Ein Priester ist in einer Reihe von Konfessionen im Christentum der Träger eines kirchlichen Amts, der eine liturgische Weihe empfangen hat und zu besonderen gottesdienstlichen Handlungen bevollmächtigt ist. Ein solches Priestertum kennen die römisch-katholische, die altkatholische, die anglikanische Kirche und die orthodoxen Kirchen. Die Kirchen der reformatorischen Tradition gehen von einem Priestertum aller getauften Gläubigen aus.
Das deutsche Wort ‚Priester‘ stammt vom griechischen πρεσβύτερος, presbýteros, „Ältester“ (vgl. Apg 14,23 ). Das Wort für ‚Priester‘ ist in mehreren europäischen Sprachen davon abgeleitet (priest, prêtre, prete). Andere Sprachen entnehmen das Wort dem Bedeutungsfeld von griechisch ἱερός, hierós, „heilig, geweiht“ oder lateinisch sacérdos, „Priester“ (sacerdote), von lateinisch sacer „heilig, geheiligt“. Ebenso kommen Wortbildungen aus mittellateinisch capellanus (‚Mantelwächter, Hofkleriker‘) (kapłan, capellà) sowie germanisch *kuningaz (‚König, Fürst‘) (ksiądz, knjez, kùnigas) vor. In orthodox geprägten Ländern sind die Entsprechungen von „Pope“ (aus griechisch πάππας, ‚Vater, Bischof‘, vgl. Papst) die geläufigste landessprachliche Bezeichnung.
Priester werden, sofern sie keinen höheren Titel (z. B. Monsignore, Prälat oder Domkapitular) tragen, in der Regel mit einer Abkürzung oder besonderen Bezeichnung vor ihrem Namen genannt.
Die traditionelle Höflichkeitsanrede des Priesters ist Reverendus Dominus, abgekürzt R. D., im Deutschen „Hochwürdiger Herr“ (H. H.), im Englischen The Reverend. Die traditionelle Anrede des Priesters lautet „Hochwürden“, gilt bisweilen jedoch als unzeitgemäß, während sie im Englischen als „Reverend“ noch lebendig ist. In Deutschland wird im alltäglichen Umgang zunehmend ganz auf Titel verzichtet. In den meisten Fällen wird heute die einfache Anredeform, „Sehr geehrter Herr…“ gewählt.
Von Ehrentiteln für Priester zu unterscheiden sind Amtsbezeichnungen. Leitet ein Priester dauerhaft eine Pfarrei, lautet diese Pfarrer.
Die Bezeichnung eines Ordenspriesters lautet „Pater“ (‚Vater‘). In einigen Orden lassen sich auch Priester als „Bruder“ anreden, genau wie die Ordensmitglieder ohne Priesterweihe. Im Italienischen ist „Don“ gebräuchlich (von lat. dominus, Herr), im Französischen „Abbé“ (von aramäisch abbas, Vater; lat. abba, Abt) oder „père“.
Die Priesterweihe ist in der römisch-katholische Kirche, den orthodoxen, altkatholischen und anglikanischen Kirchen die zweite Stufe des dreistufigen Weihesakraments. Auch die Christengemeinschaft kennt die Priesterweihe, jedoch keine anderen Weihestufen.
In der römisch-katholischen Kirche erfolgt die etwa achtjährige Ausbildung zum Priester im Wesentlichen im Priesterseminar. Die Priesteramtskandidaten durchlaufen eine zweiphasige Ausbildung, die in Deutschland durch die „Rahmenordnung für die Priesterbildung“ der Deutschen Bischofskonferenz geregelt wird. Auf die erste Phase des Studiums der katholischen Theologie folgt in der zweiten Phase die praktische Ausbildung, die in Jahresschritten zur Weihe als Diakon, als Priester und zum Pfarrexamen führt.
Das Neue Testament scheint für das entstehende Heidenchristentum keine vermittelnde Priesterklasse vorzusehen: „Denn: Einer ist Gott, einer ist auch Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus“ (1 Tim 2,5 ). Deshalb gebrauchte das frühe Heidenchristentum den Titel des Hohenpriesters ausschließlich im Blick auf Jesus Christus, so etwa in Hebr 4,14–16 , 5,1–6 . Der Begriff des Priesters im kultischen Sinn (Kohanim, Hiereus) wird im Neuen Testament für alle verwendet, die an Jesus Christus glaubten (zum Beispiel 1 Petr 2,9 , Offb 1,6 ). Die im Neuen Testament genannten Ämter sind Dienstfunktionen der vor allem heidenchristlichen Anhänger Jesu Christi.
Durch das Anwachsen der Heidenmission, der heidenchristlichen Gemeinden und ihre institutionelle Verfestigung, durch den Ausbau der neuen christlichen Liturgie und der Lehre, nicht zuletzt durch die antignostische Auseinandersetzung, gewannen die Ämter an Gewicht. Im zweiten Jahrhundert bildete sich die bis heute verbreitete dreigliedrige Struktur heraus: Bischof, Ältester (presbyteros) und Diakon. Der deutsche Begriff des Priesters hat sich etymologisch aus dem griechischen Begriff „presbyteros“ entwickelt.
In verschiedenen Kirchen hat sich ein unterschiedliches Verständnis des Priestertums entwickelt:
Orthodoxe, katholische und anglikanische Theologie
Im Verständnis der orthodoxen, der römisch-katholischen, der altkatholischen Kirche und der Anglikanischen Gemeinschaft sind die Bischöfe, Priester und Diakone durch die Weihe (Ordination), die ein Sakrament ist, mit einer unauslöschlichen Prägung (character indelebilis) versehen. Sie werden innerhalb des Volkes Gottes zu einem besonderen Dienst bevollmächtigt. Innerhalb des dreistufigen Weihesakraments (Bischof – Priester – Diakon) bilden die beiden ersten die priesterlichen Ämter, während die Diakone nicht zum Priestertum, sondern zum Dienst bestellt sind. Dies wurde jedoch in der Frühzeit des Christentums anders gesehen, so etwa in der Didaskalia Apostolorum, welche die Diakone metaphorisch über die Priester stellt.
In der römisch-katholischen sowie den orthodoxen Kirchen sind die priesterlichen Ämter auf Männer beschränkt. Die Mehrheit der altkatholischen Kirchen und der anglikanischen Gemeinschaft praktiziert auch die Frauenordination.
In der Nachfolge der Apostel ist die Aufgabe des Priesters die Verkündigung des Evangeliums und die Spendung der Sakramente, insbesondere die Leitung der Eucharistiefeier. Der Priester handelt dabei „in persona Christi“. Die Weihe verleiht also eine besondere Verbundenheit mit Christus. Das Sakrament legitimiert die Fortführung priesterlicher Funktionen in der Kirche Christi. Die römisch-katholische Tradition verbindet mit dieser Sicht seit dem 11. Jahrhundert den Zölibat, der in den orthodoxen Kirchen nur für Bischöfe gilt. Die Bischöfe der katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirchen sehen sich in der ungebrochenen Sukzession der Apostel, die durch Handauflegung und Weihegebet weitergegeben wird (Apg 8,18 , Apg 14,23 , Hebr 6,2 , 2 Tim 1,6 ).
Alle Priester in diesen hierarchisch organisierten Kirchen unterstehen einem Oberen: die Weltpriester einem Bischof, die Ordenspriester einem Ordensoberen. Diözesanpriester wirken insbesondere als Pfarrer einer Pfarrei ihrer Diözese. Ordenspriester leben und arbeiten gemäß dem Charisma ihrer eigenen Gemeinschaft, von der Seelsorge über die Lehre oder die Krankenpflege bis hin zu medialen Aktivitäten. In zahlreichen Ländern – in Österreich aufgrund der Josephinischen Reformen – sind manche Ordensgemeinschaften verbreitet auch in der Pfarrseelsorge tätig. Neben der Pfarrseelsorge können Priester aber auch als Seelsorger an Wallfahrtsorten, in der „Sonderseelsorge“ in Krankenhäusern, Heimen, Schulen oder an anderen besonderen Orten wirken, Verwaltungsaufgaben etwa im Ordinariat übernehmen oder als Dozenten an katholisch-theologischen Fakultäten, katholischen Akademien sowie in Bildungswerken lehren.
In den altkatholischen Kirchen gibt es auch zahlreiche Priesterinnen und Priester, die keiner eigenen Gemeinde vorstehen, sondern ihren Dienst ehrenamtlich neben einer oder einem hauptberuflichen Geistlichen ausüben.
Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird das allgemeine Priestertum aller in Taufe und Firmung mit Christus verbundenen Menschen deutlicher herausgestellt. Allerdings spricht die katholische Theologie eher vom „gemeinsamen“ Priestertum, welches Priester und Laien verbindet. Dieses verwirklicht sich nach katholischer Auffassung jedoch nicht in gleicher Teilhabe, sondern im Zusammenwirken der kirchlichen Glieder je nach Berufung und Amt in der Hierarchie.