An diesem Tag

Provinz Niederschlesien

Preußische Provinz (1920–1938 und 1941–1945)

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Die Provinz Niederschlesien entstand nach dem Ersten Weltkrieg in Preußen durch Aufteilung der Provinz Schlesien in die zwei neuen Provinzen Niederschlesien (West- und Mittelteil) und Oberschlesien (östliches Drittel).

Vor der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921 wurde den Bewohnern Oberschlesiens von deutscher Seite zugesichert, dass sie im Falle eines für Deutschland positiven Votums Autonomie erhalten würden. Zur Diskussion standen dabei zwei Modelle: die Einrichtung eines eigenen Landes Oberschlesien, d. h. die Abtrennung vom Freistaat Preußen oder die Einrichtung einer neuen Provinz Oberschlesien innerhalb Preußens. Letztlich wurde das zweite Modell verwirklicht. Mit dem am 14. Oktober 1919 von der Preußischen Nationalversammlung beschlossenen und am 8. November 1919 in Kraft getretenen Gesetz, betreffend die Errichtung einer Provinz Oberschlesien wurde die bisherige preußische Provinz Schlesien in zwei Provinzen – Niederschlesien und Oberschlesien – geteilt. Die erste Wahl eines Provinziallandtages für Niederschlesien erfolgte am 20. Februar 1921, zusammen mit den Wahlen zu den anderen Provinziallandtagen Preußens.

Für die administrative Teilung Schlesiens in zwei Länder Nieder- und Oberschlesien sprach nicht nur die unmittelbar bevorstehende Volksabstimmung, die die Zugehörigkeit Oberschlesiens zu Preußen und Deutschland in Frage stellte und damit eine eigene Administration Oberschlesiens, gewissermaßen direkt am Ort des Geschehens, sinnvoll erscheinen ließ. Es bestanden auch deutliche kulturelle Unterschiede zwischen beiden Teilen Schlesiens. Während Niederschlesien mit der Landeshauptstadt Breslau konfessionell überwiegend evangelisch war, war Oberschlesien zu mehr als 90 Prozent katholisch. In Niederschlesien machte die polnischsprachige Bevölkerung nur einen kleinen Prozentsatz aus, während sie anteilmäßig in Oberschlesien vor der Teilung Oberschlesiens die Mehrheit bildete. Oberschlesien war stark durch die Montanindustrie geprägt – das Oberschlesische Industrierevier war (ebenfalls vor der Teilung Oberschlesiens) nach dem Ruhrgebiet das zweitgrößte Industriegebiet Deutschlands –, die in Niederschlesien weniger dominierend war.

Am 1. April 1938 erfolgte der Zusammenschluss der Provinzen Niederschlesien und Oberschlesien zur Provinz Schlesien.

Niederschlesien war aus den beiden Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz gebildet worden. Die neu gebildete Provinz war mit rund 27.000 km² etwa so groß wie die preußische Rheinprovinz und in Bezug auf die Bevölkerung von rund 3,1 Millionen Einwohnern vergleichbar den preußischen Provinzen Sachsen (3,3 Millionen) und Hannover (3,2 Millionen).

Niederschlesien gehörte zu den stärker industrialisierten Provinzen Preußens. Der relative Anteil der in Industrie und Gewerbe Erwerbstätigen wurde nur noch von Groß-Berlin, der Rheinprovinz und der Provinz Sachsen übertroffen (alle folgenden Zahlen aus den Jahren 1924–1926). Die Provinz hatte etwa 270.000 Industriearbeiter und damit etwa die vierfache Zahl wie Oberschlesien aufzuweisen. Die häufiger vertretene Auffassung vom „landwirtschaftlichen Niederschlesien“ und dem „industriellen Oberschlesien“ ist daher unzutreffend. Selbst die Zahl der Bergleute war in beiden Provinzen annähernd gleich. Den größten Anteil hatte mit 80.000 Erwerbstätigen die Bekleidungsindustrie, in der alleine in Breslau etwa 30.000 Personen beschäftigt waren. Danach folgten das Baugewerbe mit 78.000 Beschäftigten, die Textilindustrie mit 75.000, Nahrungs- und Genussmittelindustrie mit 65.000, holzverarbeitende Industrie mit 50.000, Papierindustrie 20.000, Hüttenindustrie 12.000, Lederindustrie 7000 und chemische Industrie 6000. Eine Besonderheit der Industrie Niederschlesiens war, dass sie zu einem erheblichen Teil auf dem Land angesiedelt war, wo oft noch die Nachkommen der traditionellen Leineweber in die Fabriken gingen. Etwa ein Drittel der deutschen Leinwebereien befand sich in Niederschlesien.

In den Bergwerken Niederschlesiens kam es während der Zeit der Existenz der Provinz mehrfach zu schweren Unglücken. Beim Bergwerksunglück vom 9. Juli 1930 kamen in der Wenceslaus-Grube in Hausdorf 151 Bergleute durch Kohlendioxidvergiftung ums Leben, und weitere 50 wurden durch Gasvergiftung geschädigt. Ein weiteres schweres Unglück ereignete sich in der Nacht vom 10./11. Mai 1941, als ebenfalls bei einem Kohlendioxidausbruch bei Neurode 187 Bergleute starben.

Auf dem Gebiet Niederschlesiens lagen etwa 5,8 % der landwirtschaftlichen Fläche und 11 % der Waldfläche Deutschlands. Die Provinz war ein Überschussgebiet für landwirtschaftliche Produkte, insbesondere für Hafer, Weizen, Roggen, Gerste, Kartoffeln und Zuckerrüben. Die Landwirtschaft war vergleichsweise hoch mechanisiert. Im Jahr 1924 waren 30 % aller in Preußen eingesetzten Dampfpflüge in Niederschlesien im Einsatz. In Breslau befand sich die einzige Fabrik für Dampfpflüge auf dem europäischen Kontinent. Die vergleichsweise hohe Mechanisierung der Landwirtschaft trug auch dazu bei, dass Niederschlesien unter allen Ostprovinzen Preußens mit 30 % (1925) den niedrigsten Anteil an Beschäftigten in der Landwirtschaft hatte.

Von wirtschaftlicher Bedeutung waren auch die zahlreichen Kur- und Badeorte im Waldenburger Bergland, im Bober-Katzbach-Gebirge, Riesengebirge, Eulengebirge, sowie im Glatzer Land (Bad Wiesau, Bad Hermsdorf, Bad Oppelsdorf, Charlottenbrunn, Reinerz, Bad Kudowa, Bad Altheide, Bad Landeck etc.).

1920–1928: Hermann Zimmer, SPD

1928–1932: Hermann Lüdemann, SPD

1932–1933: Friedrich von Degenfeld-Schonburg, DNVP

1933–1934: Helmuth Brückner, NSDAP

1935–1938: Josef Wagner, NSDAP

Die Wahl fand am 21. Februar 1921 statt.

Die Wahl fand am 29. November 1925 statt.

Die Wahl fand am 17. November 1929 statt.

Die Wahl fand am 12. März 1933 statt.

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