Prem Rawat (vollständig: Prem Pal Singh Rawat; * 10. Dezember 1957 in Kankhal, Indien) ist ein in den USA lebender internationaler spiritueller Lehrer, Friedenssprecher und Buchautor, der seit seinem 14. Lebensjahr auf weltweiten Vortragsreisen die Verwirklichung persönlichen Friedens durch die Anwendung von seinem Vater erlernter Meditationstechniken propagiert. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind internationale Friedenskonferenzen und -initiativen, edukative Internet-Plattformen sowie humanitäre Projekte. Seit 1971, als er erstmals eingeladen wurde, vor einem Publikum außerhalb Indiens über seine Friedensbotschaft zu sprechen, wurde er international mehrfach ausgezeichnet und als Folge davon im 21. Jahrhundert in den Medien häufig als „Botschafter des Friedens“ (Ambassador of Peace) bezeichnet.
Prem Rawat wurde am 10. Dezember 1957 im indischen Kankhal geboren, einer kleinen Ortschaft am Stadtrand von Haridwar am Ganges. Er wuchs in Dehradun im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh auf, wo er zur Schule ging.
Nachdem er 1966 die Nachfolge seines verstorbenen Vaters angetreten hatte, wurde er gemäß einer in Indien traditionellen Anrede für einen geistigen Meister Guru Maharaj Ji genannt. Diesen Titel legte er in den 1980er Jahren ab. Heute wird er in der Öffentlichkeit Prem Rawat, von seinen Schülern auch Maharaji genannt. Prem Rawat, als Kind auch Balyogeshwar (etwa: geborener Beherrscher des Yoga) oder Sant Ji genannt, ist der jüngste der vier Söhne des Shri Hans Ji Maharaj. Dieser war ein religiös unabhängiger geistiger Lehrer und gründete 1960 die indische Divine Light Mission (DLM). Prem Rawats Mutter gehörte der hinduistischen Religion an. Prem Rawat besuchte, vor allem um Englisch zu lernen, auf Wunsch des Vaters die katholisch geführte Grundschule St. Joseph’s in Dehra Dun.
Nach dem Tod des Vaters 1966 wurde der damals achtjährige Prem Rawat als Nachfolger für die Führung der DLM anerkannt. Laut Prem Rawats Biografin Andrea Cagan gab es erhebliche innerfamiliäre Uneinigkeit hinsichtlich der Nachfolge. 1971 bereiste er mit 13 Jahren, ohne seine Familie und entgegen dem Wunsch seiner Mutter, Europa, die Vereinigten Staaten und Kanada, wo er u. a. Veranstaltungen in Los Angeles und Boulder, Colorado hielt. In Denver wurde ein Ableger der DLM gegründet, um weitere Touren und Veranstaltungen organisieren zu können. Prem Rawat wurde damals von seinen Schülern, von denen viele unter traditionellen Regeln in „Aschrams“ wohnten, als Perfect Master (Perfekter Meister) bezeichnet und verehrt (in Indien: Satguru). Er lehrt vier Konzentrationstechniken, welche eine Knowledge (Wissen) genannte innere Erfahrung ermöglichen sollen.
Im Jahr 1974 heiratete der sechzehn Jahre alte Prem Rawat die 25-jährige Marolyn Johnson, eine seiner ersten amerikanischen Schülerinnen, die zeitweise nach hinduistischer Sitte den Namen Durga Ji trug. Rawats Familie spaltete sich nach der Heirat endgültig. Die Mutter (Mata Ji) „setzte ihn wegen playboyhaften Lebenswandels ab“, enterbte ihn und kehrte mit zweien der drei Brüder nach Indien zurück, wo sie den ältesten, Satpal oder vormals Bal Bhagwan Ji, als Nachfolger von Shri Hans Ji Maharaj einsetzte. Die westlichen Schüler Prem Rawats stellten sich jedoch weitgehend einmütig hinter ihn und Rawat verbreitete seine Botschaft nunmehr unabhängig von familiären oder traditionellen Bindungen. Der indische Kontext seiner Mission trat zunehmend in den Hintergrund und die traditionsbehaftete DLM wurde zusammen mit den Aschrams aufgelöst. 1983 gründete er die Nachfolgeorganisationen Elan Vital, 2001 The Prem Rawat Foundation und 2008 Words of Peace Global. Auch in Indien hat er Schüler (Raj Vidya Kender).
Prem Rawat lebt in den USA und befindet sich die meiste Zeit auf internationalen Vortrags- und Ausbildungsreisen. Neben seinen Auftritten im Rahmen der Betreuung der Anhänger und Interessierten spricht er auch auf verschiedenen kulturellen und politischen Foren.
Prem Rawat spricht seit seinem vierten Lebensjahr auf öffentlichen Veranstaltungen, anfangs noch im Rahmen der Veranstaltungen seines Vaters. Die Teilnehmerzahlen sind unterschiedlich, zwischen einigen Hundert und mehreren Hunderttausend. Zwischen 1965, als seine Ansprachen erstmals aufgezeichnet wurden, bis zum Juli 2005 soll er laut Elan Vital bei 2280 Veranstaltungen in über 50 Ländern und über 250 Städten gesprochen haben. Im Jahr 2005 habe er auf Veranstaltungen in vier Kontinenten ein Publikum von über 1,5 Millionen Zuhörern erreicht. Auf einer Vortragstournee in Indien und Nepal im April und Mai 2007 habe er über 3 Millionen Zuhörer gehabt. Seine Ansprachen werden in 70 Sprachen übersetzt und in über 80 Ländern empfangen.
Er hat weltweit ein vielfältiges Publikum aus allen Bereichen der Gesellschaft, von Bewohnern ländlicher Gegenden Indiens und Afrikas bis hin zu Führungspersönlichkeiten aus Verwaltung und Wirtschaft. Nach Angaben der Prem Rawat Foundation wird seine Botschaft gegenwärtig in 88 Ländern verbreitet, über Satellitenfernsehen, DVDs, Internet, MP3 und Druckerzeugnissen. Seine Vorträge („Open Access“, bzw. „Words of Peace“) werden frei ausgestrahlt in zahlreichen Fernsehkanälen, wie Canal Infinito in Südamerika, Channel 31 in Australien, Dish Network in den USA, ferner in Neuseeland, Fidschi und Taiwan. In Indien versammeln sich monatlich durchschnittlich 675.000 Menschen, die keine eigene Satelliten-Empfangsmöglichkeit haben, an gemeinschaftlichen Empfangsstellen. Dort werden 480 wöchentliche Übertragungen in 10 Sprachen angeboten. 2014 wurde Rawats Fernsehreihe Words of Peace, die von verschiedenen unabhängigen Gremien ausgezeichnet wurde, in 48 Sprachen und 50 Ländern übertragen. Mit der Ausbreitung des Internets stützt sich die Verbreitung zunehmend auch auf Internetportale (Rawats persönliche Webseite; 'Words of Peace').
2007 begann die von Rawat gegründete Prem-Rawat-Stiftung (The Prem Rawat Foundation, TPRF) ein erfolgreiches Friedens-Erziehungs-Programm (Peace Education Program, PEP) für Strafgefangene, welches z. B. 2012 an 28 Gefängnissen in 10 Ländern eingesetzt wurde, darunter USA, Süd-Afrika, Indien, Spanien, Irland und England. Ein aufsehenerregender Rückgang von Rückfälligkeit bei Kursteilnehmern wurde damit in Verbindung gebracht, nach Angaben von TPRF drei bis vier von 700 Programm-Teilnehmern nach 5 Jahren im Dominguez Staatsgefängnisses in San Antonio, Texas. 2015 gewann ein Dokumentarfilm über dieses Programm, 'Inside Peace' von Cynthia Fitzpatrick, bei sechs verschiedenen Filmfestivals eine Auszeichnung.
Im Rahmen seiner internationalen Lehrtätigkeit hielt er u. a. extrakurrikulare Vorträge an mehreren Universitäten. Darüber hinaus sprach er auf einer Reihe von Konferenzen zum Thema Frieden, so z. B. im Juni 2010 und im November 2011 auf Einladung des Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments, Gianni Pittella im Haus des Europäischen Parlaments, Brüssel mit dem Titel: „Words of Peace Europe“. Anschließend unterschrieben Rawat und Pittella, sowie Repräsentanten öffentlicher und privater Institutionen und Organisationen ein Friedensgelöbnis („Pledge to Peace“). Darin verpflichteten sich die Unterzeichner, beim internationalen „Weltfriedenstag“, welcher von der UNO alljährlich am 21. September veranstaltet wird, über ihre Aktivitäten zur Förderung des Friedens zu berichten. Die Times Foundation, der The Times of India angehört, organisierte mit Rawats indischer Organisation Raj Vidya Kender im Februar 2014 das 1. Youth Peace Fest in Delhi, auf dem Rawat vor über 200.000 jungen Menschen als Hauptredner auftrat. Die als konservativ geltende The Times of India, größte englischsprachige Tageszeitung Indiens, druckte einen ausführlichen Bericht, außerdem gab es eine positive Reportage im angegliederten TV-Nachrichtenkanal Times Now.
Eine Biographie von Rawat, Frieden ist möglich von Andrea Cagan, erschien 2006 mit einem Vorwort von Emilio Colombo, einem ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments und früheren Premierminister von Italien. 2009 wurde Rawat zum „Botschafter des Friedens“ für die Region Basilikata in Italien ernannt und im September 2012 in Malaysia mit dem Asia Pacific Brands Foundation Lifetime Achievement Award ausgezeichnet, für seine „Beiträge bei der Verbreitung von globalem Frieden“.