Primož Roglič (* 29. Oktober 1989 in Zagorje ob Savi, SR Slowenien, SFR Jugoslawien) ist ein slowenischer Radrennfahrer und ehemaliger Skispringer.
Seine bislang größten Erfolge im Radsport waren die Gesamtsiege der Vuelta a España 2019, 2020, 2021 und 2024, des Giro d’Italia 2023 sowie die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio im Einzelzeitfahren.
Primož Roglič wurde am 29. Oktober 1989 in Trbovlje im damaligen Jugoslawien geboren. Nach dessen Zerfall wuchs er als Slowene in der kleinen Ortschaft Kisovec auf. Bereits in jungen Jahren begann er mit dem Skisprung-Sport, wobei er im Alter von zehn Jahren als Mitglied des SSK Kisovec von der lokalen Schanze sprang. Im Jahr 2003 absolvierte er als Junior seine ersten Wettkämpfe im FIS Cup, ehe er zwei Jahre später in Vikersund seinen ersten Einsatz im Continental-Cup erhielt. Sein erster Sieg folgte im Jahr 2006, als er im Continental-Cup den Wettkampf von Planica für sich entschied. Im selben Jahr gewann er mit seinen Teamkollegen die Silbermedaille beim Mannschaftsspringen der Junioren-Weltmeisterschaften im slowenischen Kranj. Im Jahr 2007 gewann er die Continental-Cup-Station in Westby, ehe er in Planica im Alter von 18 Jahren mit seinen Teamkollegen Jurij Tepeš, Robert Hrgota und Mitja Mežnar Junioren-Weltmeister im Mannschaftsbewerb wurde. Im Einzelspringen belegte er mit 17,5 Punkten Rückstand den fünften Rang, wobei ihm nur vier Punkte auf eine Medaille fehlten.
Wenige Wochen nach seinem Weltmeistertitel absolvierte Primož Roglič mehrere Testsprünge auf der Letalnica bratov Gorišek (HS215) in Planica. Am 22. März 2007 verlor er kurz nach dem Schanzentisch das Gleichgewicht und kam schwer zu Sturz, wobei er für zehn Minuten bewusstlos im Auslauf liegen blieb. Später wurde bei ihm ein Nasenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung diagnostiziert. Nach seinem Sturz konnte Roglič keine Top-Resultate mehr erzielen, wobei er zusehends mit Knieproblemen zu kämpfen hatte. Zudem verpasste er den Sprung in den A-Nationalkader und damit in den Skisprung-Weltcup und zog sich mit dem Jahr 2012 im Alter von 23 Jahren endgültig aus dem Skisprung-Sport zurück. Bereits in den Jahren 2010 und 2011 hatte er nur noch wenige Wettkämpfe bestritten.
Bereits im Alter von 21 Jahren erkannte Primož Roglič, dass sich seine Karriere als Skispringer dem Ende zuneigte. Auf der Suche nach neuen sportlichen Zielen und Herausforderungen versuchte er sich zunächst im Duathlon und Triathlon, ehe er sich auf den Straßenradsport fokussierte. Nach eigener Aussage gab Roglič bereits damals das Ziel aus, Profi-Radsportler zu werden, obwohl er in seinem ganzen Leben erst 3000 Kilometer gefahren war. Um sich ein gebrauchtes Rennrad leisten zu können, verkaufte Roglic sein Motorrad und arbeitete in einem Supermarkt. Bald nahm er Kontakt zu dem ehemaligen Radsportler Andrej Hauptman auf, der in jener Zeit das slowenische UCI Continental Team Radenska leitete. Dieser hielt zunächst jedoch nicht viel von dem ehemaligen Skispringer, der mit 21 Jahren erst sehr spät mit dem Radsport begann. In einem späteren Interview meinte er, dass Roglič öfter stürzte als gewann, und dass er Probleme hatte, im Peloton zu fahren. Sobald er in den Anstiegen jedoch allein war, überzeugte er mit herausragenden Leistungen. Im Alter von 22 Jahren führte Primož Roglič Leistungstests in einem slowenischen Sportlabor durch, wo er laut Berichten der Deutschen Welle (DW) eine Maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) von rund 80 ml/kg/min erzielte.
Nach nur einem Jahr unterschrieb Primož Roglič seinen ersten Profi-Vertrag beim slowenischen UCI Continental Team Adria Mobil und bestritt in seiner ersten Saison 31 Renntage. Die Slowenien-Rundfahrt beendete er auf dem 15. Gesamtrang. Im Jahr 2014 folgte sein erster Etappensieg bei der Tour d’Azerbaïdjan, ehe er als Gesamtdritter die Bergwertung der Sibiu Cycling Tour für sich entschied. Ende August gewann er das Eintagesrennen Kroatien-Slowenien als Solist. Seine bis dahin erfolgreichste Saison folgte im Jahr 2014, als er die Gesamtwertung der Tour d'Azerbaïdjan und Slowenien-Rundfahrt für sich entschied, wobei er bei beiden Etappenrennen einen Abschnitt gewann. Weiters sicherte er sich die Bergwertung der Settimana Internazionale Coppi e Bartali und feierte einen Etappensieg bei der Tour of Qinghai Lake.
Wechsel zum Team LottoNL-Jumbo
Im Jahr 2015 erfuhr Frans Maassen, einer der Sportdirektoren des Team Lotto NL-Jumbo (später Jumbo-Visma), durch einen slowenischen Freund von den Leistungen von Primož Roglič. Noch im selben Jahr flogen sie ihn zu umfangreichen Testungen in die Niederlande, wobei er erneut mit seinen außergewöhnlichen Leistungsdaten überzeugen konnte. Am 12. Oktober 2015 gab die Mannschaft bekannt, dass der zwischenzeitlich 25-jährige Slowene einen Zweijahresvertrag bei dem UCI WorldTeam unterschrieben hatte.
In seiner ersten Saison gab Primož Roglič sein Debüt bei der Tour Down Under 2016, die er jedoch nach einem Sturz auf der 5. Etappe beendete. Bereits bei seinem zweiten Etappenrennen, der Algarve-Rundfahrt, belegte er den fünften Gesamtrang, wobei er beide Bergankünfte jeweils unter den ersten drei Positionen beendete. Bei der Katalonien-Rundfahrt ging er auf der anspruchsvollen Schlussetappe auf dem Montjuïc in die Fluchtgruppe und musste sich im Sprint nur dem Russen Alexei Zatewitsch geschlagen geben. Im Mai gab er beim Giro d’Italia sein Grand-Tour-Debüt und beendete das Auftaktzeitfahren von Apeldoorn als Zweiter, wobei ihm nur 22 Hundertstel auf Tom Dumoulin fehlten. Nachdem er auf der 3. Etappe viel Zeit eingebüßt hatte, gewann er das Einzelzeitfahren der 9. Etappe, das über ein hügliges Profil von Radda in Chianti nach Greve in Chianti führte. Schlussendlich beendete er die Italien-Rundfahrt auf dem 58. Gesamtrang, ehe er slowenischer Zeitfahrmeister wurde. Am Ende der Saison wurde er von der slowenischen Nationalmannschaft für die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro und die Straßenradsport-Weltmeisterschaften in Doha nominiert.
Im Frühjahr der Saison 2017 gewann Roglič die Algarve-Rundfahrt und errang bei Tirreno–Adriatico als Gesamtvierter die beste Platzierung seiner Mannschaft. Bei der Baskenland-Rundfahrt feierte er zwei Etappensiege, wobei er sich einmal als Solist und einmal im Zeitfahren durchsetzte. Bei der Tour de Romandie gewann er das Abschlusszeitfahren und schob sich auf den dritten Gesamtrang, womit er erstmals ein Etappenrennen der UCI WorldTour auf dem Podium beendete. Nachdem er mit dem Prolog der Ster ZLM Toer erneut einen Zeitfahrbewerb für sich entschieden hatte, wurde er erstmals für die Tour de France nominiert. Im Auftaktzeitfahren von Düsseldorf, blieb er jedoch als 65. hinter seinen Erwartungen zurück, ehe er gegen Ende der Rundfahrt vermehrt in Ausreißergruppen ging. Auf der 17. Etappe setzte sich Primož Roglič im Anstieg des Col du Galibier als Solist ab und sorgte in Le Monêtier-les-Bains nach einem 35 km langen Solo für den ersten slowenischen Tour-de-France-Etappensieg. In der Gesamtwertung erzielte er schlussendlich den 38. Gesamtrang. In der Tour de France 2017 gewann er die Sonderwertung Souvenir Henri Desgrange. Am Ende der Saison ging Roglič als Mitfavorit im Einzelzeitfahren der Weltmeisterschaften an den Start. Auf der 31 km langen Strecke, die mit einem 3,4 km langen Schlussanstieg auf den Fløyen zu Ende ging, belegte er den zweiten Rang, wobei er im Ziel eine Rückstand von 57 Sekunden auf den Niederländer Tom Dumoulin aufwies. Aufgrund seiner Leistungen wurde sein Vertrag bereits im Februar 2017 um ein weiteres Jahr verlängert.
In seiner dritten Saison beim Team LottoNL-Jumbo etablierte sich Primož Roglič als Rundfahrten-Spezialist. Nachdem er eine Etappe von Tirreno–Adriatico gewonnen hatte, folgten Gesamtsiege bei der Baskenland-Rundfahrt, Tour de Romandie und Slowenien-Rundfahrt, wobei er bei ersterer und letzterer jeweils eine bzw. zwei Etappen für sich entscheiden konnte. Neben seinen Qualitäten in den Zeitfahren profitierte er auch von seiner hohen Endschnelligkeit, die es ihm erlaubte, Zeitbonifikationen bei den Zielankünften zu sammeln. Bei der Tour de France 2018 ging er an der Seite von Steven Kruijswijk an den Start, der sich in den vorangegangenen Grand Tours als Kapitän der niederländischen Mannschaft etabliert hatte. Bei der ersten Bergankunft in La Rosière rückte Roglič auf den fünften Gesamtrang vor, ehe er nach der Aufgabe von Vincenzo Nibali als Gesamtvierter in die letzte Tour-Woche ging. Auf der 19. Etappe setzte er sich im Schlussanstieg des Col d’Aubisque von den restlichen Gesamtklassement-Fahrern ab und gewann seine zweite Tour-de-France-Etappe als Solist im Talort Laruns. Zugleich rückte er auf den dritten Gesamtrang vor, wobei sein Vorsprung auf den nachfolgenden Chris Froome nur 13 Sekunden betrug. Im Einzelzeitfahren der 20. Etappe büßte er gegenüber dem Briten jedoch mehr als eine Minute ein und verpasste so einen Podiumsplatz. Aufgrund einer Sturzverletzung, die er sich bei der Frankreich-Rundfahrt zugezogen hatte verpasste er den Zeitfahrbewerb der Weltmeisterschaften in Innsbruck. Im Straßenrennen belegte er auf einem anspruchsvollen Parcours den 34. Rang.