Qin Shi Huang Di (chinesisch 秦始皇帝, Pinyin Qín Shǐhuángdì – „Erster erhabener Gottkaiser von Qin“ , eigentlich Ying Zheng (chinesisch 嬴政, Pinyin Yíng Zhèng); * 259 v. Chr. in Handan; † 10. September 210 v. Chr. in Shaqiu) war der Gründer des chinesischen Kaiserreiches (Einigung: 221 v. Chr.) und der chinesischen Qin-Dynastie (221–207 v. Chr.).
Ying Zheng wurde in die Zeit der Streitenden Reiche hineingeboren, als sieben Staaten um die Vorherrschaft in China kämpften. Sein Heimatland Qin war nicht nur eines der wohlhabendsten, sondern bereits seit 288 v. Chr. auch das größte der chinesischen Reiche. Außerdem besaß es bereits eine Generation vor Yíng die effizienteste innerstaatliche Organisation. Das Qin-Reich war maßgeblich von den Überlegungen des Legalismus geprägt, welcher das Kollektiv über den Einzelnen stellt sowie Belohnung und Bestrafung als Schlüssel zur Wahrung der Macht ansieht. Nach dem frühen Tod seines Vaters bestieg Ying Zheng bereits im Alter von 13 Jahren den Königsthron. Ab 230 v. Chr. unterwarf er in mehreren Feldzügen alle verfeindeten Staaten und führte somit die Vereinigung Chinas herbei, zu dessen erstem Kaiser er sich unter dem Namen Qin Shihuangdi ernannte. Zusammen mit seinem Kanzler Li Si, der den Legalismus vorbehaltlos befürwortete, baute er einen Beamtenstaat auf, der ihm eine vollständige Kontrolle des Reiches ermöglichte. Die zahlreichen von ihm eingeführten Reformen und Normenregulierungen waren mit Zwangsarbeit und rücksichtsloser Gewaltherrschaft verbunden, die Millionen seiner Untertanen das Leben kosteten. Aus diesem Grunde ist sein Ansehen in der modernen Volksrepublik China nach wie vor äußerst umstritten.
Qin Shihuangdi ist heute auf Grund zahlreicher Verwendungen in Spielfilmen, Romanen, Theaterstücken und ähnlichen einer der in den westlichen Kulturkreisen bekanntesten fernöstlichen Herrscher. Mit dazu beigetragen hat aber auch die Entdeckung der seinem Mausoleum vorgelagerten Terrakottaarmee.
Vom ersten Kaiser wurden drei verschiedene Familiennamen überliefert: Qin, der traditionelle Clanname des Königshauses; Zhao, eventuell eine Art Spitzname, da er im Staate Zhao geboren wurde; und Yíng, welcher der bei weitem geläufigste Name ist. Da seine Geburt in den Monat „zhēng“ fiel, den ersten Monat des chinesischen Kalenders, gab man ihm den Rufnamen Zhèng.
Nach der Eroberung der sechs anderen Reiche und seiner Vereinigung Chinas wählte er einen neuen Namen, um sich von seinen Vorgängern und Widersachern abzuheben. Der Name Qin Shi Huangdi bedeutet erster himmlischer Kaiser von Qin und setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:
Qín (秦) lautete der Name seines Reiches sowie der von ihm begründeten Herrscherdynastie. Ursprünglich war das Wort die Bezeichnung einer Reissorte und wurde später auch für das Tal verwendet, in dem diese wuchs. In diesem Tal lagen die Wurzeln des Staates Qin.
Shǐ (始) steht in der Übersetzung für beginnend, erster oder anfangend.
Huángdì ist eine Kombination zweier Worte: Huáng (皇, wörtlich strahlend, erhaben) ist Bestandteil der Namen der legendären Drei Souveräne, die in Sima Qians Schrift Shiji erwähnt werden. Dì (帝, wörtlich Kochab, später mit der Bedeutung übernatürliches Wesen, Gott) findet sich in der Bezeichnung der so genannten Fünf Kaiser (wǔ dì), die mythologisch nach den Drei Souveränen regierten. Der Name Huáng Dì bedeutete ursprünglich so viel wie strahlender Polarstern und bezog sich auf den Stern Kochab, der damals (221 v. Chr.) die Stelle des Polarsterns einnahm, aber aufgrund der Präzessionsbewegung der Erde diese Position wieder verlassen hat. Der heutige Polarstern ist ein anderer Stern. Der Bezug zum Gottkaisertum ist folgender: „So wie sich der gesamte Nachthimmel um den Polarstern (Kochab) dreht, so dreht sich ganz Qin (China) um den Himmlischen Kaiser.“ Damit erhielt die Bezeichnung Huángdì die übertragene Bedeutung erhabener Gott oder eben im Fall der Herrschertitulatur himmlischer Kaiser.
In der chinesischen Mythologie stehen die drei Souveräne und Fünf Kaiser als perfekte Herrscher, die große Macht und ein langes Leben hatten. Huáng bedeutet darüber hinaus zudem Glanz beziehungsweise Erhabenheit und dì bezieht sich auf den obersten Gott im Himmel, der die Welt erschaffen hat. Qin Shihuangdi, der nahezu die gesamte damals in China bekannte Welt geeint hatte, erschien die Kombination dieser Worte angemessen, betitelten sie ihn doch als „Ersten erhabenen Gottkaiser von Qin“ oder „Ersten göttergleich erhabenen Kaiser von Qin“. Vornehmlich war ihm jedoch wichtig, als Erster Kaiser in die Annalen einzugehen. Er verfügte, dass sich seine Nachfolger als „Erhabener Gottkaiser Zweiter Generation“ (二世皇帝, Èrshì Huángdì), „Erhabener Gottkaiser Dritter Generation“ (三世皇帝, Sānshì Huángdì) und so fort bezeichnen sollten und ging davon aus, dass seine Dynastie 10.000 Generationen überdauern würde. Die Umschreibung für 10.000 Jahre ist wànsuì und bedeutungsgleich mit unendlich, woraus hervorgeht, dass er sich ein niemals endendes Imperium wünschte.
Gleichzeitig schaffte der erste Kaiser postume Titel ab, da diese seiner Ansicht der Kindlichen Pietät widersprachen. Das erste Kaiserreich trug den offiziellen Namen Staat von Qin, da dieser sich über die anderen Reiche ausgedehnt hatte. Aus diesem Grunde bezeichneten Zeitgenossen Qin Shihuangdi lediglich als den Ersten Kaiser, da der Zusatz „Qin“ überflüssig war. Als um 202 v. Chr. das gesamte Reich unter der Kontrolle der Han-Dynastie stand, erhielt es die Benennung Staat von Han. Daher bedurfte es in der Umgangssprache einer Ergänzung des Namens des ersten Kaisers um das Wort Qín, da andernfalls impliziert worden wäre, dass es sich um den ersten Kaiser der Han-Dynastie gehandelt habe. Der Zusatz Qín bezog sich nun allerdings nicht mehr auf den Staat, sondern auf die kurzlebige Dynastie.
Im Shiji, das lange Zeit eine der wenigen Quellen über den Kaiser darstellte, wird dieser Qín Shǐhuáng genannt. In China ist diese Bezeichnung bis heute die am weitesten verbreitete, während Europäer und Amerikaner mehrheitlich von Qin Shihuangdi sprechen.
Ying Zheng wurde im Jahre 259 v. Chr. in Handan, der Hauptstadt des Staates Zhao, geboren. Sein Vater Zichu war der jüngste Sohn von Zhaoxiang, dem König von Qin, und hielt sich zu der Zeit als Geisel in Handan auf. Es war zeitgenössischer politischer Brauch, nach einem Bündnis zweier Staaten zur Friedenssicherung Töchter als Ehefrauen und Söhne als Geiseln auszutauschen. Ying Zhengs Mutter war eine Konkubine, die ursprünglich dem vermögenden Kaufmann Lü Buwei diente. Dieser hatte sie jedoch an Zichu übergeben, unmittelbar nachdem er an den Hof gekommen war.
Nach wenigen Monaten kehrten Zichu, die Konkubine, Lü Buwei sowie Ying Zheng nach Qin zurück. Dort gelang es Lü Buwei mit Hilfe geschickter Intrigen und Diplomatie, die Erbfolge dahingehend abzuändern, dass der noch amtierende König Zhaoxiang den ehemals verstoßenen Zichu zu seinem Nachfolger ernannte. Zhaoxiang starb 250 v. Chr. nach 56 Jahren Herrschaft. Sein Nachfolger wurde, trotz geänderter Thronfolge, zunächst Xiaowen, der jedoch bereits drei Tage nach seiner Krönung verstarb. Ihm folgte Zichu (später als Zhuangxiang bekannt) nach, der Lü Buwei zu seinem Kanzler ernannte. Die Herrschaft Zhuangxiangs währte lediglich drei Jahre, da er 247 v. Chr. verstarb. Legitimer Erbe und Nachfolger war nun Ying Zheng, der die Volljährigkeit allerdings noch nicht erreicht hatte und somit unmündig war. Stellvertretend für Zheng führte Lü Buwei für mehr als neun Jahre die unumschränkte Regierung. 238 v. Chr. übernahm Ying Zheng schließlich offiziell die Staatsgeschäfte, während Lü Buwei sein Kanzler blieb.
Noch im selben Jahr gelang es Ying Zheng und seinem Hofstaat in Xianyang, der Hauptstadt Qins, eine sich anbahnende Verschwörung unter Führung des Adeligen Lao Ai abzuwenden. Lao Ai war der geheime Lebenspartner der Königinmutter und hatte mit ihr verbotenerweise zwei Söhne gezeugt. Er plante, den älteren auf den Thron zu setzen, wusste aber, dass dieses Vorhaben bald an die Öffentlichkeit gelangen würde. Deshalb stahl er einige königliche Siegel, die es ihm erlaubten, die Truppen bestimmter Bezirke zu mobilisieren. Mit dieser Privatarmee stürmte er in einem Überraschungsangriff den Palast, wurde aber von den dortigen königstreuen Soldaten aufgehalten. In der Folge ließ der König Lao Ai vierteilen und zwanzig weitere Personen, darunter die gesamte Familie des Hochverräters, hinrichten. Seine zwei Halbbrüder wurden ermordet und die Königinmutter unter Hausarrest gestellt. Im Jahr darauf wurde Lü Buwei als angeblicher Mitwisser der Verschwörung entlassen und später ins Exil geschickt. Auf dem Weg zum Verbannungsort soll sich der ehemalige Kanzler mit Gift das Leben genommen haben.