RTL Radio (ehemals Radio Luxemburg) ist ein deutschsprachiger Hörfunksender, dessen Programm heute in Berlin produziert und luxemburg- und deutschlandweit via Kabel, Satellit (europaweit), DAB+ und gebietsweise auch über UKW gesendet wird. Laut Media-Analyse 2022 Radio II erreichte RTL Radio rund 464.000 Hörer pro Arbeitstag und hatte damit einen deutschlandweiten Marktanteil von 0,7 %. Das Musikformat ist seit dem 29. Juni 2026 Current-Based AC unter dem Motto Feel Good Music von den 80ern bis heute.
Das heutige Unternehmen, zu dem RTL Radio gehört, die RTL Group, wurde im Jahr 2000 von Bertelsmann, der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) und Pearson ins Leben gerufen. 2001, durch einen Aktientausch mit GBL, erhielt Bertelsmann die Mehrheit und besitzt heute etwa 75 % der Anteile an der RTL Group. Die RTL Group bildet einen von acht Geschäftsbereichen des Bertelsmann-Konzerns und ist für über ein Drittel des Konzernumsatzes und einen Großteil seiner Gewinne verantwortlich. Der Hauptsitz der RTL Group ist weiterhin Luxemburg. Zu ihr gehören neben Hörfunk- auch mehrere Fernsehsender in verschiedenen Ländern, deren Programme überwiegend in diesen selbst produziert werden. Ihre historischen Wurzeln hat die RTL Group in der Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion (CLT), die 1997 mit der deutschen UFA Film & TV Produktion GmbH zur CLT-UFA fusionierte und schließlich im Jahr 2000 Pearson TV aufkaufte, die TV-Sparte der britischen Mediengruppe Pearson.
Radio Luxemburg und damit das heutige RTL Radio hat seinen Ursprung im Sender Radio Luxembourg, der vom 15. März 1933 an als privatrechtlicher Rundfunk ein französischsprachiges Programm ausstrahlte. Sendungen in weiteren Sprachen (Deutsch und Luxemburgisch) wurden in das Programm aufgenommen.
Während des Zweiten Weltkrieges ruhte der Sendebetrieb von Radio Luxembourg; die Sendeanlagen wurden vom Großdeutschen Rundfunk als „Reichssender Luxemburg“ betrieben. Im Mai 1944 erfolgte eine Absprache zwischen der luxemburgischen Exilregierung und dem Hauptquartier der alliierten Truppen (PWD/SHAEF) über die Benutzung der Sendeanlagen durch die Truppen der Briten und US-Amerikaner. Bei der Befreiung Luxemburgs von der deutschen Besatzung im September 1944 fielen Redaktionsräume, Studios und Sendeanlagen den US-Truppen nahezu unbeschädigt in die Hände. Am 4. Oktober 1944 wurde der Sendebetrieb unter dem Befehl der Alliierten wiederaufgenommen. In der Folge wurde der Luxemburger Sender zum offiziellen Sprachrohr des alliierten militärischen Hauptquartiers, der darüber weitere taktische Hörfunksender in deutscher Sprache betrieb, die zu unterschiedlichen Tageszeiten als Medium der psychologischen Kriegsführung gegen Deutschland eingesetzt wurden („Radio Luxemburg Detachment of PWD/SHAEF“). So bestand eine enge Kooperation mit ABSiE (American Broadcasting Station in Europe) und der Stimme Amerikas (Voice of America). Erster Leiter des deutschen Dienstes wurde Hans Habe.
Der regelmäßige Sendebetrieb von Radio Luxemburg wurde bald wieder auf der Langwellenfrequenz 252 kHz (später 233 kHz) abgewickelt – vornehmlich in französischer, doch auch in englischer und luxemburgischer Sprache. Gemäß dem Kopenhagener Wellenplan von 1948 wurde dem Sender eine Mittelwellenfrequenz (1439 kHz) zugeteilt, sodass die Langwelle, die dem Sender vom Wellenplan nie offiziell zugeordnet wurde, ganz für das französische Programm reserviert werden konnte, während über die Mittelwelle tagsüber vor allem auf Niederländisch (ab 1957 auch auf Deutsch) und abends auf Englisch gesendet wurde.
Die englischsprachigen Sendungen von Radio Luxembourg hatten bereits 1933 begonnen und wurden weitgehend von der Werbeindustrie bestritten, die ihre eigenen Produktionsstätten und Moderatoren hatte, um ihre Produkte flächig zu präsentieren. In Südengland und Irland positionierte sich Radio Luxembourg als Konkurrent der BBC. In den 1960er Jahren entwickelte sich der englischsprachige Dienst von Radio Luxembourg zu einem führenden Popmusikprogramm, das, von Discjockeys moderiert, als stilbildend galt und sich in weiten Teilen Nordwesteuropas großer Beliebtheit erfreute.
Beginn des deutschsprachigen Programms von Radio Luxemburg
Im Jahr 1957 kamen im Mittelwellenprogramm zunächst nachmittags deutschsprachige Sendungen hinzu, aus denen sich in wenigen Jahren ein tagesfüllendes Programm für Zuhörer vor allem in der Bundesrepublik Deutschland entwickelte. Das niederländischsprachige Programm wurde entsprechend sukzessive gekürzt und schließlich in den 1980er Jahren ganz eingestellt. Das Mittelwellenprogramm wurde auch über eine Kurzwellenfrequenz (6090 kHz) verbreitet, sodass es in weiten Teilen Europas empfangen werden konnte. Ende der 1960er Jahre wurde die Kurzwelle abends dem deutschen Programm zugeordnet, das außerdem über UKW ausgestrahlt wurde.
Das in den 1950er und 1960er Jahren überaus populäre deutschsprachige Programm von Radio Luxembourg startete am 15. Juli 1957 mit dem Moderator Pierre Nilles (1923–2000), der sich im Programm Peter Perleberg nannte, mit den Worten: „Meine Damen und Herren, liebe Zuhörer, sie hören nun ein Versuchsprogramm von Radio Luxemburg in deutscher Sprache. Wir senden ab heute jeden Tag von 14 bis 15 Uhr ein leichtes Musikprogramm. Hier ist Radio Luxemburg auf der Mittelwelle 208 Meter.“ Im November 1957 wurden die deutschen Sendungen auf vier Stunden verlängert. Vorher sendete das niederländischsprachige Programm, am Abend das englische. Im Dezember 1962 kam der UKW-Kanal 33 (97,0 MHz) als Sendefrequenz hinzu, sodass die zunächst Drei fröhlichen Wellen bis Rheinland-Pfalz, im Saarland und nach Nordrhein-Westfalen hinein nun täglich von 6 bis 21 Uhr auch gut auf UKW zu empfangen waren. Am 1. Januar 1960 wurde die Leistung des Mittelwellensenders auf 600 Kilowatt verstärkt. Als vierte fröhliche Welle kam im April 1967 UKW-Kanal 6 (88,9 MHz) hinzu. Seit 1957 wurde als Erkennungsmelodie der Instrumentaltitel Belle of the Ball von Leroy Anderson verwendet und nach zehn Jahren am 27. September 1967 durch Happy Luxemburg von James Last ersetzt. Neben dieser stationsbezogenen Erkennungsmelodie besaßen auch einzelne Programmserien wie die Hitparade eigene Identifikationsmelodien.
Eine der ersten deutschen Moderatorinnen war Elisabeth, die Ehefrau des Schlagerproduzenten Hans Bertram. Im April 1958 kam Camillo Felgen zum Sender und wurde Chefsprecher des deutschen Programms. Am 6. April 1958 sendete Felgen erstmals eine Hitparade in deutscher Sprache. Die ersten Löwen (eine 2,5 Kilogramm schwere Trophäe in Gold, Silber und Bronze) von Radio Luxemburg wurden am 30. April 1959 in der Essener Grugahalle verliehen.
1960er und 1970er Jahre: Auf dem Höhepunkt der Popularität des deutschen Programms
In den Teilen Deutschlands, in denen die Vier fröhlichen Wellen von Radio Luxemburg wegen der Nähe zu Luxemburg empfangen werden konnten (insbesondere im Westen und Südwesten der Bundesrepublik sowie im deutschsprachigen Ostbelgien), erreichte der Sender bei den jüngeren Zuhörern Kultstatus, wurde aber auch von älteren Altersschichten geschätzt. Da die ansonsten konkurrenzlosen öffentlich-rechtlichen Radiosender der ARD ein eher konservatives Programm mit höherem kulturellen Anspruch und fast keine Popmusik ausstrahlten, war Radio Luxemburg gerade für junge Hörer – neben BFBS, AFN, CFN und den Piratensendern, die von der Nordsee aus sendeten – die einzige Möglichkeit, neue Popmusik zu hören.
Wegen des wachsenden Erfolgs wurde das deutsche Nachmittagsprogramm zügig zum Ganztagsprogramm ausgebaut. Bereits Ende der 1960er Jahre sendete das deutsche Programm von 6 bis 9 Uhr und von 12 bis 19.30 Uhr auf der bis weit nach Deutschland hineinreichenden Mittelwelle, die 1968 auf 1.200 Kilowatt verstärkt wurde und somit als einer der stärksten Mittelwellensender Europas tagsüber etwa 600 Kilometer auf deutsches Gebiet vordrang; von 6 bis 1 Uhr war es zudem durchgehend im näheren Umkreis des Großherzogtums (bis zu 150 Kilometer weit) über UKW zu empfangen.
Nahezu 16 Millionen deutsche Zuhörer verfolgten „Woche für Woche“ das Programm, das etwa 40 Millionen DM Werbeeinnahmen erbrachte – so berichtet 1968 das deutsche Wochenmagazin Der Spiegel, ohne die Messmethode, die zu diesen Zahlen führte, genau zu nennen. In einer Reportage des Südwestfunks heißt es 1974, dass das deutsche Programm von Radio Luxemburg sechs Millionen Hörer täglich erreiche. Das „flämische“ (niederländischsprachige) Programm aus Brüssel schrumpfte in den 1960er Jahren – infolge des großen Erfolgs der deutschsprachigen Sendungen – auf drei Stunden am Vormittag (9 bis 12 Uhr) und schließlich auf anderthalb Stunden bzw. in den späten 1970er Jahren weiter auf nur noch eine halbe Stunde am frühen Abend (18 bis 19.30 Uhr bzw. 19 bis 19.30 Uhr) vor dem weiterhin sehr erfolgreichen englischen Programm, das von Discjockeys wie Tony Prince präsentiert und vor allem von jungen die Pop- und Rockmusik bevorzugenden Hörern nicht nur auf den Britischen Inseln, sondern auch in weiteren Teilen Nordwesteuropas (Benelux, Deutschland, Skandinavien) gehört wurde.