An diesem Tag

Rüstem Pascha

Osmanischer Großwesir

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Rüstem Pascha (osmanisch رستم پاشا Rüstem Pâşâ, geb. um 1500; gest. 10. Juli oder 12. Juli 1561 in Istanbul) war ein osmanischer Großwesir und der Schwiegersohn (dāmād) Sultan Süleymans des Prächtigen. Im historischen Gedächtnis blieb er vor allem durch seine Stiftungen, insbesondere die berühmte Rüstem-Pascha-Moschee in Istanbul.

Die Herkunft Rüstem Paschas ist nicht mit Sicherheit zu ermitteln. Vermutlich wurde er in einem Dorf bei Sarajevo als Sohn einer bosniakischen Familie mit dem ursprünglichen Familiennamen Opukovič oder Čigalič geboren. Manche Quellen führen auch eine kroatische (* in Skradin), serbische oder albanische Herkunft an. In seinen Stiftungsurkunden von 1557 und 1560 wird sein Vater Abdurrahman und Abdurrahim genannt. Dass sein Vater in Rüstem Paschas Stiftungsurkunde von 1561 und in der Stiftungsurkunde seines Bruders, des osmanischen Großadmirals Sinan Pascha, von 1557 als Mustafa aufgeführt wird, bedeutet, dass sein Vater wie auch seine Schwester Nefise zum Islam konvertiert ist.

Als Kind wurde Rüstem nach Istanbul gebracht, wo er zusammen mit seinem Bruder Sinan in der Palastschule (Enderûn) erzogen wurde und die Militärlaufbahn einschlug. 1526 nahm er als Silāḥdār („Waffenträger“) an der Schlacht bei Mohács teil. Danach begann sein rascher Aufstieg in der osmanischen Staatsverwaltung mit dem Amt des Ersten Stallmeisters (mīr-āḫūr-ı evvel). Um 1533 wurde er vermutlich Statthalter von Teke, danach Beylerbey von Diyarbakır und 1538 Beylerbey von Anatolien. 1539 wurde er zum Dritten Wesir befördert. Ende 1539 vermählte ihn der Sultan mit seiner Tochter Mihrimah Sultan. Diesen bisherigen Lebensweg fasste ein im Dienst der Fugger zu großem Vermögen gekommener Reisender, der im Gefolge einer Gesandtschaft König Ferdinands I. Rüstem Pascha persönlich erlebte, so zusammen:

Zweiter Wesir wurde Rüstem 1541. Im Ramadan des Jahres 951 AH (Ende 1544) setzte der Sultan den Großwesir Hadım Süleyman Pascha ab und übertrug die höchste Würde des Reiches seinem Schwiegersohn. Nachdem der Prinz Mustafa im Oktober 1553 „zur Wahrung der Weltordnung“ erdrosselt worden war, forderten die Janitscharen die Bestrafung des Großwesirs, dem die Schuld am Tod des Prinzen gegeben wurde. Rüstem Paschas Schwiegermutter Roxelane beschwor Süleyman, den Verleumdern kein Gehör zu schenken und den Schwiegersohn ihrer Tochter und ihr zuliebe zu verschonen. Rüstem Pascha wurde abgesetzt und verbrachte die nächsten Jahre in Üsküdar. Dank der intriganten Unterstützung seiner Ehefrau Mihrimah Sultan und insbesondere seiner Schwiegermutter Roxelane, auf deren Einfluss die Hinrichtung des 1553 statt seiner eingesetzten Großwesirs Kara Ahmed Paschas zurückzuführen ist, wurde er 1555 erneut Großwesir. Er starb am 10. oder 12. Juli 1561 (26. oder 28. Schawwal 968 AH) vermutlich an Wassersucht und wurde im Komplex der Prinzen-Moschee zu Istanbul in seiner eigenen, von Mihrimah Sultan gestifteten und von Mimar Sinan geplanten Türbe beigesetzt.

Persönlichkeit und Amtsführung

Das oben gezeigte Idealbildnis eines Großwesirs auf einer Miniatur im Süleymān-nāme des Ârifî Fethullah Çelebi ist höchstwahrscheinlich das einzige überlieferte, zeitgenössische Porträt Rüstem Paschas. Das Bild zeigt ihn in einer Szene aus der Zeit seines ersten Großwesirates, sagt aber über ihn als Person nichts aus. Sein individuelles Aussehen, seine Gestalt und seine Wirkung dagegen wurden wenig beschönigend von dem venezianischen Bailò Bernardo Navagero 1553 beschrieben: Rüstem Pascha sei eher von kleiner Gestalt und habe ein gerötetes, aufgequollenes Gesicht, das an das eines Leprösen erinnere. In seinen Augen sei eine große Gerissenheit zu bemerken, die zeige, dass er als Geschäftsmann geboren worden sei. Er wirke „leutselig und freundlich“ und nichts sei ihm lieber, als dass gesagt werde, kein anderer osmanischer Herrscher als Süleyman I. habe je einen so weisen und klugen Ratgeber gehabt wie ihn.

Heutigen Wissenschaftlern gilt Rüstem Pascha einerseits als Meister der politischen Intrige und als zwiespältige Person, andererseits wird ihm bestätigt, er sei unbestechlich und in keiner Weise an irgendwelchen Formen von Korruption beteiligt gewesen. Bereits zu Lebzeiten wurde er allerdings mehrfach der Korruption bezichtigt. Osmanische Geschichtsschreiber des 16. und 17. Jahrhunderts dagegen schreiben ihm korrektes Verhalten, Nüchternheit und Frömmigkeit zu. Sie führen an, dass er Fehler, wie beispielsweise die Fehlbesetzung des damals eher unbedeutenden Postens eines Defterdars mit einem Richter, bereue und nicht wiederhole, und kritisieren bestenfalls seine Abneigung gegen Derwische und Dichter, die ihm einen spöttischen Zweizeiler des Dichters Taşlıcalı Yahyâ Bey eingebracht hat:

In der osmanischen Öffentlichkeit war der als geiziger und habgieriger „Teufelswesir“ verschriene Rüstem Pascha wenig angesehen, vor allem nachdem ihn Taşlıcalı Yahyâ Bey in einer rasch verbreiteten, weithin zustimmend aufgenommenen Elegie (mers̲iye) der Mittäterschaft an der Ermordung des Sultanssohnes Mustafa bezichtigt und ihn einen Teufel genannt hatte. Rüstem Pascha verfügte daraufhin Yahyâ Beys Hinrichtung und nach Süleymans I. Widerstand dagegen des Dichters lebenslange Verbannung nach Zvornik.

Europäische Diplomaten und Reisende, die Rüstem Pascha selbst gesprochen oder gesehen haben, bescheinigen ihm, „ein Mann von scharfem, durchdringendem Verstand“ zu sein, halten ihn aber auch für „immer finster, immer schroff“ oder bezichtigen ihn, seine privaten und gestifteten Bauten „von geraubten, vnrecht gewunnen geld“ gebaut zu haben. Er sei immer habsüchtig, und seine ersten Erwägungen seien stets der Nutzen und das Geld. Am Tod des Sultanssohnes Mustafa wird ihm eine Mitschuld gegeben.

In einer vielzitierten Anekdote geht es um eine glückliche Fügung, die ihm die Gunst Süleymans I. erhalten und seine Karriere gesichert habe. Die Behauptung seiner Gegner, er sei an Lepra erkrankt und damit als Schwiegersohn des Sultans untragbar, habe sich als falsch erwiesen, denn der mit der medizinischen Untersuchung des Falles beauftragte Hofarzt Mehmed Halîfe habe in einem Hemd Rüstem Paschas eine Laus gefunden, und nach Meinung der Hofärzte könne ein Lepröser keine Läuse haben.

Rüstem Pascha bildete zusammen mit Mihrimah Sultan und Roxelane einen konspirativen inneren Kreis, der Einfluss auf die Entscheidungen Süleymans I. nahm und dabei mit der Unterstützung des Scheichülislam Ebüssuûd Efendi, des höchsten religiösen Würdenträgers des Osmanischen Reiches, rechnen konnte. Das zeigte sich deutlich bei dem Entschluss des Sultans, seinen von Mahidevran geborenen Sohn Mustafa töten zu lassen. Damit war der Weg frei für Roxelanes Söhne auf dem Weg zum Sultanat. Rüstem Pascha, dem von den Janitscharen eine Mitschuld am Tod ihres Favoriten Mustafa gegeben wurde, verlor das Amt des Großwesirs nur vorübergehend. Mihrimah Sultan und Roxelane bedrängten Süleyman I. erfolgreich, ihn nach etwa zwei Jahren wieder in sein Amt einzusetzen.

Süleyman I. schätzte an Rüstem Pascha vor allem dessen Fähigkeiten, die finanzielle Ausstattung des Sultans und des Reiches in unvergleichlichem Ausmaß zu steigern. Ohne dies wären Süleymans nahezu alljährliche Militärkampagnen, architektonische Großprojekte wie der Süleymaniye-Komplex und die Wasserversorgung für Istanbul, Mekka und Jerusalem sowie die Errichtung von neuen Märkten in den nun aufstrebenden und expandierenden Städten des Reiches nicht möglich gewesen. Dass Rüstem Pascha dabei auch selbst äußerst reich wurde, resultiert unter anderem aus der exzeptionellen Stellung, die ihm als Großwesir zugestanden wurde. Praktisch alle finanziellen Aktionen des Reiches wurden von ihm geleitet und kontrolliert. Mit vielen eigenen Landgütern war er beteiligt am Aufschwung und der Ausweitung der Agrarwirtschaft. Zudem profitierte er vom prosperierenden Handel mit Europa und Indien.

Eine Vorstellung von Rüstem Paschas Reichtum gibt eine Liste des Nachlasses, der nach Rüstem Paschas Tod der Staatskasse zufiel. Darin werden unter anderem 1700 gekaufte Sklaven, Tausende für den Kriegsdienst bereit gehaltene Pferde und Kamele, dazugehörige Prunksättel und goldene Steigbügel, Waffenrüstungen, Panzerhemden, kostbare Säbel und unzählige Kleidungsstücke sowie 40.000 hauptsächlich für Rüstem Paschas Hausstand und Militär bereit gehaltene Kessel aufgeführt. Neben einer großen Anzahl von Gold- und Silbermünzen, Edelsteinen, Teppichen und „anderen Kostbarkeiten“ fallen 5000 Bücher (oder „vielleicht noch mehr“) sowie 8000 Korane auf. Der Posten von 815 Landgütern und 476 Wassermühlen enthält nicht die weitaus größere Zahl von Immobilien, die Rüstem Paschas Stiftungen übereignet worden sind.

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