An diesem Tag

Putschversuch in Japan vom 26. Februar 1936

Rechtsradikaler Aufstand eines Teils der japanischen Streitkräfte

Anúncio

Der Putschversuch vom 26. Februar 1936 (japanisch 二・二六事件, Ni-Ni-Roku Jiken, wörtlich: „2-26-Zwischenfall“) war ein versuchter Staatsstreich eines Teils der japanischen Streitkräfte. Die Aufständischen sahen sich als Kämpfer im Namen des Tennō. Sie waren der Ansicht, dass die Regierung die japanische Eroberung Asiens nicht aggressiv genug angehe und zu sehr politischen und industriellen Interessen folge.

Obwohl es den Putschisten gelang, mehrere führende Beamte (darunter zwei ehemalige Premierminister) zu ermorden und das Regierungszentrum in Tokio zu besetzen, gelang es ihnen nicht, Premierminister Keisuke Okada zu ermorden oder den Kaiserpalast einzunehmen. Ihre Unterstützer in der Armee versuchten, aus ihren Aktionen Kapital zu schlagen, aber Spaltungen innerhalb des Militärs sowie das ungewohnt harte Durchgreifen des Tennō Hirohito führten dazu, dass der gewünschte Regierungsumsturz nicht gelang. Aufgrund des überwältigenden Widerstands der kaiserlichen Truppen ergaben sich die Rebellen am 29. Februar.

Im Gegensatz zu früheren Beispielen politischer Gewalt durch junge Offiziere hatte der Putschversuch schwerwiegende Folgen. Nach mehreren umfassenden Prozessen unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden 17 der Anführer des Aufstands wegen Meuterei hingerichtet und 40 weitere inhaftiert. Die rechtsradikale Kōdō-ha-Fraktion verlor ihren Einfluss innerhalb der Armee, das Militär verstärkte seine Kontrolle über die Zivilregierung, das Kabinett Okada trat vollständig zurück, das nachfolgende Kabinett Hirota erließ das kontroverse „Gesetz zur Bekämpfung von Gedankenkriminalität“ und der langandauernde Trend rechter Aufstände in den 1930er Jahren fand offiziell sein Ende. Im folgenden Jahr ereignete sich der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke.

Rivalität verschiedener Fraktionen innerhalb der Armee

Die Kaiserlich Japanische Armee hatte eine lange Geschichte interner Fraktionskonflikte (軍閥, Gunbatsu) ihrer hochrangigen Offiziere, welche das Produkt aus den Rivalitäten zwischen den verschiedenen Domänen der Meiji-Zeit war. In den frühen 1930er Jahren hatten sich die Offiziere der Oberkommandos in zwei große Gruppen gespalten: Die Kōdō-ha-Fraktion (皇道派, Kaiserlicher Weg) unter der Führung von Sadao Araki und seiner rechten Hand Masaki Jinzaburō, sowie die Tōsei-ha-Fraktion (統制派, Kontrollfraktion) unter der Führung von Tetsuzan Nagata.

Die Kōdō-ha betonten die Bedeutung der japanischen Kultur (Kokutai), den Vorrang spiritueller Reinheit gegenüber dem Materialismus und die Notwendigkeit, Krieg gegen die Sowjetunion zu führen (Hokushin-ron). Die Tōsei-ha hingegen waren stark durch die Ideen des zeitgenössischen deutschen Generalstabs beeinflusst und unterstützten ökonomische und militärische Zentralisierung unter Führung des Volkes (Totale Kriegstheorie), technologische Modernisierungen und Mechanisierungen, sowie eine Expansion nach China (Nanshin-ron). Lange Zeit war die Kōdō-ha die dominante Fraktion innerhalb der Armee und besetzte die meisten wichtigen Führungspositionen. Nach Arakis Rücktritt wurden die meisten Kōdō-ha-Mitglieder aus etwaigen Führungspositionen entfernt und gegen Tōsei-ha-Mitglieder ausgetauscht.

Die Offiziere der Armee konnten unterteilt werden in diejenigen, die ihre Ausbildung an der Heeresoffizierschule (eine Schule mit Spezialisierung auf Basistraining) abgeschlossen hatten und diejenigen, die die prestigeträchtige Heereshochschule (eine Schule für Offiziere mit Berufserfahrung) besuchten. Die letztgenannte Gruppe bildete die Elite des Offizierskorps, während die Erstgenannten grundsätzlich vom Aufstieg in höhere Stabspositionen ausgeschlossen wurden. Mehrere Offiziere der erstgenannten, diskriminierten Gruppe fingen an sich stark zu politisieren und bildeten die „Bewegung der jungen Offiziere“ (青年将校運動, Seinen Shōkō Undō).

Die Jungoffiziere waren der Ansicht, dass Japan vom Kokutai abzuweichen drohte (国体, ein amorpher Begriff, der häufig mit „Volkscharakter“ oder „Gemeinwesen“ übersetzt wird und in etwa die Beziehung zwischen dem Kaiser und dem Staat bezeichnet). Die „privilegierten Klassen“, namentlich die Großkapitalisten, beuteten das Volk aus, sorgten dadurch für steigende Armut in den ländlichen Gebieten und schmiedeten Intrigen gegen den Kaiser, um am Ende die Machtpositionen zu übernehmen und Japan zu schwächen. Die Lösung des Problems sollte die Shōwa-Restauration sein, nach dem Vorbild der Meiji-Restauration vor über 70 Jahren. Indem sie sich erhoben und die „bösen Berater um den Thron“ vernichten, würden die Offiziere die Autorität des Kaisers wiederherstellen. Der Kaiser würde dann die Verwestlichung aufhalten, welche die Basis für die Ausbeutung des Volkes bildete und den Wohlstand der Nation wiederherstellen. Die Überzeugungen waren stark vom zeitgenössischen nationalistischen Denken beeinflusst, insbesondere von der umfassenden Philosophie des Sozialisten Ikki Kita, der auch der Begründer der Shōwa-Restauration war. Vor allem seine fast 2000 Seiten umfassende Abhandlung Ein Plan zur Neuordnung Japans wurde von den Jungoffizieren als Inspiration genannt. Fast alle der späteren Putschisten stammen aus dem Bauernstand oder der Arbeiterklasse; folglich fühlten sie sich bestätigt, die Notlage des einfachen Volkes verstehen zu können.

Die genaue Größe der eher lose organisierten Gruppe steht nicht fest, wird aber auf etwa 100 reguläre Mitglieder geschätzt, die meisten davon Offiziere aus dem Raum Tokio. Ihr informeller Anführer war Mitsugi Nishida. Als ehemaliger Leutnant der Armee und Schüler von Ikki Kita war Nishida das Aushängeschild für verschiedene nationalistische Zivilgruppierungen, die am Ende der 1920er Jahre wuchsen. Für diese nutzte er den Sammelbegriff Kokutai Genri-ha (国体原理派, in etwa Nationales Prinzip). Nach mehreren Ereignissen politischer Gewalt, darunter dem März- und Oktober-Zwischenfall, distanzierten sich viele Mitglieder der Armee und der Marine von den nationalistischen Zivilgruppierungen und beendeten die Zusammenarbeit.

Trotz ihrer relativ geringen Größe waren die Gruppierungen einflussreich, was nicht zuletzt auf die von ihr ausgehende Gefahr zurückzuführen war. Sie hatte Sympathisanten im Generalstab und sogar in der kaiserlichen Familie, darunter Prinz Chichibu Yasuhito, der Bruder des Kaisers Hirohito (und bis 1933 sein Erbe), der mit Nishida und anderen führenden Denkern der Kokutai Genri-ha befreundet war. Obwohl sich die Gruppierungen vehement gegen den Kapitalismus aussprachen, gelang es ihnen, unregelmäßige monetäre Unterstützungen von Zaibatsu zu sichern, die sich im Gegenzug Schutz erhofften.

Die genaue Art der Beziehung zwischen den Kōdō-ha und der Kokutai Genri-ha ist kompliziert. Beide Fraktionen werden oft als ein und dieselbe oder als zwei Gruppen, die ein größeres Ganzes bilden, verstanden. Zeitgenössische Berichte und die Schriften verschiedener Mitglieder machen jedoch deutlich, dass es sich um zwei gänzlich voneinander unabhängige Gruppierungen handelte, die lediglich dasselbe Ziel verfolgten. Die Kōdō-ha schützte die Kokutai Genri-ha und verschaffte ihr Zugang zu wichtigen Regierungsdokumenten und -gebäuden, während sie im Gegenzug von deren Fähigkeit profitierten, radikale Offiziere zurückzuhalten.

Popularität politischer Gewalt in den frühen 1930er Jahren

Die Zeit vor dem Februarputsch war durch eine Serie verschiedener blutiger Aufstände und Attentate durch junge Offiziere geprägt, am prominentesten war dabei der Blutliga-Vorfall und der Zwischenfall am 15. Mai, bei dem der Premierminister Tsuyoshi Inukai von mehreren Mitgliedern der Luftwaffe und welchen der Blut-Liga getötet wurde. Dieser Vorfall war insoweit von Bedeutung, als dass er die jungen Armeeoffiziere (die zwar von dem Attentat wussten, aber nicht an ihm beteiligt waren) von der Notwendigkeit überzeugte, bei einem möglichen Staatsstreich Truppen einzusetzen. Außerdem wurden die Rädelsführer beider Vorfälle wegen der Unterstützung aus der Bevölkerung mit relativ milden Haftstrafen sanktioniert.

Der unmittelbare Vorläufer des Putsches war jedoch der November-1934-Vorfall (十一月事件, Juichigatsu Jiken) und seine Konsequenzen. In diesem planten der Leutnant Takaji Muranaka und sein Kollege Asaichi Isobe, einflussreiche Mitglieder der Kokutai Genri-ha, einen Putsch mit einer Gruppe Militärkadetten. Muranaka und Isobe gestanden vor Gericht, über einen solchen Staatsstreich nachgedacht zu haben, wiesen aber zurück, diesen auch wirklich durchgeführt oder vorbereitet zu haben. Das zuständige Militärgericht kam zu dem Schluss, dass die Beweislage für eine Verurteilung zu dünn war, stattdessen wurden Muranaka und Isobe von der Armee suspendiert. In der lokalen Presse äußerten beide ihre Missgunst gegenüber der Entscheidung und verbreiteten das Gerücht, dass die Tōsei-ha falsche Spuren gelegt haben, um die Armee weiter von den einflussreichen Nationalisten zu „säubern“. Als Indiz für die These führten sie das kürzlich ungewollt an die Öffentlichkeit gekommene Pamphlet der Führungsebene der Tōsei-ha an, in der ausdrücklich von einer solchen „Säuberung“ die Rede war. Die Vorwürfe wurden nicht weiter verfolgt.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Putschversuch in Japan vom 26. Februar 1936 | World in Stories