R. P. S. Lanrue, geboren als Ralph Peter Steitz, bekannt auch unter dem Pseudonym David Volksmund (* 14. Januar 1950 in Grenoble, Frankreich; † 14. Juli 2024 in Berlin), war ein deutscher Gitarrist, Komponist und Mitbegründer der Rockgruppe Ton Steine Scherben.
Lanrues Familie siedelte von Frankreich nach Deutschland ins hessische Nieder-Roden über, wo auch die Familie von Rio Reiser wohnte. Im Januar 1966 fragte R. P. S. Lanrue Rio Reiser, ob er in seiner Band Beatkinks mitsingen wolle. Diese coverte hauptsächlich Beatmusik. Noch im selben Jahr gründeten beide die Rockband De Galaxis, in der sie auch eigene Stücke spielten. Lanrues Hauptinstrument war zunächst das Schlagzeug.
Als Rio Reiser 1967 nach West-Berlin zog, schloss Lanrue sich ihm an. Ein wichtiger Grund für den Umzug: West-Berlin hatte einen „entmilitarisierten Status“, somit gab es keinerlei Präsenz der Bundeswehr in der Stadt, und es existierte keine Wehrpflicht. Für den französischen Staatsbürger Lanrue war dies nach seinen eigenen Angaben besonders dringlich, da es in Frankreich keine Wehrdienstverweigerung gab.
Nach dem Umzug nach West-Berlin wechselte Lanrue vom Schlagzeug zur Gitarre. Seine Lieblingsbands in jenen Tagen waren The Kinks, The Zombies und The Pretty Things. Am Anfang trug er den Spitznamen „Fifi“, weil er einmal mit einer Marionette gespielt und sie immer so genannt hatte. Den französischen Namen Lanrue bekam er von Manfred Lehmann, einem Schauspieler vom Berliner Forum-Theater. „Lanrue“ ist eine Verballhornung von „de la rue“ (von der Straße). Mit der Zeit wurde „Fifi“ durch Lanrues Initialen R. P. S. ersetzt.
Aus der Zusammenarbeit mit Dietmar Roberg, Blalla Hallmann und anderen für das Straßentheater Hoffmanns Comic Teater und das Lehrlingstheater Rote Steine entwickelte sich 1970 durch die Hinzunahme von Kai Sichtermann (Bass) und Wolfgang Seidel (Schlagzeug) die Band Ton Steine Scherben. Reiser und Lanrue waren hinsichtlich Text und Komposition sowie bei der musikalischen Entwicklung der Ton Steine Scherben tonangebend. Als einzige gehörten beide der Band von der Gründung bis zur Auflösung 1985 durchgehend an.
Nach dem Ende von Ton Steine Scherben kümmerte sich Lanrue um die Verwaltung der David Volksmund Produktion in Fresenhagen. Er spielte auf den meisten von Reisers Soloalben mit und war Mitglied in dessen Liveband. Seinen letzten Auftritt mit Reiser absolvierte er bei zwei Konzerten in der Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin im Jahr 1988.
Anlässlich einer Hommage an Rio Reiser standen Lanrue und Ton Steine Scherben 2010 bei der 24. Teddy-Award-Gala erstmals seit dem Tod ihres Frontmanns wieder in Originalbesetzung auf der Bühne. Ton Steine Scherben eröffneten zusammen mit Terra Brasilis mit Mein Name ist Mensch die Veranstaltung. Zusammen mit Adel Tawil (Ich + Ich) spielten sie im Laufe des Abends einige der Bandklassiker.
Im April 2014, 29 Jahre nach Auflösung der ursprünglichen Gruppe, gingen Ton Steine Scherben unter der Leitung von Lanrue erstmals wieder auf Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Als Gastmusiker traten unter anderem Blumentopf, Frittenbude, Madsen, Max Prosa und Sebastian Krumbiegel auf.
Lanrue lebte unter anderem mehrere Jahre in Portugal. Dort verlor er 2004 sein Hab und Gut bei einem Waldbrand. 2006 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte wieder einige Zeit auf „seinem“ Hof in Fresenhagen, dem ehemaligen Scherben-Domizil in Nordfriesland (Schleswig-Holstein). Im Jahre 2009 verließ er den Hof wieder und lebte zuletzt in Berlin, wo er im Juli 2024 im Alter von 74 Jahren einer Krebserkrankung erlag.
1971: LP Warum geht es mir so dreckig? (DVP)
1972: Doppel-LP Keine Macht für Niemand (DVP)
1973: LP Herr Freßsack und die Bremer Stadtmusikanten (Hörspiel) – TSS & Hoffmanns Comic-Theater (Rotbuch Verlag)
1975: Doppel-LP Wenn die Nacht am tiefsten … (DVP)
1976: LP Teufel hast du Wind (Hörspiel) – Dietmar Roberg & TSS (Rotbuch-Verlag)
1976: LP Paranoia – Kollektiv Rote Rübe & TSS, Theatermusik
1977: LP Mannstoll – Brühwarm & TSS (April/Schneeball)
1979: LP Entartet – Brühwarm & TSS (Schneeball)
1981: Doppel-LP IV (Ton-Steine-Scherben-Album) (DVP)