom Zeitalter der Mischna bis ins Mittelalter, jüdische Gelehrte bezeichnet, die die Vorschriften der Tora auslegen. Der deutsche Plural dazu lautet Rabbis und Rabbinen. Normalerweise wird dieses Wort ohne Artikel verwendet.

Rabbi war auch ein Ehrentitel von Personen, die eine besondere Tora-Gelehrsamkeit besaßen. Auch Jesus von Nazaret wird im griechischsprachigen Neuen Testament oft als Rabbi angesprochen.

Verwandt mit dem Wort Rabbi sind die jiddischen Begriffe Rebbe und Reb. Rebbe bezeichnet den Anführer einer chassidischen Gemeinschaft (siehe Admor). Dieser Titel vererbt sich vom Vater auf den Sohn. Mit Reb wird ein Mann ehrenvoll zur Lesung der Tora aufgerufen. Im Alltag ist es durchaus üblich, jeden frommen Juden mit Reb anzusprechen.

Der Rabbiner in der jüdischen Überlieferung

Als besonderer Stand sind Rabbiner (seit Luther in den meisten deutschen Bibeln als Schriftgelehrte bezeichnet) biblisch erstmals in der Zeit nach dem babylonischen Exil in Esra 7,6.11 genannt, dort wird der Priester Esra als ein mit dem Gesetz Moses erfahrener Gelehrter der Schrift erwähnt. Nach jüdischer Überlieferung hat Esra das mosaische Gesetz, das beim Untergang Jerusalems 586 v. Chr. verbrannt sein soll und nur noch mündlich weitergegeben wurde, neu aufgeschrieben. Die Aufgaben der Gelehrten in seiner Tradition waren Auslegung der Tora und der konkrete Praxisbezug jüdischer Lehre im Alltag. Daraus hervorgegangen ist später die Pharisäerbewegung, die schließlich das rabbinische Judentum begründete. Auch Frauen erhielten rabbinische Titel.

Asenath Barzani (1590–1670) aus Mosul im Osmanischen Reich war eine der ersten Frauen, die den Titel Tanna’it (Lehrerin, Meisterin) erhielt. Auch die drei Töchter Raschis galten und wirkten als rabbinische Lehrerinnen und Talmud-Kommentatorinnen, siehe auch Tosefta.

Bis ins Mittelalter durften Rabbiner mit der Tora kein Einkommen erzielen, deshalb arbeiteten sie in Europa ehrenamtlich. So hatte beispielsweise der bekannte Torakommentator Raschi (1040–1105) einen Brotberuf: Er besaß einen Weinberg. Maimonides (Rambam, 1138–1204), war Arzt. Erst im 14. Jahrhundert wurde dies nach ständiger Ausweitung der Anforderungen schließlich aufgegeben. Selbst danach arbeiteten offenbar viele Rabbiner vorwiegend als Vorbeter.

Zu den Aufgaben eines Rabbiners zählt heute die religiöse Lehre, und als Talmudkenner kommt ihm die Entscheidung in religiösen Fragen zu.

In orthodoxen Gemeinden betet der Vorbeter (hebräisch שליח ציבור, Schliach Tzibur, hebräisch חַזָּן, Chasan) zusammen mit der Gemeinde der Betenden immer zum Toraschrein (hebräisch אָרוֹן הָקׄדֶש Aron ha-Kodesch, der heilige Schrein) gerichtet, d. h. Richtung Jerusalem mit der Klagemauer, als Gleiche unter Gleichen vor HaSchem. Dagegen leiten in liberalen Gemeinden Reform-Rabbiner oder Kantoren oft stark gekürzte Schabbat- und Festtagsgottesdienste und wenden sich dabei teilweise auch der Gemeinde zu.

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