Hessen-Nassau war von 1868 bis 1944 eine preußische Provinz.
Die preußische Provinz Hessen-Nassau entstand im Jahr 1868 aus
den 1866 von Preußen annektierten Ländern
der ehemaligen Landgrafschaft Hessen-Homburg
den Kreisen Biedenkopf (Hessisches Hinterland) und Vöhl des Großherzogtums Hessen
der Freien Stadt Frankfurt und
den bayerischen Bezirken Gersfeld und Orb.
Sie umfasste den nördlichen und mittleren Teil des heutigen Landes Hessen, in dem mit Oberhessen auch als Enklave eine Provinz des Großherzogtums Hessen (Hessen-Darmstadt) lag. Ferner gehörten zu Hessen-Nassau Teile der heutigen Länder Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Thüringen. Die Provinz bestand bis Ende Juni 1944. Die größten Städte waren Frankfurt am Main, die Provinzhauptstadt Kassel sowie Wiesbaden.
Nach dem Deutschen Krieg im Jahr 1866 gelangten das Kurfürstentum Hessen (Residenzstadt Cassel), das Herzogtum Nassau (Residenzstadt Wiesbaden), die Freie Stadt Frankfurt und die bayerischen Ämter Gersfeld und Orb unter preußische Herrschaft. Ferner musste das Großherzogtum Hessen durch den Friedensvertrag vom 3. September 1866 mit Preußen den Kreis Biedenkopf, das sogenannte Hessische Hinterland, den Kreis Vöhl sowie die kurz zuvor erworbene Landgrafschaft Hessen-Homburg an Preußen abtreten; es erhielt allerdings das zuvor kurhessische Bad Nauheim.
Da die mitten in Hessen gelegene, ehemals Freie Reichsstadt Wetzlar schon im Jahr 1815 preußisch und 1822 Kreisstadt des neu geschaffenen preußischen Kreises Wetzlar geworden war, blieb sie weiter im Regierungsbezirk Koblenz der Rheinprovinz. Erst am 1. Oktober 1932 wurden Stadt und Kreis Wetzlar in den Regierungsbezirk Wiesbaden der Provinz Hessen-Nassau eingegliedert.
Die neuen preußischen Gebiete wurden zunächst in den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden unter einem vorläufigen preußischen Oberpräsidium in Kassel vereinigt. Am 7. Dezember 1868 entstand hieraus die neue preußische Provinz Hessen-Nassau. Sie gliederte sich – wie in Preußen üblich – in Kreise; nur wo eine Stadt wegen ihrer Größe (mindestens 25.000 Seelen/Einwohner) aus dem Kreis ausschied, gab es einen Stadtkreis und einen Landkreis.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gehörten große Teile der Provinz im Rahmen der Alliierten Rheinlandbesetzung zum rechtsrheinischen Besatzungsgebiet. Der Nordwesten der Provinz lag im Brückenkopf Koblenz, der Südwesten im Brückenkopf Mainz. Die Besatzungszeit endete offiziell am 30. Juni 1930.
Die Farben der Flagge der Provinz waren, von oben nach unten, Rot-Weiß-Blau, identisch mit der Flagge der Niederlande. Das Herzogtum Nassau ist das Stammland des Königshauses der Niederlande.
Das Wappen ist dreigeteilt und zeigt die Wappen der drei annektierten Staaten: rechts (vom Träger aus gesehen) der gekrönte, silber-rot quergestreifte Löwe des Kurfürstentums Hessen, links ein gekrönter goldener Löwe, wie der erste im blauen Feld, für Nassau, in der roten Spitze der goldbewehrte silberne Adler der Freien Stadt Frankfurt.
Der Oberpräsident war der Verwaltungschef einer preußischen Provinz. Wie auch die Spitzenbeamten der Regierungsbezirke, die Regierungspräsidenten, wurden sie von der preußischen Landesregierung bzw. vom König ernannt. Die Bevölkerung der Provinz hatte keinen Einfluss auf die Wahl des Oberpräsidenten.
1872–1875: Ludwig von Bodelschwingh
1881–1892: Botho zu Eulenburg, 1892–1894 preußischer Ministerpräsident
1892–1898: Eduard von Magdeburg